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Seuchenverdacht in Biohof: Ehec-Fahnder wollen das Sprossen-Rätsel knacken

Von Cinthia Briseño

Erst Gurken aus Spanien, jetzt Sprossen aus Niedersachsen: Ein Gärtnerhof in Bienenbüttel steht im Verdacht, die Quelle der Ehec-Epidemie zu sein. Bakteriologen untersuchen jetzt, wie der gefährliche Keim an die Pflanzen gekommen sein könnte - es gibt mehrere Möglichkeiten.

DPA

Hamburg/Berlin - Auf dem Gärtnerhof in Bienenbüttel ist nichts mehr wie früher. Der landwirtschaftliche Betrieb im Kreis Uelzen steht still, Geschäftsführung und Mitarbeiter sind ratlos: Seit Sonntag steht das Unternehmen im Verdacht, Ausgangspunkt des schweren Ehec-Ausbruchs in Deutschland zu sein. Der Gärtnerhof produziert und vertreibt verschiedene Sorten Sprossen - sie sollen mit dem gefährlichen Darmkeim kontaminiert gewesen sein.

Mit Spannung werden nun die Laboruntersuchungen erwartet: Am Montagnachmittag will das niedersächsische Landwirtschaftsministerium das Ergebnis erster Probenuntersuchungen bekanntgeben. Es seien insgesamt 40 Proben unter anderem aus dem Wasser, von Arbeitstischen und aus der Lüftungsanlage des Betriebs in Bienenbüttel genommen worden, sagte ein Ministeriumssprecher.

Findet sich der hochgiftige Erreger - eine besonders aggressive Kreuzung aus zwei verschiedenen Escherichia coli-Stämmen - tatsächlich in den Sprossenproben vom Gärtnerhof?

"Der Ehec-Keim kommt im Darm von Wiederkäuern vor", sagt Uta Kaltenbach. "Aber wir haben hier keine Wiederkäuer." Wie es zu einer Verseuchung der Sprossen gekommen sein könnte, kann sich die Geschäftsführerin des Gärtnerhofs nicht erklären. Das herauszufinden ist nun Aufgabe der Behörden. Wie das Unternehmen in einer Presseerklärung mitteilte, habe man bereits in der zweiten Mai-Hälfte verschiedene Sprossen auf Ehec-Erreger getestet, die Ergebnisse seien aber negativ ausgefallen.

Denkbare Szenarien für eine Kontamination gibt es einige: Überprüft werden muss laut Jürgen Heesemann vom Pettenkofer-Institut in München beispielsweise, ob die Sprossen in den Gewächshäusern mit Brauchwasser, also etwa See- oder Regenwasser berieselt werden, und falls ja, wo die Wasserquelle ist. Anschließend müsste man ausschließen, dass Kühe oder Schafe diese Wasserquelle durch ihre Ausscheidungen verunreinigt haben könnten.

Bakterien könnten sich an vielen Stellen eingenistet haben

Auch wenn die Betreiber von Gewächshäusern Trinkwasser für ihre Berieselungsanlagen nutzen, ist laut dem Bakteriologen und Hygienespezialist nicht garantiert, dass dieses Trinkwasser tatsächlich frei von gefährlichen Erregern ist. Bewässerungsanlagen, Spritzdüsen, Schläuche - an vielen Stellen könnten sich bakterielle Biofilme bilden und das Vorkommen von Husec-Erregern muss ausgeschlossen werden. Als Husec bezeichnet man jene Bakterien, die das bedrohliche hämolytisch-urämische Syndrom (Hus) auslösen können - siehe Kasten:

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Dabei kommt nicht nur Wasser in Frage, das durch Tierfäkalien verunreinigt ist. Möglich ist auch, dass ein infizierter Mitarbeiter etwa nach einem Toilettengang und schlechter Händehygiene eine solche Düse oder direkt die Sprossen verunreinigt haben könnte. Man müsse wissen, so Heesemann: Husec-Bakterien sind hochkontagiös und können sich auch durch Schmierinfektion verbreiten. Und Menschen können den Erreger ausscheiden, ohne dass sich bei ihnen Symptome bemerkbar machen.

Es könnte also auch sein, dass ein Husec-positiver Mitarbeiter durch mangelnde Hygiene den Keim im Betrieb verbreitet hat. Zwei Mitarbeiter des Gärtnerhofs sollen nach Angaben des niedersächsischen Ministeriums an Durchfall erkrankt sein. In einem Fall wurde der Husec-Erreger nachgewiesen. Ob es sich aber um den derzeitigen Ausbruchserreger gehandelt hat, ist bislang unklar.

