Skelettfund in Äthiopien: Vorfahren des Menschen liefen früher aufrecht als angenommen

Frühe Belege für aufrechten Gang: Archäologen haben Teile eines 3,6 Millionen Jahre alten Frühmenschen-Skeletts entdeckt. Die Analyse der Gliedmaßen zeigt, dass bereits die berühmte Lucy auf zwei Beinen lief.

Teilskelett eines 3,6 Millionen Jahre alten Frühmenschen: Aufrechter Gang war möglich Zur Großansicht
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Teilskelett eines 3,6 Millionen Jahre alten Frühmenschen: Aufrechter Gang war möglich

Kadanuumuu fiel auf: 1,52 Meter maß der Vormensch der Gattung Australopithecus afarensis (siehe Kasten links). Kadanuumuu, was in der äthiopischen Afar-Sprache "großer Mann" bedeutet, war damit ganze 45 Zentimeter größer als Lucy, die berühmte Frau, die lange Zeit als ältestes Menschenfossil galt.

Die 3,6 Millionen Jahre alten Überreste von Kadanuumuu haben Forscher in Äthiopien ausgegraben. Das Teilskelett des Mannes ist rund 400.000 Jahre älter als Lucy - aber nicht so alt wie Ardi, jener Vormensch der Art Ardipthecus ramidus, der vor etwa 4,4 Millionen Jahren lebte und vergangenes Jahr für Schlagzeilen sorgte.

Somit hält Kadanuumuu zwar nicht den Altersrekord, er ist für Anthropologen dennoch eine wichtige Entdeckung: Der "große Mann" konnte, das berichten die Forscher jetzt im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences", fast wie der moderne Mensch aufrecht laufen. Mehrere Jahre lang hatte das Team um Yohannes Haile-Selassie vom Naturkundemuseum in Cleveland das Teilskelett untersucht, das seit 2005 ausgegraben wurde.

Das faszinierende Ergebnis: Australopithecus afarensis konnte vor 3,6 Millionen Jahren schon aufrecht gehen: "Lucy und ihre Verwandten waren fast so geübt, auf zwei Beinen zu laufen, wie wir es sind", sagte Haile-Selassie. Zudem, so berichten die Forscher, habe die Verlängerung unserer Beine bereits früher in der Entwicklung stattgefunden, als man bisher angenommen hat.

Die Entdeckung der Anthropologen bestätigt damit die Ergebnisse eines biomechanischen Experiments, über das Forscher vor kurzem berichtet hatten: Aus versteinerten Fußspuren hatten sie geschlossen, dass der aufrechte Gang bereits vor 3,6 Millionen Jahren möglich gewesen sein muss. Dagegen hatten manche Forscher bei der kleinen Lucy an der Fähigkeit zum Laufen auf zwei Beinen gezweifelt.

Auch bei Ardi hatte man Hinweise darauf gefunden, dass er wahrscheinlich aufrecht gelaufen ist. Die genauen Verwandtschaftsverhältnisse zwischen Ardi und Lucy sind bisher aber nicht geklärt.

