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Sexualforschung: Jeder 20. Mann berichtet von pädophilen Fantasien

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Corbis

Traurige Männerfantasie: Sexuelle Handlungen mit Kindern

Tausende Kinder werden jedes Jahr in Deutschland Opfer von sexuellem Missbrauch. Forscher haben nun Männer in Deutschland nach ihren Neigungen befragt.

Eine Fleißarbeit zu einem sensiblen Thema: In einem umfangreichen Projekt haben Forscher anonyme Internet-Interviews mit 28.000 Erwachsenen geführt - zu möglichen pädophilen Neigungen. Ein Ergebnis: Etwa jeder 20. Mann hat pädophile Fantasien. Die aus der Befragung entstandenen Studien zum Missbrauch von Kindern und Jugendlichen (Mikado) haben die Wissenschaftler jetzt in Regensburg veröffentlicht.

Demnach berichteten 4,4 Prozent von 8700 befragten Männern in einer der Studien über Fantasien zu sexuellen Handlungen mit Kindern im Alter von zwölf Jahren und jünger. Die bei deutschen Männern ermittelte Quote sei damit knapp halb so groß wie in einer früheren deutschen Befragung von 2011 und mehr als doppelt so groß wie in einer kanadischen Studie aus dem Jahr 2014.

Fantasien sind jedoch nicht gleichzusetzen mit der Diagnose Pädophilie. Wahrscheinlich erfülle weniger als ein Mann unter 1000 die diagnostischen Kriterien der Pädophilie, betonte Projektleiterin Janina Neutze.

Ein Schwerpunkt der Untersuchung war die Bedeutung von Internet-Chaträumen als Kontaktbörse. Von mehr als 2200 befragten erwachsenen Internetnutzern hatten 5,3 Prozent im Internet zu Minderjährigen Kontakt, bei dem es um sexuelle Inhalte ging. Dabei gaben viele Erwachsene ein falsches Alter an - jünger als 18 Jahre machten sie sich aber nicht. "Oft gibt es einen längeren Internet-Kontakt ohne sexuellen Inhalt", sagt Neutze. So werde von den Erwachsenen zunächst Vertrauen aufgebaut.

Experten fordern qualifizierte Behandlung für Opfer und Täter

Kommt es dann zu sexuellen Inhalten, haben die Opfer häufig Schwierigkeiten, den Kontakt abzubrechen, erklärt die Expertin: "Die Kinder und Jugendlichen bleiben dabei, weil sie neugierig sind. Im Rahmen ihrer sexuellen Entwicklung nutzen sie das Internet, um erste Erfahrungen zu sammeln." Sie fühlten sich dort vermeintlich sicher und unterschätzten die Gefahren.

Zur Prävention von sexuellem Missbrauch forderte die Leiterin der Studie eine bessere Aufklärung von Kindern über die Risiken des Internets sowie eine offene Debatte, in die Eltern und Lehrer stärker einbezogen werden sollten. Ein Problem sieht Neutze darin, dass nur wenige Therapeuten bereit seien, mit Pädophilen zu arbeiten. Zudem fehle es an qualifizierten Behandlungen für die Opfer.

FAQ: Wenn Erwachsene Kinder attraktiv finden

khü/dpa

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