Psychologie Software erkennt Attraktivität von Gesichtern

Ist jemand zugänglich, dominant oder attraktiv? Forscher haben eine Software entwickelt, die den ersten Eindruck anhand des Gesichts vorhersagen kann. Gut zu wissen für alle, die ihr Porträt auf Facebook oder Twitter zeigen.

Modellbilder: Verstehen, wie der erste Eindruck entsteht
Richard J.W. Vernon/ Clare A.M. Sutherland/Andrew W. Young/ Tom Hartley

Modellbilder: Verstehen, wie der erste Eindruck entsteht


65 Gesichtszüge entscheiden zum großen Teil darüber, ob ein Betrachter einen Menschen beim ersten Eindruck als vertrauenswürdig, attraktiv oder dominant einschätzt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie britischer Psychologen. Zu den entscheidenden Kriterien gehören demnach beispielsweise die Breite der Augenbrauen, die Form der Mundpartie oder die Position der Wangenknochen.

"Zu verstehen, wie sich erste Eindrücke von Gesichtern bilden, ist ein Thema von bedeutendem theoretischen und praktischen Interesse, das noch wichtiger geworden ist durch die weite Verbreitung von Porträtfotos in den sozialen Medien", schreiben Tom Hartley und seine Kollegen von der Universität York in Großbritannienim Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Die Forscher ließen zunächst 1000 Gesichter nach Zugänglichkeit, Dominanz und Jugendlichkeit/Attraktivität bewerten. Jedes Gesicht wurde nur 100 Millisekunden gezeigt, um sicherzustellen, dass nur der erste Eindruck bewertet wurde. Die Fotos waren nicht standardisiert, sondern zeigten die Menschen in Alltagssituationen - sie waren also unterschiedlich geneigt und verschieden beleuchtet.

65 Merkmale für eine Einschätzung

Nach dem ersten Eindruck als besonders zugänglich bewertet wurden Kandidaten, deren Mund am größten und am weitesten geöffnet wahrgenommen wurde - die also am deutlichsten lächelten oder lachten. Als jugendlich und attraktiv empfunden wurden vor allem Personen mit großen Augen, schmalen, geschwungenen Augenbrauen und einer breiten Unterlippe. Dominant wirkten Gesichter mit männlichen Zügen und relativ dunkler Haut, wobei alle Fotos europäisch aussehende Menschen zeigten.

Mithilfe von 179 charakteristischen Punkten übertrugen die Wissenschaftler schließlich jedes Gesicht in eine Computergrafik. Die Einschätzungen der Befragten setzen sie mit den Gesichtsmerkmalen in Beziehung und bildeten einen Mittelwert. So entstanden typisch attraktive, dominante und zugängliche Computerbilder.

Diese Prototypen ließen die Forscher erneut bewerten. Und tatsächlich: Das generierte Bild eines attraktiven Menschen wurde auch als attraktiv wahrgenommen. Gleiches gelte für die anderen Faktoren, so die Forscher. Es zeigte sich, dass 65 Gesichtsmerkmale die Einschätzungen von Gesichtern zu 58 Prozent erklären können. Oder anders formuliert: Der Computer konnte anhand der 65 Gesichtsmerkmale 58 Prozent der Unterschiede in Attraktivität, Zugänglichkeit und Dominanz voraussagen.

"Nach unserer Kenntnis haben wir zum ersten Mal gezeigt, dass die Eigenschaften, die den ersten Eindrücken von Gesichtern unterliegen, aus sehr unterschiedlichen Alltagsfotos gewonnen werden können, auf der Basis objektiver Messungen physischer Merkmale", schreibt das Team als Fazit.

In einer vorangegangenen Studie hatten Forscher Computer darauf trainiert, Gefühle anhand von Gesichtszügen zu erkennen. Damals konnte das erstellte Computerprogramm die sechs Grundgefühle glücklich, traurig, ängstlich, wütend, überrascht und angeekelt zu 97 Prozent richtig identifizieren. In unserem Mimik-Quiz können Sie Ihre Einschätzungsfähigkeit mit dem Computer vergleichen.

Beuteschema-Quiz

jme/nik/dpa



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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
Currie Wurst 29.07.2014
1. Besonders attraktiv...
...ist wahrscheinlich ein Smilie, der grinst ja unentwegt. Mensch, gut dass es solche Studien gibt, da muss bei den Partnerbörsen niemand mehr Prosa aufwenden, sondern einfach Bild rein und fertig. Und hoffentlich steht dann nicht Depp drunter.
AnyUser 29.07.2014
2. Alter Hut, gab es seit mindestens 2008
Denn gut kopiert ist halb gewonnen. Wen es interessiert: Data-Driven Enhancement of Facial Attractiveness, 2008
cucco 29.07.2014
3. unterhaltsam
Auch wenn das nicht der erste Artikrl über Mikmik isat es doch immer wieder anregend. "Nach dem ersten Eindruck als besonders zugänglich bewertet wurden Kandidaten, deren Mund am größten und am weitesten geöffnet wahrgenommen wurde - die also am deutlichsten lächelten oder lachten..." hab gleich gewusst, dass genau das Gegenteil auf Hoeness zutrifft. Ein gieriger Scheuklappen Egoist ohne Hemmungen, daher in Deutschland erfolgreich.
Freidenker10 29.07.2014
4.
Vor zwei jahren hätten ich so eine Meldung noch lustig gefunden, aber in Kombination mit diesem ganzen Überwachungswahnsinn reiht sich ein Glied ins andere zur totalen Überwachung! öffentliche Kameras zur Gesichtskontrolle gibts ja auch schon...
spon-facebook-10000769864 29.07.2014
5. Face Print: good & bad
Den Ausführungen des Beitrags folgend kommt der Gedanke, dass Großmäuler besonders „zugänglich“ sein müssten. Aber Spaß beiseite: Die computerbasierte Analyse von Gesichtern kann also wertvolle Unterstützung bieten, im Guten wie im Schlechten, u.a. für Selbstdarstellung, PR, Psychologie, Social Media, Human Selection, Big Brother und Geheimdienste.
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