cib/dpa

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insgesamt 92 Beiträge
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1. Faszinierend...
lattifix 23.06.2010
Zitat von sysopFrühe Belege für aufrechten Gang: Archäologen haben Teile eines 3,6 Millionen Jahre alten Frühmensch-Skeletts entdeckt. Die Analyse der Gliedmaßen zeigt, dass bereits die berühmte Lucy auf zwei Beinen lief. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,702232,00.html
Bummelig 3.6 Mio Jahre aufrechter Gang, aber immer noch regiert bei Menschen(-mengen) der gesunde Hühnerverstand. Vermutlich hat die Evolution (oder Gott) sich gesagt: "Puh, das Gröbste ist geschafft, ich mach mal Pause..."
2. Der aufrechte Gang
AKI CHIBA 23.06.2010
Zitat von lattifixBummelig 3.6 Mio Jahre aufrechter Gang, aber immer noch regiert bei Menschen(-mengen) der gesunde Hühnerverstand. Vermutlich hat die Evolution (oder Gott) sich gesagt: "Puh, das Gröbste ist geschafft, ich mach mal Pause..."
....und der aufrechte Gang ist ja nicht grundsätzlich ein erstrebenswerter Zustand. Im Heimatkontinent der Aufrechtler werden zur Zeit diejenigen, die aufrecht ein Ziel anstreben, zielstrebig flachgelegt. Gott, der eine Pfeife zur Durchsetzung des aufrechten Ganges mit sich trägt, macht öfter als den Aufrechten lieb ist, die o.a. Pause und pfeift entweder falsch oder blind. Über den aufrechten Gang von Entscheidungsträgern und Leistungsträgern im gegenwärtigen Zeitraum sollte man lieber nicht räsonieren. Sie führen uns gezielt in den Untergang. Ein angesehener Wissenschaftler nimmt mal den Zeitraum von 100 Jahren an. Bis dahin dürfen wir weiter mehr oder weniger aufrecht in trockengelegten Restölbohrlöchern umhertapsen.
3. sklaven der neolibs
dayo 23.06.2010
Zitat von sysopFrühe Belege für aufrechten Gang: Archäologen haben Teile eines 3,6 Millionen Jahre alten Frühmensch-Skeletts entdeckt. Die Analyse der Gliedmaßen zeigt, dass bereits die berühmte Lucy auf zwei Beinen lief. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,702232,00.html
" Vorfahren des Menschen liefen früher aufrecht als angenommen" es wird zeit, dass man sich wieder daran erinnert, wie das so war mit dem aufrechten gang.würde uns heute sicherlich weiterhelfen.
4. 3,6 Millionen Jahre oder mehr - wen kümmert's...
e.schw 23.06.2010
Zitat von sysopFrühe Belege für aufrechten Gang: Archäologen haben Teile eines 3,6 Millionen Jahre alten Frühmensch-Skeletts entdeckt. Die Analyse der Gliedmaßen zeigt, dass bereits die berühmte Lucy auf zwei Beinen lief. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,702232,00.html
Damit sind fast alle Lücken geschlossen. Von den genannten 3,6 Millionen Jahren sind zwar 3.594.000 Jahre nicht belegt (den Ardi lassen wir außen vor, diesen Affen). Doch das kümmert den Menschen mit seinen Alltagssorgen nicht. Die Datierung liest sich in “Proceedings of the National Academy of Sciences” so wunderbar glatt. Doch nur Fachleute wissen, auf wie viele unbewiesene und nicht beweisbare Annahmen sich die Datierung stützt. Die Unsicherheiten der Argon-Argon-Methode wie die der Kalium-Argon-Methode sind bekannt.
5. K40
trehalose 23.06.2010
Zitat von e.schwDoch nur Fachleute wissen, auf wie viele unbewiesene und nicht beweisbare Annahmen sich die Datierung stützt.
Eben. Wenn die Datierung methodisch einwandfrei vorgenommen wurde, sind die Resultate genau im Rahmen der Messfehler. BTW: Sind Sie Fachmann für chemische Analysen ? Das ist natürlich richtig. Und sie sind klein.
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Ardi: Der Affenmensch aus Äthiopien

