Sprachfehler Forscher entdecken Stotter-Gene

Warum Menschen stottern, weiß man nicht genau. Jetzt sind Forscher der Ursache für das sprachliche Stolpern etwas näher gekommen: In Genom-Analysen fanden sie drei Gene, die eine Rolle spielen könnten. Damit untermauern sie die Theorie, dass Stottern auch vererbt sein kann.


Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Vor allem Stotterer halten sich oft an dieses Sprichtwort - zu groß ist die Scham, sich beim Reden vor anderen zu blamieren. So kämpfen Stotterer mit vielen Vorurteilen - zum Beispiel, dass Stottern ein Anzeichen von Nervosität ist. Dabei sind die Ursachen des sprachlichen Stolperns noch längst nicht ausreichend erforscht.

Dass Stottern erblich veranlagt sein kann, vermuten Forscher schon lange. Der Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe (BVSS) zufolge gehen Wissenschaftler davon aus, dass im Durchschnitt 70 bis 80 Prozent der Wahrscheinlichkeit, ob ein Kind stottert, genetisch bedingt sind. Einflüsse aus der Umgebung sind demnach für die verbleibenden 20 bis 30 Prozent verantwortlich.

Jetzt haben Forscher drei Gene entdeckt, die eine Rolle bei dem Sprachfehler spielen. Im "New England Journal of Medicine"berichten sie über ihre Arbeit. "Für Hunderte von Jahren war der Grund des Stotterns ein Geheimnis für die Wissenschaft und vor allem für die Betroffenen und ihre Familien", sagt James Battey, Chef des National Institute on Deafness and Other Communication Disorders (NIDCD) in Bethesda im US-Bundesstaat Maryland. "Unsere Studie benennt nun zum ersten Mal genaue Genmutationen als eine Ursache des Stotterns."

Manche kämpfen ein Leben lang gegen das sprachliche Stolpern

In ihrer Studie hatten die Wissenschaftler Freiwillige in England, Pakistan und den USA untersucht und dabei drei auffällige Gene bemerkt. Mutationen bei zweien waren alte Bekannte: Sie werden auch für andere Störungen im Stoffwechsel und der Zellregeneration verantwortlich gemacht. Der Zusammenhang mit dem dritten Gen sei zum ersten Mal beim Menschen festgestellt worden.

In Pakistan untersuchten Battey und seine Kollegen 123 Stotterer, von denen einige miteinander verwandt waren, und zusätzlich 96 Menschen ohne Sprachfehler. So ähnlich wiederholten es die Wissenschaftler mit Engländern und Amerikanern. Nun wollen die Forscher herausfinden, wie die Gendefekte auf die Gehirnstrukturen wirken, die wichtig für das flüssige Sprechen sind.

cib/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
kiu77 11.02.2010
1. Demnächst: Forscher entdecken Gen für präferierte Automarke!
Es ist doch echt unglaublich, wofür angeblich alles schon die passenden Gene "gefunden" wurden. man ist angesichts der paar tausend verfügbaren Codeschnipsel nicht gerade wählerisch. Die Forscher sollten aufpassen, sonst geht die Haarfarbe leer aus ;-) Kurz gesagt: Diese permanenten Gen-Fun-Meldungen halte ich für unseriös und von der Forscher für massiv überinterpretiert. Bei den Biologen dieser Fachrichtung ist Zurückhaltung anscheinend komplett ausgestorben. Woran das wohl liegt?
e-ding 11.02.2010
2. ...
Zitat von kiu77Es ist doch echt unglaublich, wofür angeblich alles schon die passenden Gene "gefunden" wurden. man ist angesichts der paar tausend verfügbaren Codeschnipsel nicht gerade wählerisch. Die Forscher sollten aufpassen, sonst geht die Haarfarbe leer aus ;-) Kurz gesagt: Diese permanenten Gen-Fun-Meldungen halte ich für unseriös und von der Forscher für massiv überinterpretiert. Bei den Biologen dieser Fachrichtung ist Zurückhaltung anscheinend komplett ausgestorben. Woran das wohl liegt?
Vielleicht an den ganzen Gender-Mainstream-Soziologinnen? ;)
fledermaus62 11.02.2010
3. Stottern
In meiner Familie ( 7 Geschwister) haben 4 gestottert. Auch mein Sohn ist davon betroffen gewesen. Alle haben es im Laufe ihres bisherigen Lebens geschafft, flüssig sprechen zu lernen Auch waren/ sind Verwandte davon betroffen. Das Stottern vererbbar ist, habe ich immer vermutet.
fledermaus62 11.02.2010
4. Stottern
In meiner Familie ( 7 Geschwister) haben 4 gestottert. Auch mein Sohn ist davon betroffen gewesen. Alle haben es im Laufe ihres bisherigen Lebens geschafft, flüssig sprechen zu lernen Auch waren/ sind Verwandte davon betroffen. Das Stottern vererbbar ist, habe ich immer vermutet.
johannes9126 11.02.2010
5. Nun mal halblang
Zitat von kiu77Es ist doch echt unglaublich, wofür angeblich alles schon die passenden Gene "gefunden" wurden. man ist angesichts der paar tausend verfügbaren Codeschnipsel nicht gerade wählerisch. Die Forscher sollten aufpassen, sonst geht die Haarfarbe leer aus ;-) Kurz gesagt: Diese permanenten Gen-Fun-Meldungen halte ich für unseriös und von der Forscher für massiv überinterpretiert. Bei den Biologen dieser Fachrichtung ist Zurückhaltung anscheinend komplett ausgestorben. Woran das wohl liegt?
Wo liegt das Problem? Es gibt genügend Forscher, die auch an "wichtigen" genetischen Krankheiten forschen. Außerdem kommt Grundlagenforschung dieser Art der Genetik als ganzes zugute. Nicht zuletzt ist Stottern auch äußerst einschränkend und demütigend für die Betroffenen. Und obwohl ich zugebe, daß es nicht immer nur "Gen für dies, Gen für das" gibt, sondern viele genetische Prozesse unglaublich vielschichtig reguliert sind, warum wundert es, daß bei dem immensen Forschungsaufwand langsam die Gene und Gendefekte für alles mögliche gefunden werden? Die Rolle des jeweiligen Gens für den Organismus in seiner Gesamtheit zu entschlüsseln ist dann der nächste Schritt. Und mit ein wenig Glück erleben wir noch den übernächsten Schritt, das korrigierende Eingreifen in die Genetik des Menschen.
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