Ebenso sind sich die Behörden nicht sicher, ob der Betrieb in Bienenbüttel die alleinige Quelle für die Ehec-Infektionen ist. Dennoch plädiert Bakteriologe Heesemann angesichts der Lage für mehr Hygiene: "Man müsste Mitarbeiter in landwirtschaftlichen Betrieben letztlich so schulen wie Mitarbeiter der lebensmittelverarbeitenden Industrie oder des ärztlichen und pflegerischen Personals."

Sprossen-Betrieb bleibt bis auf weiteres geschlossen

Derweil bleibt der Gärtnerhof in Bienenbüttel bis auf weiteres geschlossen. "Wir dürfen nicht mehr liefern", sagt Geschäftsführerin Kaltenbach. Ein Lieferwagen sei vom Großmarkt in Hamburg zurückgekommen, mehr wisse sie nicht. Das Unternehmen beliefert neben Wochenmärkten und Lebensmittelgeschäften auch den Hamburger Obst- und Gemüsemarkt.

Die Sprossen seien direkt oder über Zwischenhändler an gastronomische Einrichtungen in Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen und Niedersachsen geliefert worden, sagte der niedersächsische Agrarminister Gert Lindemann.

Obwohl die Sprossen derzeitig als heißer Kandidat gelten, gibt sich das niedersächsische Ministerium nur bedingt zuversichtlich: "Ob die Untersuchungen zu einem Nachweis des Keims führen, der für das derzeitige Ausbruchsgeschehen verantwortlich ist, bleibt abzuwarten", erklärte das Ministerium. "Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die mit dem Ehec-Erreger kontaminierte Ware bereits vollständig verarbeitet und abverkauft wurde."

Laut Minister Lindemann belegt der Ablauf der Erkrankungen eindeutig, dass Ware aus dem Betrieb eine wesentliche Einschleppungsquelle gewesen sein dürfte. Den Angaben zufolge kamen die Erreger möglicherweise über Wasser in eine Trommel, die für das Aufkeimen von Saatgut verwendet wurde. Ebenso könnte Ware aus dem Ausland die Bakterien enthalten haben.

Auch in Hessen sollen alle möglicherweise betroffenen Produkte identifiziert und aus dem Handel genommen werden. "Es gibt eine Handelsbeziehung aus Niedersachsen nach Hessen", sagte der Sprecher des hessischen Verbraucherministeriums, Thorsten Neels, am Montag. Auch die Kantinen in Darmstadt und Frankfurt, in denen sich zahlreiche Menschen mit dem Keim angesteckt haben, waren demnach mit den Sprossen beliefert worden.

Kritik an der Informationspolitik

Bisher seien seit dem Ehec-Ausbruch in Hessen insgesamt 410 Proben unterschiedlicher Lebensmittel genommen worden. 316 Proben wurden bisher ausgewertet, alle seien aber negativ gewesen. Nach Auskunft des Gesundheitsministeriums ist die Zahl der schwer an Ehec Erkrankten mit 42 in Hessen zuletzt stabil geblieben.

Inzwischen mehrt sich die Kritik am Krisenmanagement der Regierung: Die Grünen kritisieren, das Risiko durch die Darmkeime sei von Gesundheitsminister Bahr und den zuständigen Behörden unterschätzt worden. Auch an der niedersächsischen Informationspolitik gibt es inzwischen Kritik: "Es ist ein bisschen unglücklich, wenn einzelne Landesminister mit Befunden vorpreschen", sagte der Leiter des Fachbereichs Gesundheit und Ernährung beim Bundesverband der Verbraucherzentrale, Stefan Etgeton, am Montag im Deutschlandfunk. "Blöd ist es, wenn sie sich dann am Ende als halbwahr herausstellen und die Einordnung in das Gesamtgeschehen nicht geschieht."

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Lindemann hatte am Sonntag die Öffentlichkeit über den Sprossen-Verdacht informiert. Dabei stützte er sich auf Indizien. "Ich hätte mir gewünscht, die Information wäre vom Robert Koch-Institut ausgegangen", sagte Etgeton. In solchen Fällen sei es wichtig, dass die Dinge gemeinsam kommuniziert und auch einordnet würden. Bereits zuvor habe es Unklarheiten und Unstimmigkeiten bei Verzehrwarnungen gegeben, kritisierte Etgeton.

