Skelettfund Lepra quälte die Menschheit schon vor 4000 Jahren

Sie gilt als eine der bekanntesten Krankheiten: Die Lepra quälte Menschen schon zu biblischen Zeiten. Ein Skelettfund zeigt nun, dass das Leiden schon viel länger existierte - und gibt Hinweise auf die mögliche Verbreitung der Erkrankung.


Altindische Überlieferungen, die Bibel, mittelalterliche Schriften: Texte aus vergangenen Jahrhunderten belegen klar, dass die Krankheit Lepra, früher auch Aussatz genannt, der Menschheit schon lange zusetzt. "Wenn aber ein weißer Flecken an seiner Haut ist und doch die Stelle nicht tiefer anzusehen ist als die übrige Haut und die Haare nicht weiß geworden sind, so soll der Priester ihn einschließen sieben Tage", beschreibt etwa das 3. Buch Mose den empfohlenen Umgang mit einem Aussätzigen.

Hand einer Leprakranken (mit traditionellem indischem Glücksbringer "Rakhi"): Leiden seit 4000 Jahren bekannt
REUTERS

Hand einer Leprakranken (mit traditionellem indischem Glücksbringer "Rakhi"): Leiden seit 4000 Jahren bekannt

Ein indisches Grab belegt nun, wie lange das Leiden mindestens schon bekannt sein muss. Eine Forschergruppe um die Anthropologin Gwen Robbins von der Appalachian State University in Boone im US-Bundesstaat North Carolina berichtet im Internet-Fachjournal "PLoS One" über den Fund eines männlichen Skeletts mittleren Alters mit charakteristischen Merkmalen an den Knochen.

Die Forscher hatten sich auf dem Gebiet der Siedlung Balathal umgesehen, die 3700 bis 1800 vor Christus auf dem Gebiet des heutigen indischen Bundesstaats Rajastan existierte. Die Indus-Kultur war eine der ersten Zivilisationen, die sich städtisch organisiert hatte, inklusive Schrift, standardisierten Gewichten, Monumentalarchitektur, Handelsnetzwerken und anderer zivilisatorischer Glanzleistungen. Außer den Ägyptern und den Mesopotamiern war die Indus-Kultur eine der frühesten Zivilisationen des Planeten - und die Agrarsiedlung Balathal lag am Rand des riesigen Machtbereiches. Der Handel über große Distanzen könnten zur Ausbreitung der Krankheit beigetragen haben.

Forscher spekulieren seit längerer Zeit darüber, dass Lepra in Indien oder Afrika entstanden sein könnte - und mit der siegreich heimkehrenden Armee Alexanders des Großen ihren Weg in den europäischen Raum fand. Die bisher bekannten ältesten Fälle stammten aus der Zeit um 300 bis 400 vor Christus aus Thailand und Ägypten. Doch schriftliche Referenzen finden sich bereits 1000 Jahre vorher in ägyptischen Papyri.

Heutzutage ist Lepra, eine von Bakterien übertragene Krankheit, die Haut und Nerven angreift, vergleichsweise leicht behandelbar. Dazu wird eine Kombination aus mehreren Antibiotika gegeben. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken trotzdem noch immer weit mehr als 200.000 Menschen pro Jahr neu, unter anderem in Bangladesch, Brasilien, China und der Demokratischen Republik Kongo. Immerhin: Die Zahl der Fälle scheint langsam zu sinken.

Zur Infektion ist ein längerer Kontakt mit Erkrankten nötig, die Inkubationszeit ist mit bis zu 30 Jahren extrem lang. Der Erreger dürfte sich über Tröpfcheninfektion verbreiten. Das Problem: Die Krankheit ist noch immer nicht leicht zu erforschen. Der Erreger, das Mycobacterium leprae, ließ sich bisher nicht auf künstlichen Nährmedien anzüchten. Der einzige tierische Wirt des Erregers ist das Gürteltier. Sie sind deswegen extrem wichtig, wenn es darum geht, Impfstoffe gegen die Krankheit zu entwickeln.

chs



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