Spenden und Moral: Frauen beschenken die Welt, Männer ihre Nachbarn

Der kleine, feine Unterschied: Frauen schenken anders als Männer. Während weibliche Probanden, die als großzügig, fair und ehrlich gelten wollen, ihr Spendengeld gerecht verteilen, geben Männer es eher an Bedürftige im eigenen Land ab - wenn überhaupt.

Über den Flachbildschirm flimmern die Bilder von toten Irakern. Afrikanische Kinder blicken hungrig in die Kamera und in Asien werden ganze Häuser davon geschwemmt. Draußen - vor dem frisch gestrichenen Zaun, der das aufgeheizte Haus vor neugierigen Blicken schützt - lungert ein frierender Bettler. Drinnen ist Geld, draußen herrscht Armut. Doch wem gibt der wohlhabende Bewohner des warmen Hauses etwas von seinem Reichtum ab? Den notleidenden Kindern, den trauernden irakischen Witwen oder dem Bettler - oder vielleicht niemandem?

Geldgeschenk: Frauen und Männer schenken unterschiedlich
CORBIS

Geldgeschenk: Frauen und Männer schenken unterschiedlich

Wie reich Menschen ihre bedürftige Umwelt beschenken und auf wen die Wahl fällt, hängt vor allem von zwei Faktoren ab: vom Geschlecht und den moralischen Werten. Das besagt zumindest eine jetzt in der Fachzeitschrift " Journal of Consumer Research" veröffentlichte US-Studie. Demnach schenken Männer ganz anders als Frauen: Halten sie ein paar Dollar in der Hand, geben sie das Geld eher an Bedürftige in ihrer Nähe ab als an weit entfernt lebende Menschen. Frauen hingegen verteilen ihr Geld gleichmäßig auf unterschiedliche Gruppen.

Für ihre Untersuchung gaben Karen Winterich von der Texas A&M University und ihr Team Männern und Frauen fünf Ein-Dollar-Noten. Das Geld konnten die Probanden für drei Zwecke verwenden: entweder spendeten sie es den Opfern des Hurrikans Katrina oder sie gaben es an die Opfer des Tsunamis in Südostasien weiter. Die dritte Option war, das Geld in die eigene Tasche zu stecken. Die Studienteilnehmer durften die Summe auch beliebig aufteilen.

Die Ergebnisse passten den Angaben zufolge genau in die Schemata von Geschlecht und moralischer Identität. Dabei beschreibt die moralische Identität nach Definition der Autoren, wie wichtig es einer Person ist, als fair, großzügig, ehrlich und mitfühlend zu gelten.

Frauen mit hoher moralischer Identität teilten ihr Geld demnach gleichmäßig unter den Opfern des Hurrikans und denen des Tsunamis auf. Waren ihnen Ehrlichkeit und Fairness weniger wichtig, spendeten sie einen größeren Teil an die Katrina-Opfer.

Männer mit hoher moralischer Identität hingegen wollten vor allem den Menschen in ihrem Land helfen und spendeten ihre fünf Dollar an den Hilfsfonds für die Katrina-Opfer. Jene mit niedriger moralischer Identität behielten das Geld ganz für sich.

Die Wissenschaftler schließen daraus, dass sich Menschen bei Spenden eher für die sogenannte In-Group entscheiden, eine bedürftige Gruppe von Menschen also, die dem Spendenden nahe steht. Diese Erkenntnisse seien - ebenso wie die ausgeprägtere Großzügigkeit von Frauen - für die Arbeit von Wohltätigkeitsvereinen von großer Bedeutung.

hei

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