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Rekonstruiert: Eine Frau namens Lucy
Homininen und Hominiden
Affen- und Menschenartige
Ein Hominid oder Menschenaffe ist ein Mitglied der taxonomischen Familie, zu der Menschen, Schimpansen, Gorillas und all deren ausgestorbene gemeinsame Vorfahren gehören. Der Begriff Hominine umfasst dagegen alle Mitglieder der Gattung Homo und deren ausgestorbene Verwandten, die dem Menschen näher stehen als den Schimpansen. Dazu zählen also nicht Schimpansen und Gorillas sowie deren Vorfahren.
Sahelanthropus tchadensis (7 bis 8 Millionen Jahre)
Dieses bisher älteste bekannte Mitglied der Menschenfamilie entdeckte ein Forscherteam aus Frankreich und dem Tschad im Juli 2001 in der Sahel-Zone in Zentralafrika. Der Fund namens Toumaï könnte aus der Zeit der Trennung der Affen-: und Menschenartigen stammen.
Orrorin tugenensis (6 Millionen Jahre)
Französische und kenianische Wissenschaftler fanden im Oktober 2000 in der Boringo-Region (Kenia) die Reste des "Millennium-Menschen". Er zeigt deutliche Hinweise auf den aufrechten Gang. In der Fachwelt ist jedoch umstritten, ob er ein direkter Vorfahr des Menschen war.
Ardipithecus ramidus (4,4 Millionen Jahre)
"Ardi" revolutionierte das Bild unserer Urahnen: Der Fund aus Äthiopien zählt zu den Menschenartigen (Homininen) und ist weit mehr von den Affen entfernt als bisher vermutet, wie im Oktober 2009 ein Forscherteam im Fachjournal "Science" berichtete.
Australopithecus afarensis (3,2 - 3,6 Millionen Jahre)
Am 30. November 1974 wird in Äthiopien "Lucy" ausgegraben, ein Teilskelett, das als letzter gemeinsamer Vorfahr mehrerer Abstammungslinien von Homininen gilt. Für Furore sorgte auch der Fund eines Kindes im Jahr 2006, das als "Lucys Baby" bekannt wurde.
Homo rudolfensis (2,5 - 2,3 Millionen Jahre)
Dieser Mensch hat ein größeres Gehirn als die Australopithecinen und nutzte auch schon Werkzeuge. Er gilt als die älteste bisher entdeckte Art der Gattung Homo. Doch wie bei Australopithecus sediba streiten sich Forscher noch um die Zuordnung zu einer Spezies. Manche Wissenschaftler zählen ihn zur Art Homo habilis, andere widerum erkennen in ihm gar einen Australopithecinen oder einen Kenyanothropus.
Australopithecus sediba (2 - 1,8 Millionen Jahre)
Am 15. August 2008 entdecken Paläoanthropologen in der Nähe von Johannesburg die knapp zwei Millionen alten Überreste eines Jungen und einer Frau. Sie könnten ein lange gesuchtes Bindeglied zwischen den noch affenartigen Vormenschen und den frühen Menschen darstellen, berichtet ein Forscherteam im Fachjournal "Science" im April 2010.
Homo erectus (1,8 Millionen - 300.000 Jahre)
Mit dem Homo erectus begann eine Wanderbewegung aus Afrika nach Europa und Asien. 1891 entdeckt der Holländer Eugène Dubois einen Javamenschen, der vor 500.000 Jahren gelebt hat. In Georgien finden Forscher seit 1999 mehrere 1,75 Millionen Jahre alte menschliche Überreste, die dem Homo erectus zugerechnet werden.
Homo heidelbergensis (780.000/500.000 Jahre)
Im Oktober 1907 wird im Dorf Mauer bei Heidelberg ein rund 500.000 Jahre alter Unterkiefer dieses Menschen ausgegraben. 1995 werden in Gran Dolina (Spanien) 780.000 Jahre alte Überreste von vier Menschen dieser Art und Werkzeuge gefunden. Sie zählen zu den frühesten Menschen Europas, starben wahrscheinlich aber aus.
Homo sapiens (160.000 Jahre bis heute)
Die bisher ältesten Überreste des modernen Menschen findet ein internationales Forscherteam 1997 in Äthiopien. Die 2003 analysierten Schädelknochen erhärten nach Ansicht der Forscher die Vermutung, dass die modernen Menschen in Afrika entstanden sind und sich von dort in die ganze Welt ausgebreitet haben.
Homo floresiensis (120.000 - 10.000 Jahre)
Der als "Hobbit" bekanntgewordene, nur ein Meter große indonesische Urmensch war im Jahr 2004 auf der Insel Flores gefunden worden. Seit Jahren streiten Wissenschaftler, ob es sich um eine eigene Menschenart oder nur einen kranken Homo sapiens handelte.
Homo neanderthalensis (130.000 - 30.000 Jahre)
Morphologische Eigenschaften, die für Neandertaler typisch sind, fand man bereits in etwa 400.000 Jahre alten Fossilien aus Europa. Doch man geht davon aus, dass die ersten Neandertaler vor etwa 130.000 Jahren entstanden sind. Heute gilt der Neandertaler als ausgestorbene Seitenlinie des Menschen. Er verschwand vor etwa 30.000 Jahren von der Bildfläche - warum, ist noch nicht vollständig geklärt.