Sommerzeit und Winterzeit Wir müssen uns umstellen

Am Sonntagmorgen um 3 Uhr bekommen wir eine Stunde geschenkt: Womöglich zum letzten Mal gilt dann in Deutschland die Winterzeit. Was sagen Chronobiologen dazu, was Politiker? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

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Was soll das mit Sommer- und Winterzeit gleich noch mal?

Durch die Zeitumstellung wird es in den kommenden Wochen morgens wieder früher hell - und dafür nachmittags eher dunkel. Durch den halbjährlichen Wechsel - in Deutschland gibt es die Zeitumstellung seit 1980 - soll das Tageslicht besser genutzt werden. Der tatsächliche Nutzen ist jedoch umstritten. Das Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag kam in einer Analyse zu dem Schluss, dass die energetischen Aspekte bei der Zeitumstellung kaum ins Gewicht fallen. Viele Menschen klagen stattdessen über gesundheitliche Probleme bei der Umstellung. Als Beispiele werden Antriebslosigkeit und Schlafprobleme angeführt.

Was ist der Unterschied zwischen Normalzeit und Winterzeit?

Mit Winterzeit bezeichnen die meisten Deutschen jene Zeit, die im Winter gültig ist. Diese entspricht der Normalzeit, also der gesetzlichen Zeit, die vor Einführung der Sommerzeit ganzjährig galt. Winterzeit und Normalzeit sind daher identisch.

Warum reden auf einmal alle über die Zeitumstellung?

Im Februar dieses Jahres hatte das EU-Parlament die EU-Kommission beauftragt, sich über die Zukunft der Zeitumstellung Gedanken zu machen. Daraufhin startete Brüssel eine nicht repräsentative Onlinebefragung. Und deren Ergebnis war ein Paukenschlag - auch wenn Wissenschaftler Zweifel an der Methodik äußerten. Rund 84 Prozent der 4,6 Millionen Teilnehmer - rund 3 Millionen von ihnen kamen übrigens aus Deutschland - hatten sich gegen die Zeitumstellung ausgesprochen. Daraufhin hatte Jean-Claude Juncker vorgeschlagen, den Vorschlag bereits im kommenden Jahr umzusetzen: "Die Leute wollen das, also machen wir das."

Zeitumstellung (Symbolbild): Bald ticken die Uhren anders.
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Zeitumstellung (Symbolbild): Bald ticken die Uhren anders.

Welche Zeit gilt bisher in der EU?

Bisher gibt es in der EU drei Zeitzonen: In Irland, Portugal und dem Vereinigten Königreich gilt die mittlere Greenwich-Zeit, in 17 EU-Staaten - darunter Deutschland - die mitteleuropäische Zeit (MEZ), die eine Stunde dahinterliegt. In acht weiteren Ländern gilt die osteuropäische Zeit, dort ist es noch eine Stunde später. Seit 1996 haben alle Mitgliedstaaten jeweils am Ende März eine Stunde auf Sommerzeit vor- und Ende Oktober eine Stunde auf Normalzeit zurückgestellt, die viele auch Winterzeit nennen.

Was ist nun der Plan der EU-Kommission?

Laut den aktuellen Plänen würden am 31. März 2019 das letzte Mal die Uhren in den EU-Staaten verpflichtend umgestellt. Beim nächsten Termin, dem 27. Oktober 2019, wäre die Zeitumstellung für die Mitgliedstaaten freiwillig. Dann würde es jedem einzelnen EU-Land überlassen bleiben, ob bei ihm dauerhaft Sommer- oder Winterzeit gilt. Theoretisch möglich wäre dann, dass sich Deutschland anders entscheidet als Nachbarn wie die Niederlande oder Tschechien.

Einen Flickenteppich will Brüssel allerdings unbedingt vermeiden. Für diesen Fall fürchtet die EU-Kommission sonst negative Folgen für den Waren- und Dienstleistungsverkehr im EU-Binnenmarkt. In jedem Fall müssen die Regierungen der Mitgliedstaaten und das Europaparlament zustimmen. Und es gibt bereits Berichte über Widerstand in den Mitgliedsländern. So hat sich Portugals Premierminister Antonio Costa dafür ausgesprochen, den halbjährigen Wechsel beizubehalten.

Was ist die Position der deutschen Regierung?

Zuletzt hat sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) für ein Ende der Zeitumstellung in Europa starkgemacht - und die dauerhafte Einführung der Sommerzeit in Deutschland vorgeschlagen. "Die große Mehrheit der Menschen will nicht mehr alle sechs Monate an den Uhren drehen, und die meisten wünschen sich eine dauerhafte Sommerzeit", erklärte er zur Begründung. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat erklärt, er könne sich eine dauerhafte Sommerzeit "gut vorstellen". Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich bisher noch nicht zum Thema geäußert. Justizministerin Katarina Barley (SPD) hat erklärt, es werde auf jeden Fall keinen deutschen Sonderweg geben. "Ich halte es für relativ unwahrscheinlich, dass wir das in einem Alleingang machen", so Barley.

