Spurensuche im Amazonas Schneckenschalen verraten frühzeitliche Dschungel-Siedlung

Überraschung im Dschungel: Forscher entdeckten in Amazonien mehrere große Hügel aus Schalen von Wasserschnecken. Siedler haben diese vor etwa 10.400 Jahren zurückgelassen - Relikte einer sehr frühen Siedlung.

Detektivarbeit: Bodenproben aus Erdhügeln des westlichen Amazonasgebiets offenbaren Vieles über dessen frühe Bewohner. Entdeckt wurden Knochen, Schneckenschalen und Erde, auf denen heute Tropenbäume wachsen.
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Detektivarbeit: Bodenproben aus Erdhügeln des westlichen Amazonasgebiets offenbaren Vieles über dessen frühe Bewohner. Entdeckt wurden Knochen, Schneckenschalen und Erde, auf denen heute Tropenbäume wachsen.


Im westlichen Amazonasgebiet haben schon vor mehr als 10.000 Jahren Menschen gelebt. Bisher war angenommen worden, dass die Region in Bolivien wegen ungünstiger Umweltbedingungen kaum von Jäger-und-Sammler-Gesellschaften besiedelt worden war. Dort finden sich Hunderte kleine bewaldete Hügel aus Erdreich. Ihre Entstehung wurde unter anderem Termiten und Erosion zugeschrieben. Nun haben Wissenschaftler herausgefunden: Drei dieser Hügel bestehen aus Schalen von Wasserschnecken. Siedler haben diese wahrscheinlich im frühen Holozän vor etwa 10.400 Jahren zurückgelassen.

"Die Hügel oder Inseln bestehen fast nur aus Schneckenschalen, die miteinander verbacken sind", berichtet Rainer Hutterer vom Zoologischen Forschungsinstitut Alexander Koenig in Bonn, der die Bodenproben als Archäozoologe untersuchte. Es handele sich um eine Art Gesteinshügel aus Knochen, Schalen und Erde, auf denen heute Tropenbäume und -pflanzen wachsen. Die Wissenschaftler unter Leitung von Umberto Lombardo von der Universität Bern berichten darüber in der Fachzeitschrift "PLOS ONE".

Hügel entstanden in zwei Phasen

Teilweise habe er die Proben mit Säure behandeln müssen, um überhaupt an die Knochen und die Schnecken heranzukommen, sagte Hutterer. Dabei habe er auch kleine Fragmente menschlicher Knochen gefunden. Alles sei zerschlagen, weil die Menschen alles gegessen und bis aufs Mark genutzt hätten. Oft gebe es nur kleine Bruchstücke. "Das ist Detektivarbeit, aber das ist eben Archäozoologie."

Die Hügel schienen in zwei Phasen gebildet worden zu sein, so die Autoren. Eine untere Schicht bestehe hauptsächlich aus Schneckenschalen, eine darüber liegende aus organischem Material mit Bruchstücken von Keramik, Knochenwerkzeugen und menschlichen Knochen. Beide Schichten waren durch eine dünne Lage aus gebranntem Ton und Erde getrennt.

Radiokarbon-Datierungen von zwei Schneckenhügeln zeigten, dass Menschen diese Region bereits im frühen Holozän vor etwa 10.400 Jahren besiedelt hätten. Die Hügel aus Schneckenhäusern und anderen Artefakten seien über einen Zeitraum von etwa 6000 Jahren menschlicher Besiedlung gebildet worden. Die Forscher vermuten, dass die Siedlungen wegen Klimaveränderungen verlassen worden sind.

boj/dpa



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
Layer_8 29.08.2013
1. Waldsiedlungen...
Zitat von sysopLombardo et al.Überraschung im Dschungel: Forscher entdeckten in Amazonien mehrere große Hügel aus Schalen von Wasserschnecken. Siedler haben diese vor etwa 10.400 Jahren zurückgelassen - Relikte einer sehr frühen Siedlung. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/spuren-steinzeitlicher-besiedlung-im-amazonasgebiet-a-919159.html
...in Südamerika. Ist schon interessant, dass da "mehr" war, als bisher von der "zivilisierten" Welt angenommen wurde. Ich war z.B. verblüfft, als ich das hier (http://www.spektrum.de/artikel/1184813) las.
Tiananmen 29.08.2013
2.
Die Besiedlung Amazoniens war lange vor Kolumbus wesentlich dichter als heute allgemein angenommen. Schon seit den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts sind Untersuchungen zur sog. Terra preta bekannt, die als Siedlungs- und *landwirtschaftliche Anbau(!)gebiete* (prähistorischer) Indianervölker interpretiert werden. Die Haufen von Schneckenschalen erinnern mich ein wenig an die dänischen *Kökkenmöddingar*, gigantische Ablagerungen von Muschelschalen, die wohl steinzeitliche "Küchenabfälle" sind. Prähistorische anthropogen Muschelhaufen gibt es rings um die Welt. "Die ersten bekannten Muschelhaufen, die Steinwerkzeuge enthielten, sind in der Höhle von Pinnacle Point am Indischen Ozean in Südafrika auf ein Alter von 164.000 Jahren datiert worden..."(Wikipedia)
pleromax 29.08.2013
3. Routinierter Kannibalismus
liegt hier angesichts winziger Menschenknochen wohl nahe - aber weshalb bleibt das unkommentiert?
taglöhner 29.08.2013
4.
Zitat von pleromaxliegt hier angesichts winziger Menschenknochen wohl nahe - aber weshalb bleibt das unkommentiert?
Hab ich mich auch gefragt. Weil's gruselig ist?
taglöhner 29.08.2013
5.
Zitat von pleromaxliegt hier angesichts winziger Menschenknochen wohl nahe - aber weshalb bleibt das unkommentiert?
Hab ich mich auch gefragt. Weil's gruselig ist?
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