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Stammzellen aus dem Eierstock: Unfruchtbare Mäuse zeugen Nachwuchs nach Transplantation

Bislang galt, dass Eizellen nach der Geburt nicht neu entstehen können. Jetzt haben chinesische Forscher jedoch entdeckt, dass Mäuse Stammzellen besitzen, die zu Eizellen heranreifen können. Nach einer Transplantation der Zellen bekamen unfruchtbare Tiere sogar gesunden Nachwuchs.

Shanghai - In der Reproduktionsmedizin gibt es neben vielen anderen vor allem ein weltweit anerkanntes Problem: Ein Mädchen kommt zwar mit ein bis zwei Millionen Eizellen auf die Welt, doch im Laufe ihres Lebens kann eine Frau keine neue Eizellen produzieren. Das gleiche gilt für die meisten Säugetiere - dachten Wissenschaftler zumindest bislang. Jetzt haben chinesische Forscher im Tierversuch jedoch einen wichtigen Hinweis darauf gefunden, dass auch Säugetiere möglicherweise noch im Lauf ihres Lebens Eizellen herstellen könnten.

Labormäuse: Befruchtung nach Stammzelltransplantation
DPA

Labormäuse: Befruchtung nach Stammzelltransplantation

Für ihre Untersuchungen isolierten Ji Wu und sein Team von der Universität in Shanghai spezielle Stammzelllinien aus den Eierstöcken von fünf Tage alten sowie von ausgewachsenen Mäusen. In ihren Analysen wiesen die Wissenschaftler dann nach, dass diese Zellen alle typischen Eigenschaften jener Zellen aufwiesen, die später zu Eizellen heranwachsen können. Bislang sei es unter Biologen und Stammzellforscher umstritten gewesen, ob diese speziellen Stammzellen überhaupt in den Eierstöcken von Säugetieren existieren, schreiben die Autoren in der Fachzeitschrift "Nature Cell Biology".

Im Labor züchteten die Forscher die gewonnenen Zellen 15 Monate lang - im Fall der Zelllinie aus erwachsenen Tieren sechs Monate lang. Dabei fiel ihnen vor allem auf, dass sich die Zellen erstaunlich gut entwickelten und kaum Degenerationen aufwiesen.

Schließlich verpflanzten die Forscher die neugezüchteten Zellen in 22 chemisch unfruchtbar gemachte Mäuse. In jeden Eierstock spritzten sie 10.000 Zellen. Diese reiften im Körper weiter heran - und verhielten sich wie natürlich entstandene Vorläuferzellen: Sie entwickelten sich zu reifen Eizellen, die einen Eisprung vollzogen.

Nach dem Eisprung war sogar eine Befruchtung möglich: 18 der Tiere bekamen völlig gesunden und ebenfalls fruchtbaren Nachwuchs. Die chinesischen Wissenschaftler glauben, dass ihre Studie für die Zukunft der Reproduktionsmedizin eine wichtige Rolle spielen könnte.

"Die Untersuchung wird viele weitere Studien nach sich ziehen, so wie es oft passiert, wenn ein Dogma in Frage gestellt wird", zitiert die britische Tageszeitung "The Guardian" Robin Lovell-Badge, Leiter der Stammzellbiologie am National Institute For Medical Research in London. Es sei eine wichtige Aufgabe, die Ergebnisse zunächst in weiteren Tests zu bestätigen und zu klären, was die neuen Zellen wirklich können. Erst dann, so Lovell-Badge, könnten die Versuche eventuell auch eine Bedeutung für Frauen gewinnen, die wenig Eizellen haben oder deren Eierstöcke durch eine Chemotherapie geschädigt sind.

hei/dpa

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