Welche Folgen könnten bei noch mehr Zeitzonen in Europa drohen?

Für die Deutsche Bahn wären dauerhaft verschiedene Zeitzonen in Deutschland und seinen Nachbarstaaten nach eigener Auskunft unproblematisch. Die Fahrpläne für den grenzüberschreitenden Verkehr müssten dann einfach bei Haltebahnhöfen im Ausland um die Anmerkung "Ortszeit" ergänzt werden, sagte eine Firmensprecherin. Das gebe es heute schon, etwa bei Langstreckenverbindungen nach Russland.

Problematischer sähe es im Flugverkehr aus. Die deutsche Luftverkehrswirtschaft fordert eine einheitliche Regelung für ganz Europa. "Der drohende Flickenteppich von einzelnen nationalstaatlichen Regelungen würde die Flugplanung der Fluggesellschaften und Flughäfen erheblich durcheinanderbringen", erklärte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft. Es bestehe das "akute Risiko", dass gegenwärtig angebotene Flugverbindungen "so nicht mehr darstellbar" seien, heißt es vom Verband.

Was sagen Schlafmediziner?

Die deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin spricht sich für eine Beibehaltung der Normalzeit aus - also gegen eine dauerhafte Sommerzeit. Das Tageslicht und insbesondere der Blauanteil des Sonnenlichts sei der "Hauptzeitgeber" für die innere Uhr des Menschen und maßgeblich für den Wach-Schlaf-Rhythmus. All dies wird den Experten zufolge am besten durch die Winterzeit gewährleistet. Durch Umstellung auf Sommerzeit drohe hingegen ein Schlafmangel, der zu Konzentrations- und Leistungseinbußen sowie mehr Unfällen führe.

Im Video: Die innere Uhr - Wie unser Körper tickt

Ideen gegen Schlafprobleme

Ließe sich die Zeitumstellung denn technisch gesehen einfach so abschaffen?

Taktgeber für die Zeit sind in Deutschland die Atomuhren der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig. Über Sender werden die Signale übertragen, durch die sich die Funkuhren automatisch an die Zeitumstellung anpassen. Und laut PTB wäre eine Abschaffung der halbjährlichen Umstellung kein Problem. Man könne jeden Beschluss ohne nennenswerten Aufwand umsetzen, so die Behörde.

Dieses Mal wird ja auf jeden Fall noch umgestellt. Gibt es Extrageld für Nachtarbeiter, die dadurch länger schuften müssen?

Ist nichts anderes festgelegt, müssen Arbeitnehmer in der Nacht von Samstag auf Sonntag eine Stunde länger arbeiten. Denn der Arbeitgeber habe einen berechtigten Anspruch darauf, dass bei ihm keine Lücken entstehen, heißt es beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB).

Wenn Beschäftigte aufgrund der Zeitumstellung länger arbeiten, bekommen sie das auch vergütet - nach den für Überstunden üblichen Regelungen. Es kann aber auch sein, dass individuell abweichende Regelungen bestehen. Wer sich nicht sicher ist, kann einen Blick in seinen Arbeitsvertrag werfen oder gegebenenfalls den geltenden Tarifvertrag beziehungsweise die Betriebsvereinbarung zurate ziehen.

insgesamt 360 Beiträge
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Seite 1
gero_rudolph@hotmail.com 26.10.2018
1. Nochmal
Es gibt keine Winterzeit. Es gibt die Normalzeit (ausgewählt nach der geographischen Lage) und die Sommerzeit.
jujo 26.10.2018
2. ....
Das halbjährliche wiederkehrende Murmeltier und hier im Forum das immer gleiche blabla, auch von mir. Der Worte sind genug gewechselt, lasst Taten folgen. Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich die Uhrzeit oder sie bleibt wie sie ist
Outdated 26.10.2018
3. Meine Kinder sagen:
Zeitumstellung ist toll: dann ist es morgens wieder heller auf dem Schulweg oder zumindest nicht so lange dunkel.
Stiller Betrachter 26.10.2018
4. Jetlag auch im Türkei-Urlaub?
Eines der häufigen Argumente gegen die Umstellung ist die angebliche Belastung durch den "Mini-Jetlag". Komisch nur, dass darüber niemand klagt, der ein Wochenende-trip nach London oder einen Urlaub in der Türkei macht. Meines Erachtens liegt das Hauptproblem darin, dass ein Großteil der Bevölkerung jedes Halbjahr intellektuell überfordert ist mit der Frage: Vor- oder Zurückstellen?
diepartei 26.10.2018
5. Falsche Bezeichnung
Es gibt keine Winterzeit - Normalzeit ist der richtige Begriff. Ich frage mich immer wie konnte nur die Menschheit sich entwickeln und so gross werden ohne die Sommerzeit?
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