Kommunikation Je autoritärer das Gegenüber, desto höher die Stimme

Abhängig vom Gesprächspartner ändert sich die eigene Tonlage, berichten Forscher. Wirkt das Gegenüber dominant, erklingt die eigene Stimme höher - und umgekehrt.

Wie hoch jemand spricht, hängt auch von seinem Gegenüber ab
imago/ Westend61

Wie hoch jemand spricht, hängt auch von seinem Gegenüber ab


Menschen verändern die Tonhöhe beim Sprechen, wenn sie mit einer vermeintlich dominanten Person sprechen oder sich selbst unterlegen fühlen. So werden respekteinflößende oder geachtete Menschen häufig mit höherer Tonlage angesprochen als neutral bewertete, berichten britische Forscher im Fachblatt "Plos One". Wenn jemand sich seinem Gegenüber überlegen fühle, sinke die Tonhöhe indes.

"Diese Änderungen mögen bewusst oder unbewusst sein, aber Stimmmerkmale scheinen ein wichtiger Weg zu sein, um den sozialen Status zu kommunizieren", so Mitautorin Viktoria Mileva.

Die Forscher um Juan David Leongómez von der University of Sterling hatten zunächst Freiwillige gebeten, mithilfe eines Computerprogramms männliche Gesichter zu erstellen, die dominant, angesehen oder neutral wirkten. Dann verpassten die Forscher jedem der drei Gesichter das Profil eines Arbeitgebers samt Namen, beruflicher Position und fiktiver kurzer Bewertung durch vermeintliche Angestellte.

Die Beschreibungen sollten den visuellen Eindruck einer dominanten, angesehenen oder neutralen Person verstärken. So gab es etwa den Sicherheitschef eines Gefängnisses, der als Kontrollfreak und einschüchternd beschrieben wurde - der dominante Typ.

Das zweite Bild (b) zeigt den dominanten Sicherheitschef
2017 Leongómez et al.

Das zweite Bild (b) zeigt den dominanten Sicherheitschef

Simuliertes Bewerbungsgespräch

Nun baten die Forscher 48 Studenten an einer Studie teilzunehmen, in der angeblich ein neues Bewerbungsverfahren getestet werden sollte - eines, bei dem Bewerber und Arbeitgeber nicht im gleichen Raum sind.

Jeder Proband bekam hintereinander die drei Fotos präsentiert und musste sich dann zunächst kurz vorstellen. Anschließend sollten die Probanden jeweils sagen, warum sie für den Job geeignet sind und wie sie Probleme mit einem Kollegen dem Chef mitteilen würden. Bild und Ton wurden aufgezeichnet. Schließlich füllten die Studenten noch einen Fragebogen zur ihrer Persönlichkeit aus. Diese Angaben sowie die Aufnahmen werteten die Forscher anschließend aus.

Das Ergebnis: Je dominanter sich ein Proband selbst einschätzte, mit desto tieferer Stimme sprach er tendenziell. Jemand, der sich als besonders respektabel bewertete - der also annahm, die Leute schätzten seine Meinung und sähen zu ihm auf - sprach grundsätzlich gleichmäßig laut. Das signalisiere Ruhe und Kontrolle über die Situation, vermuten die Forscher.

Hohe Stimme als Zeichen der Ergebenheit

Daneben veränderte sich bei den Probanden die Tonhöhe beim Sprechen, je nach sozialem Status des vermeintlichen Arbeitgebers. "Wenn jemand den Befrager als dominanter einschätzte, hob er seine Stimme", sagte Mileva. "Das ist womöglich ein Zeichen der Ergebenheit, um dem Zuhörer zu zeigen, dass keine Gefahr droht und um mögliche Konfrontationen zu vermeiden."

Schließlich veränderte auch die Art der Frage die Stimmhöhe: Komplexe, zwischenmenschliche Fragen beantworteten die Probanden tendenziell in tieferer Tonlage.

"Signale und die Wahrnehmung des sozialen Status haben Auswirkung auf nahezu alle menschlichen Interaktionen - von morphologischen Charakteristika wie der Gesichtsform bis zur Körperhaltung, der Nutzung spezieller Sprache, dem Gesichtsausdruck oder der Stimme. Herauszufinden, was diese Signale und ihre Auswirkungen sind, wird uns dabei helfen, einen wesentlichen Teil des menschlichen Verhaltens zu verstehen."

jme/dpa



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