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Sprachstörung: Stottern beginnt im Gehirn

Chronisches Stottern galt bisher als eine motorische Störung der Stimmorgane. US-Forscher haben nun herausgefunden, dass die Ursachen auch im Gehirn zu suchen sind: Stotterer verarbeiten Sprache anders.

Stotterer-Therapie: Sprachstörung ist nicht nur ein motorisches Problem
DPA

Stotterer-Therapie: Sprachstörung ist nicht nur ein motorisches Problem

"Stottern ist immer nur als ein Sprachproblem gesehen worden", sagt Christine Weber-Fox. Die Störung basiert allerdings nicht nur auf einer motorischen Fehlfunktion, sondern hat seine Ursachen auch im Gehirn, wie die Sprachwissenschaftlerin und ihre Kollegen von der Purdue University in den USA herausgefunden haben. Die Forscher werden ihre Ergebnisse am heutigen Freitag auf einer Tagung der American Speech-Language-Hearing Association in Portland präsentieren.

Bei vier bis fünf Prozent aller Kinder tritt chronisches Stottern auf. Bei vielen verschwindet es spontan oder durch eine Therapie, aber immerhin ein Prozent der Bevölkerung leidet auch im Erwachsenenalter noch unter der Störung. Männer sind fünfmal häufiger betroffen als Frauen.

Stotterer sind laut Weber-Fox häufig sprachlich sehr fit und haben mit Grammatikregeln oder dem Klang der Sprache keine Probleme. In einem Versuch stellte sie Stotterern und Nicht-Stotterern eine Reihe von Aufgaben, mit denen sie deren Fähigkeit im Umgang mit Bedeutung, Grammatik und Klang von Sprache feststellen konnte. Die Testpersonen sollten sich nur gedanklich mit der Aufgabe auseinandersetzen und die Antwort per Knopfdruck übermitteln, während ihre Hirnaktivitäten aufgezeichnet wurden.

Die Messungen ergaben, dass das Gehirn eines Stotterers anders arbeitet, auch wenn die Stimme nicht benutzt wird. Es braucht bei komplexen Aufgaben länger, und bei manchen Tests waren bestimmte Gehirnareale aktiver als bei Nicht-Stotterern. Die Ergebnisse zeigen nach Ansicht der Forscher, dass Stottern ein komplexes System ist, das aus einem Zusammenspiel von Sprachverarbeitung und den Stimmorganen entsteht.

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