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SPIEGEL-ONLINE-Comic: Das bizarre Labor des Dr. Hirnhardt

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Spätestens seit der Geburt leuchtender Schweine ist klar, dass die Genforschung auch für Groteskes gut ist. Die Hamburger Comiczeichner Wittek und Sven Taucke drehen die Schraube des Wahnsinns weiter: Für SPIEGEL ONLINE schufen sie "Dr. Hirnhardts kleines Genlabor".

Er ist die moderne Version des verrückten Erfinders: Sein Wahnsinn ist vom Chef verordnet, und seine Schöpfungen dienen nicht der Weltherrschaft, sondern der kommerziellen Verwertung. Als schlechtes Gewissen fungiert lediglich Dolbert, der zynische, alkoholsüchtige und außerdem sprechende Klonbock, der sich in Hirnhardts Labor häuslich eingerichtet hat.



"Dr. Hirnhardts kleines Genlabor", der exklusiv für SPIEGEL ONLINE produzierte Comicstrip, zeigt neben dem Wissenschaftler und seinem Klonbock eine Schar obskuren Personals - etwa den aalglatten Herrn Direktor Dunkerbeck, der Inhaber der Firma, die Hirnhardts Labor betreibt. Auch stets zur Stelle sind die Gebrüder Kastanehda - die aufgeweckten Zwillinge sind zwei Ich-AGs und als Hausmeister unersetzlich.

Hirnhardt & Co. sind die neueste Schöpfung der Hamburger Comiczeichner Wittek & Taucke - zwei alte Hasen im Geschäft mit der obskuren Phantasie. Vor allem Wittek hat sich in den letzten Jahren als Zeichner abstruser Comic-Episoden einen Namen gemacht. 1964 in Dinslaken als Thomas Wittke geboren, gehört er inzwischen zum kreativen Kern der Hamburger Comicszene. Ausstellungen, Kleinmessen, Fanzines, Anthologien - seine Projekte sind zahlreich. Das muss nicht immer nur mit Comics zu tun haben. Zuletzt wurde Wittek bekannt als Co-Regisseur und Kameramann des umstrittenen Wahlwerbespots der "Pogo-Partei" APPD.



Eines von Witteks künstlerischen Vorbildern ist Frank Zappa. Wie er will Wittek schockieren, vor allem aber überraschen. Zu diesen Überraschungen gehören seine beim Hamburger Zwerchfell-Verlag veröffentlichten Seltsam-Comics "Bizarr Bazar" (Wittek, schreibt einer seiner Leser, zeige hier den "Mut zur Hässlichkeit") ebenso wie eine Mini-Adaption von Goethes "Faust" in klaren Linien für eine Mindener Tageszeitung. Als Werbegrafiker arbeitet Wittek unter anderem für einen dänischen Freizeitpark und gestaltet TV-Werbespots. Zudem hat er heimlich zwei Jahre lang den "Mecki"-Strip in der "Hörzu" als Ghostzeichner produziert.

Der 1970 in Bremen geborene Sven Taucke ist Zeichenlehrer im Hamburger Studio "Alligatorfarm", wo auch Wittek arbeitet. Seit drei Jahren arbeitet er als freier Grafiker in Hamburg, davor schlug er sich in Göttingen durch - als freier Journalist, Gestalter, Zeichner für Fußball- und Punk-Fanzines und Illustrator für den Werbebereich. Obwohl Comicfan von Kindesbeinen an - aufgewachsen mit Carl Barks und deutschen Independent-Zeichnern - finden sich bisher nur vereinzelte Comics von ihm in diversen deutschen Fanzines. "Es fehlte einfach die Zeit", sagt der Zeichner, dessen Langziel eine realistische deutsche Comicerzählung ist - "gerne auch mit Krimi-Einschlag".

Wittek und Taucke gemeinsam ist die Lust am Provozieren und am Irritieren - zwischen Zappa und Punk - der sie sich in den Episoden um "Dr. Hirnhardts kleines Genlabor" genüsslich hingeben werden. Fast alle Figuren wurden von Sven Taucke konzipiert und erhielten ihre endgültige Form durch Wittek. Auch die Arbeit an den einzelnen Comics geschieht im Team: die Texte entstammen nach ausgiebiger Diskussion Tauckes Feder, danach kümmert sich Wittek um die Zeichnungen. Coloriert wird das Ganze dann wieder von Taucke. Auch diese enge Zusammenarbeit zweier Künstler ist selten in Deutschland - hierzulande sind Comiczeichner meist Einzelgänger.

Viel Wert legen Wittek und Taucke auf die Bodenhaftung der Strips. "Unser Comic", so Taucke, "ist sicher nicht realistisch - von sprechenden Klon-Böcken haben wir jedenfalls noch nichts gehört." Andererseits gebe es immerhin in der Realität bereits grün leuchtende Schweine als Produkt der Gentechnologie- kein Comiczeichner denkt sich so was aus. Gentechnik ist die neue Seltsamkeit - genau das richtige Metier für die beiden Comiczeichner. Denn "Dr. Hirnhardt" ist kein Alptraum. Hier geht es nur um moderne Wissenschaft.

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Wahnsinn im Labor: Dr. Hirnhardt und seine Mitarbeiter
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Dr. Hirnhardts kleines Genlabor: Die Geburt des Dolbert


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