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27. Februar 2013, 09:23 Uhr

Sexualhormon

Testosteron macht Frauen misstrauisch

Testosteron hat nicht nur bei Männern beachtliche Wirkung. Ein Experiment legt nahe, dass das Hormon auch das Verhalten von Frauen beeinflusst: Wer im Mutterleib eine höhere Dosis abbekommen hat, verhält sich im späteren Leben offenbar misstrauischer.

Testosteron, so viel ist bekannt, hat es in sich: Das Hormon steigert Aggressivität, Dominanzverhalten und sexuelles Verlangen und gilt deshalb auch als Männlichkeitshormon. Allerdings war es auch schon für Überraschungen gut: Es macht Männer ehrlicher und Frauen egoistischer, und ausgerechnet bei Jägern und Sammlern in Bolivien fand man besonders wenig Testosteron.

Jetzt bereichern Wissenschaftler die Testosteronforschung um ein weiteres Detail: Frauen, die im Mutterleib eine besonders hohe Dosis des Hormons abbekommen haben, fällt es im späteren Leben offenbar schwerer, anderen Menschen zu vertrauen. Obendrein halten die Forscher um Wim De Neys von der Université Paris Descartes eine weitere schlechte Nachricht parat: Das größere Misstrauen steigert nicht die Fähigkeit, Betrug oder wenig vertrauenswürdige Personen zu erkennen.

Wie viel Testosteron ein Baby im Mutterleib abbekommen hat, lässt sich laut früheren Studien am Längenverhältnis von Zeige- zu Ringfinger erkennen. Fachleute nennen das auch 2D:4D-Verhältnis, wobei D für "digit", also Finger, steht. Dabei gilt: Je höher die Testosterondosis im Mutterleib war, umso kleiner ist das Längenverhältnis von Zeigefinger zu Ringfinger.

Gesicht verrät Vertrauenswürdigkeit

De Neys und seine Kollegen baten nun 144 Studentinnen in einem Spielexperiment, Geld zu investieren. Sie sollten Fotos betrachten und dann entscheiden, ob sie dem darauf abgebildeten Menschen Geld geben würden. Wenn ja, so sagten die Wissenschaftler, werde der Betrag mit drei multipliziert und der Empfänger werde dann entscheiden, wie viel des Geldes er an die Investorin zurückgebe.

Die Menschen auf den Fotos waren Teilnehmer einer vorherigen Studie. Darin sollten diese selbst angeben, wie viel Geld sie an potentielle Investoren zurückzahlen würden. Sie konnten sich zwischen "gar nichts", "so viel wie ich bekommen habe" oder "die Hälfte des Gesamtbetrags" entscheiden. Mit dieser Einschätzung hatten sich die Versuchsteilnehmer also selbst als mehr oder weniger vertrauenswürdig charakterisiert. Die Investorinnen wussten von der Entscheidung der Empfänger natürlich nichts. Die Forscher gingen aber davon aus, dass subtile Hinweise im Gesicht der Menschen Auskunft über ihre Vertrauenswürdigkeit liefern und dass die Investorinnen diese Hinweise unbewusst lesen können.

Zusammenhang zwischen Fingerlängenverhältnis und Verhalten

Wie die Wissenschaftler in den "Biology Letters" der britischen Royal Society schreiben, zahlten die Investorinnen tatsächlich eher an Empfänger, die sich bereiterklärt hatten, Geld zurückzuzahlen als an solche, die alles behalten wollten. Sie konnten die Zeichen also wirklich lesen. Dabei vertrauten sie allerdings Frauen mehr als Männern.

Das eigentlich Erstaunliche: Investorinnen mit einem geringeren Verhältnis von Zeige- zu Ringfinger - und damit mit einer hohen Testosterondosis im Mutterleib - verhielten sich grundsätzlich misstrauischer. Sie gaben nur in 39 Prozent der Versuche Geld. Solche mit einem höheren 2D:4D-Verhältnis taten dies in 49 Prozent der Versuche. Die misstrauischen Frauen schätzten aber die Vertrauenswürdigkeit der Empfänger nicht genauer ein als die weniger misstrauischen.

Investorinnen mit einem geringeren 2D:4D-Verhältnis vertrauten weniger, aber nicht besser, folgern die Forscher. Das widerspricht dem Verdacht aus früheren Studien, dass Testosteron die Wachsamkeit erhöht und dadurch im gewissen Umfang vor Betrug schützen könne.

Anscheinend machten sich Menschen, die höheren Testosteronwerten ausgesetzt waren, mehr Sorgen um ihren Status, vermuten De Neys und seine Kollegen. Sie seien misstrauischer, um einem möglichen Statusverlust vorzubeugen, der damit einhergehe, betrogen zu werden. Aus wirtschaftlicher Sicht sei dieses Verhalten schädlich, weil es finanzielle Gewinne unwahrscheinlicher mache.

mbe/dpa

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