Smog-Alarm Behörden warnen Pekinger vor dem Verlassen der Wohnungen

Im Winter wird geheizt, nun raubt es Pekings Bewohnern den Atem: Die Luftverschmutzung in der chinesischen Hauptstadt erreicht an diesem Wochenende bedrohliche Spitzenwerte. Die Kohleheizungen befeuern den Klimawandel.

AP

Schlimme Smog-Werte rauben den Pekingern den Atem. Die Behörden riefen am Samstag für die 20 Millionen Einwohner der chinesischen Hauptstadt Alarm aus. Die US-Botschaft warnt auf Twitter vor Feinstaub-Schadstoffwerten der höchsten Kategorie. Die Konzentration des besonders gesundheitsgefährdenden Feinstaubs mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometer liegt aktuell bei 324 Mikrogramm pro Kubikmeter. Das übersteigt das 15-Fache des Grenzwertes der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Trotz Bemühungen der Regierung, die Luft zu reinigen, betrug die Sichtweite am Samstag nur wenige Hundert Meter. Die Menschen wurden aufgefordert, nicht vor die Tür zu gehen. Das chinesische Umweltschutzministerium hat für die nächsten Tage vor gefährlichem Smog in der Großregion Peking, dem westlichen Teil der Provinz Shandong und dem Norden der Provinz Henan gewarnt. Für Dienstag erwartet die Behörde starke Winde aus Norden, die die Verschmutzung zerstreuen.

Als Grund für die neuen Smog-Höchstwerte gaben die Behörden den jahreszeitlich bedingten Ausstoß durch Kohleheizöfen an. Das Ministerium sagte, es habe in mehreren Städten Kontrollteams ausgesandt, um Fabriken auf mögliche illegale Emissionen zu überprüfen.

China hatte angekündigt, durch drastisches Einsparen von Kohle die Smog-Probleme in den Großstädten lösen zu wollen. Das Problem: In Wirklichkeit hat das Land laut neuesten Auswertungen offenbar ein Sechstel mehr Treibhausgase als bekannt ausgestoßen. Einer Studie zufolge kostet die Luftverschmutzung jeden Tag mehr als 4000 Menschen das Leben. 17 Prozent aller Todesfälle lassen sich auf die Luftverschmutzung zurückführen, berichten US-Forscher.

Die Umweltverschmutzung ist eines von Chinas größten Problemen, und beim Smog tritt es besonders deutlich zutage. Weltweit ist China außerdem der größte CO2-Emittent, sein Ausstoß wird in den nächsten zehn Jahren noch weiter ansteigen.

Auf der am Sonntag beginnenden Weltklimakonferenz in Paris erwartet die internationale Gemeinschaft, dass sich das Land für einen erfolgreichen Klimagipfel einsetzen wird. Peking hatte im Juni angekündigt, seine bisherigen Klimaziele für den Gipfel zu erhöhen: Der Ausstoß von Kohlendioxid soll demnach möglichst vor 2030 den Höhepunkt im Land erreichen.



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sotomajor 28.11.2015
1. Lebensraum
Und was lernen wir daraus, nichts. Was nützt es wenn wenige die ganze Welt besitzen, aber keine Luft mehr bekommen ! Die Wirtschaft und Industrie führt am Schluß zum Exodus.
MiniDragon 28.11.2015
2. Folgen ähnlich
wie bei einem Vulkanausbruch? Dann müßte dieser Smog doch eigentlich auch die Lufttemperatur unter der Smoke-Schicht absenken. Und was könnte passieren, wenn die Luft durch technische Maßnahmen und / oder durch Schließung der schlimmsten Dreckschleudern, ganz ähnlich wie im ehemaligen deutschen Kohlenpott, wieder sauber wird? Würde es dann im umgekehrten Sinn wärmer als zuvor unter der die Sonnenstrahlen abschirmenden Glocke ?
mictann 28.11.2015
3. Wieder ein Klimagipfel
und wieder keine Ergebnisse. Die Anwesenden verlegen auf jedem Gipfel die Ziele auf Jahre in denen sie nicht mehr leben. Es ist ein wirklich schlechter Witz, wenn wir z.B. die Atomkraft durch Braunkohle ablösen, Umweltschutz mit HighTech machen, welche nur mit enormem Schadstoffausstoß zu produzieren ist. Außerdem ist Umweltschutz im Westen nur eine Verlagerung der Emission an ein anderes Ende der Welt. An ein Sinken des Energieverbrauchs denkt kein Mensch. Langsam muss die Menschheit zugeben, dass sie technologisch so schlecht ist, dass Profit mehr denn je das Maß aller Dinge ist, dass die Zerstörung der Erde unaufhaltbar ist. Das gute ist, dass das der Natur egal ist. Sie wird weiter leben, nur irgendwann ohne uns. Und erst das wird ihr richtig gut tun.
rexsayer 28.11.2015
4. Ich kenne Peking nur als strahlend schöne, heitere Stadt.
Die nahen Berge sorgen für die Inversion. Wünsche Peking viel Wind der die Glocke vertreibt.
mtk10 28.11.2015
5. Alles haben geht nicht.
10% Wachstumsrate und Umweltschutz vertragen sich nicht, zumindest wenns so schnell gehen soll. Vielleicht ginge es sogar wenn China andere Prioritäten setzen würde und die Partei von Millionen Asthmakranken abgewählt werden könnte.
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