Als Grund nannte er untere anderem, dass die Lebensmittelüberwachung in Deutschland sehr zersplittert sei. Sie sei teils auf regionaler Ebene unterschiedlich organisiert. "Da gibt es einiges, was man besser machen kann." Im aktuellen Fall müssten nun erstmal Laborwerte abgewartet werden. Etgeton kritisierte, man hätte sich schon früher stärker auf andere Salat-Zutaten konzentrieren sollen. Die Ehec-Patienten hätten beispielsweise präziser befragt werden können.

Mit Material von dpa

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Forum - Haben die deutschen Behörden im Kampf gegen Ehec versagt?
insgesamt 2818 Beiträge
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1. Sehr auffällig..
bibernell 04.06.2011
finde ich, dass noch kaum ( erst jetzt, das Restaurant in Lübeck..) Berichte über Gruppenerkrankungen gab. Diverse Foristen, so auch ich, haben immer wieder die Frage gestellt, wieso gerade bei solchen Gruppenerkrankungen ( am selben Ort zu selben Zeit das Gleiche gefuttert und gleichzeitig erkrankt...) der Rückschluss auf die Quelle nicht gezogen werden kann. Mir selbst sind andere Gruppenerkrankungen bekannt, nicht nur die, aus der Kantine in Frankfurt, und nie wurde darüber berichtet. Also, nochmal : welchem Denkfehler unterliegt man mglw., wenn man meint, dass solche Gruppenerkrankungen ein deutlich einfacheres Verfolgen der Nahrungswege möglich machen, als das Verfolgen der Speisen von Einzelerkrankten ? Hä ?
2. Allheilmittel
heinrichp 05.06.2011
Zitat von sysopBei der Suche nach der Quelle der Ehec-Epedemie standen zunächst spanische Gurken im Verdacht, die Erreger zu verbreiten. Nun hat sich dies als falsch herausgestellt. Die Verbraucher sind zunehmend verunsichert und wollen wissen, was sie noch gefahrlos essen dürfen. Haben die deutschen Behörden im Kampf gegen Ehec versagt?
Jede Zeit hat ihre besondere Charakteristik. So werden wir im hoch technisierten und kapitalistischen Zeitalter immer mehr mit Krankheiten und Leiden konfrontiert, die für unsere Vorfahren noch undenkbar waren. Viele Erkrankungen lassen sich dabei auf eine unnatürliche Lebensweise, Umweltgifte, Luftverschmutzung, übermäßige Belastung im Beruf und auf den so genannten Freizeitstress zurückführen. Das Gleichgewicht des Menschen gerät in zunehmendem Maße aus den Fugen. Betrachten wir nur die stetig ansteigende Anzahl der Allergiker. Es gibt kaum noch einen Stoff, dem nicht eine allergische Wirkung nachzuweisen wäre. Angefangen vom harmlosen Blütenstaub, bis hin zu kosmetischen Präparaten oder gar Nahrungsmitteln. Wurden antibiotisch wirkende Medikamente vor nicht allzu langer Zeit noch als das Allheilmittel für infektiöse Erkrankungen angesehen, manifestiert sich jetzt mehr und mehr eine hartnäckige Resistenz der Bakterien gegenüber Antibiotika. Wir können die Vermehrung von Bakterien hemmen, letzten Endes züchten wir dadurch Antibiotika-resistente Organismen! Antibiotika-Resistanz durch Fleischkonsum - Massentierhaltung macht's! Was uns heute wirklich helfen würde wird ignoriert! http://die-welt-der-reichen.over-blog.de/
3. Gefährliches Spiel
W. Robert 05.06.2011
Ganz offensichtlich sind derartige veränderte Bakterien gentechnisch sehr einfach herzustellen, angeblich experimentieren in Frankreich Gymnasiasten speziell mit derartigen Aufgabestellungen aus einem "Bio-Baukasten". Überall gibt es militärische Labore, die speziell zur biologischen Kriegsführung und deren Abwehr unterhalten werden. Man muss sich klar sein, dass diese biologischen Kampfstoffe speziell zum Töten von Menschen entwickelt werden und das Fatale ist, dass mit fortschreitender "Globalisierung" nicht nur jeder Kampfstoff von jedem besseren Studenten hergestellt werden kann und dass sich derartige "Seuchen" auch sofort global ausbreiten, wie man an den Neuinfektionen mit