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Spektakulärer Fund: Charité will Luxemburg-Leiche freigeben

Der mögliche Fund des Leichnams von Rosa Luxemburg in der Berliner Charité könnte bald eine Reihe von Forschern beschäftigen. Die Klinik will den mutmaßlichen Korpus der ermordeten Kommunistin für weitere Untersuchungen freigeben. Linken-Fraktionschef Gysi forderte eine Umbettung der Überreste.

Berlin - Der Leiter der Rechtsmedizin der Berliner Charité, Michael Tsokos, will den mutmaßlichen Leichnam von Rosa Luxemburg herausgeben, wenn sich bestätigen sollte, dass es sich um Überreste der getöteten Sozialistin handelt. "Mir gehört der Korpus nicht", sagte Tsokos dem "Tagesspiegel". "Ich bin sofort bereit, ihn herauszugeben, wenn rechtmäßige Ansprüche darauf bestehen."

In einem Interview mit dem SPIEGEL hatte der Mediziner zuvor seine Vermutung geäußert, dass die Kommunistin niemals beerdigt wurde. Bislang wurde die Leiche Rosa Luxemburgs auf dem Friedhof in Friedrichsfelde verortet. Einen endgültigen Beweis könne jedoch nur ein DNA-Test liefern, so der Charité-Arzt.

Tsokos nannte die Situation der möglichen Luxemburg-Leiche "juristisch ungeklärt", gegenwärtig sei sie Objekt wissenschaftlicher Forschung. Er selbst sei mit seinen Untersuchungen nicht mehr weitergekommen, weil DNA-Vergleichsmaterial fehle. Er rechne nicht mit behördlichen Anfragen, ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren zu dem Fall gebe es nicht.

Medienberichten zufolge lebt eine Nichte Luxemburgs in Warschau. Außerdem soll ein Geliebter der Sozialistin bis zu seinem Tod eine Locke in seiner Geldbörse aufbewahrt haben.

Tsokos hatte bei seinem Amtsantritt im Jahr 2007 in einer alten anatomischen Sammlung seines Instituts eine viele Jahrzehnte alte Wasserleiche ohne Kopf, Hände und Füße entdeckt. Dafür, dass es sich bei der Leiche um die tote Luxemburg handelt, sprechen Tsokos zufolge mehrere Indizien.

Der Chef der Linksfraktion im Bundestag, Gregor Gysi, sprach sich unterdessen für eine Umbettung des Leichnams aus. Dem "Berliner Kurier am Sonntag" sagte er, sollte es zutreffen, dass der Leichnam Luxemburgs seit vielen Jahrzehnten im Fundus der Charité-Rechtsmedizin liege, stünden Bundespräsident, Bundesregierung und die Linkspartei in der Verantwortung, eine würdige Beerdigung in der Gedenkstätte der Sozialisten zu organisieren.

Rosa Luxemburg war mit dem Arbeiterführer Karl Liebknecht am 15. Januar 1919 von rechtsradikalen Freikorps-Soldaten ermordet worden. Ihre Leiche warfen die Täter in den Landwehrkanal, wo sie am 31. Mai 1919 gefunden wurde.

amz/ddp

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