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Singende LHC-Physikerin: Teilchenbeschleuniger-Rap sorgt bei YouTube für Furore

Cruisen mit dem Fiat Seicento, tanzen im LHC-Tunnel: "Alpinekat" entspricht nicht dem klassischen Bild einer Rapperin. Die Physikerin reimt über den Superbeschleuniger in Genf - und begeistert bei YouTube die Massen - nicht die erste schräge Musikdarbietung aus dem Kernforschungszentrum.

Ein Fiat 600 ist nicht unbedingt das klassische Fortbewegungsmittel für Rapper. Gegen die normalerweise favorisierten Fortbewegungsmittel - ein protziger Offroader oder ein Siebener-BMW zum Beispiel - sehen die italienischen Kleinstwagen lächerlich winzig aus. Doch die 23-jährige Rapperin "Alpinekat", bürgerlich Kate McAlpine, bekommt Street Credibility, weil sie gerade nicht auf einen dicken Schlitten setzt - sondern auf die 600-Kubikzentimeter-Dienstwagen des Genfer Kernforschungszentrums Cern.

Zu sehen ist das in Alpines aktuellem Video dem "Large Hadron Rap", das derzeit bei YouTube für Furore sorgt. In ihm erklärt die junge Frau, die als Wissenschaftsjournalistin am Cern arbeitet, auf lockere Art, was in dem in wenigen Tagen startenden LHC-Experiment passiert.

"Kulturell gesehen sind Rap und Physik meilenweit voneinander entfernt", erklärte Alpine unlängst in einem Interview. "Und ich finde es lustig, beides zusammenzuwerfen." Das Management beim Cern hatte zunächst Bauchschmerzen ob dieser Melange, willigte schließlich aber doch ein: Die rappenden Physiker durften im Tunnel des LHC das Video zu ihrem Track drehen.

Ein Grund dafür dürfte die musikalische Tradition am Forschungszentrum sein. Einmal jährlich organisiert der dortige Musikclub ein Open-Air-Festival, das "Hardronic". Bei ihm spielen Bands von Cern-Wissenschaftlern vor Mitarbeitern und deren Familien. Eine besondere Rolle kommt dabei der Band "Les Horribles Cernettes" zu - "die einzige Hochenergie-Rockgruppe der Welt", wie es in der Eigenwerbung heißt. Abgekürzt gleicht der Bandname übrigens dem des bald an den Start gehenden Superexperiments Large Hadron Collider: LHC.

Angeblich von einer vernachlässigten Cern-Sekretärin gegründet, deren Freund sich lieber der Erforschung der Elementarteilchen als der trauten Zweisamkeit widmete, avancierte die Damencombo zum Geheimtipp nicht nur unter Physikern. Nach Aussagen von Silvano de Gennaro, dem Kopf hinter der Band waren die "Cernettes" die erste Band überhaupt, die eine eigene Seite im World Wide Web hatte - sogar mit einem Foto. Tim Berners Lee hatte das heute weltumspannende Datennetz Anfang der neunziger Jahre am Cern in Genf erfunden - und Gennaro um Fotos der Band gebeten.

Wie bei "Alpinekat" geht es auch bei den "Cernettes" in gewisser Weise um Physik, wie sollte es auch anders sein. Ihre Hits heißen "Collider", "Every Proton of You" oder "Big Bang".

chs/AP

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