EHEC in den USA schon sieht. Jedenfalls gibt es enorm viele Ungereimtheiten in diesem Fall, angeblich wurde die Quelle der Konterminierung noch nicht gefunden, was höchst seltsam erscheint. Zudem steht jetzt praktisch die gesamte Nahrung unter Generalverdacht und immer neue Theorien verbreiten sich in Windeseile. Zuerst sind es die spanischen Gurken, dann weiß man es wieder nicht so genau, dann gerät natürlich Bio-Kost unter Generalverdacht, andere halten die Gentechnik (wohl zurecht) für den Verursacher. Fakt ist, dass unsere Regierung und auch die Presse kaum noch Vertrauen genießt, zu oft wurde an den Fakten gedreht. Die WHO und die Pharmaindustrie sind nach dem "Schweinegrippe"-Skandal erst recht im Zwielicht. Keiner garantiert uns, dass derartige mutierte Bakterien nicht eines Tages die Menschheit ausrotten. Wir verhalten uns wie im Mittelalter mit unserer aggressiven Politik und vergessen, dass die modernen Waffen jederzeit das Ende der Gattung bewirken können und nicht wenigen Spinnern wäre eine drastische Bevölkerungsreduktion auf gewaltsame Weise ganz recht.
4. Anders ist richtig
Montanaman 05.06.2011
Zitat von heinrichpJede Zeit hat ihre besondere Charakteristik. So werden wir im hoch technisierten und kapitalistischen Zeitalter immer mehr mit Krankheiten und Leiden konfrontiert, die für unsere Vorfahren noch undenkbar waren. Viele Erkrankungen lassen sich dabei auf eine unnatürliche Lebensweise, Umweltgifte, Luftverschmutzung, übermäßige Belastung im Beruf und auf den so genannten Freizeitstress zurückführen. Das Gleichgewicht des Menschen gerät in zunehmendem Maße aus den Fugen. Betrachten wir nur die stetig ansteigende Anzahl der Allergiker. Es gibt kaum noch einen Stoff, dem nicht eine allergische Wirkung nachzuweisen wäre. Angefangen vom harmlosen Blütenstaub, bis hin zu kosmetischen Präparaten oder gar Nahrungsmitteln. Wurden antibiotisch wirkende Medikamente vor nicht allzu langer Zeit noch als das Allheilmittel für infektiöse Erkrankungen angesehen, manifestiert sich jetzt mehr und mehr eine hartnäckige Resistenz der Bakterien gegenüber Antibiotika. Wir können die Vermehrung von Bakterien hemmen, letzten Endes züchten wir dadurch Antibiotika-resistente Organismen! Antibiotika-Resistanz durch Fleischkonsum - Massentierhaltung macht's! Was uns heute wirklich helfen würde wird ignoriert! http://die-welt-der-reichen.over-blog.de/
Auf so etwas muss man erst einmal kommen. Anders herum wird ein Schuh daraus: VOR dem "technisierten und kapitalistischen Zeitalter" haben die Menschen ungesund gelebt, waren sie doch schutzlos Seuchen wie Cholera ausgeliefert, die hunderttausende Menschenleben forderte: http://de.wikipedia.org/wiki/Cholera#Geschichte_der_Krankheitsausbr.C3.BCche Natürlich leben wir heute viel gesünder als die Menschen vor hundert Jahren - das kann man etwa an der rapide steigenden Lebenserwartung sehen.
5. Es gibt keine gefahrlose Welt.....
dillerjohann 05.06.2011
Diese Welt steht für den ständigen Wandel. So sind Epidemien, immer wieder aufgetreten weil Menschenmassen, zu dicht, zu eng, zu Unhygienisch, auf einander treffen.Veränderungen in den Klimatischen Bedingungen sind nicht zu Unterschätzen, dazu kommt der Raubbau, der seit Industrialisierung um sich greift.Bis jetzt sind alle Mutmaßungen, die EHEC betreffen, in Leere gelaufen.Massentierhaltung, Monokulturen,Chemie und Radioaktive Strahlung,Umweltverschmutzungen, in unermesslichen Ausmaß, führen zu negativen Ergebnissen, die unser Leben beeinflussen.Wir werden wieder umdenken müssen, um in einer Welt leben zu können, in der die Gefahren, besser ein zu schätzen sind,und mehr Natürlichkeit unser Leben bestimmt.Eine Welt ohne Gefahren wird es niemals geben, denn die größte Fehlerquelle ist der Mensch!
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