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Peking: Anti-Smog-Maßnahmen bleiben ohne Erfolg

China: Das Atmen fällt schwer in Peking Fotos
AP

Fabriken müssen dichtmachen, Autos bekommen Fahrverbot - doch die chinesischen Behörden schaffen es nicht, den Rekord-Smog in Peking in den Griff zu bekommen. In der Bevölkerung werden Rufe nach einem Luftreinhaltegesetz laut.

Hamburg - Die Feinstaubwerte in Chinas Hauptstadt erreichten zuletzt nie zuvor gemessene Werte. Krankenhäuser füllen sich mit Menschen, die über Probleme mit den Atemwegen und dem Herz-Kreislauf-System klagen. Zwar griffen die Behörden ein - doch in den Augen vieler Betroffener blieben die Maßnahmen viel zu zaghaft.

Erst am Dienstag musste Chinas Hauptstadt erneut den Luftnotstand ausrufen. Mehr als hundert Fabriken der 20-Millionen-Stadt sollen daher vorübergehend geschlossen werden. Außerdem haben die Behörden ein Drittel ihrer eigenen Fahrzeuge vorerst aus dem Verkehr gezogen. Das dürfte kaum helfen: Die Zahl der Autos in Peking hat sich laut staatlicher Nachrichtenagentur Xinhua in den vergangenen Jahren von 3,13 Millionen (Anfang 2008) auf aktuell 5,18 Millionen fast verdoppelt.

Auch der Zwangsstopp für ausgewählte Fabriken bringt kaum Besserung: Laut chinesischem Umweltministerium hat sich der schwere Smog inzwischen auf einer Fläche von 1,3 Millionen Quadratkilometern ausgebreitet, das sind 13 Prozent der Landesfläche. Oder anders ausgedrückt: Es geht um ein Areal, das fast viermal so groß ist wie Deutschland.

Derzeit liegt der Air Quality Index in Peking laut US-Botschaft bei knapp 200, was immer noch als ungesund gilt. Kindern, Alten und Kranken wurde angeraten, nicht vor die Tür zu gehen. Auch Gesunde sollten möglichst das Haus nicht verlassen, weil sonst ihre Gesundheit beeinträchtigt werden könne, warnten die Gesundheitsbehörden.

China verbraucht 47 Prozent der Kohle weltweit

In der Bevölkerung wird der Ruf nach energischen Maßnahmen wie einem rigorosen Luftreinhaltegesetz lauter. "Die ungesunde Luft erlaubt keinen Aufschub", schrieb die Tageszeitung "China Daily" in einem Kommentar und mahnte: "Untätigkeit ist keine Option mehr." Die Politiker müssten die Schwere des Problems erkennen und dem Versuch widerstehen, eine Lösung aufzuschieben. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich die Luftqualität in diesem Land weiter verschlechtert, bevor sie besser wird", stellte das Blatt fest.

Eine Hauptursache für den Smog ist neben dem wachsenden Straßenverkehr und dem Wetter der massive Anstieg des Kohlekonsums. China verbraucht heute fast so viel Kohle wie der Rest der Welt zusammen, wie das amerikanische Energie-Informationsamt (EIA) berichtet. Seit 2000 habe sich die Energieproduktion der aufstrebenden Wirtschaftsmacht mehr als verdreifacht.

Der Kohleverbrauch habe sich jährlich im Schnitt um neun Prozent erhöht. Nach den neuen Zahlen habe China einen Anteil von 47 Prozent am globalen Kohlekonsum erreicht. Deswegen liegt das Land auch beim globalen CO2-Ausstoß mittlerweile ganz vorn.

jme/dpa

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