Stammzellpionier Aus der Klinik zurück im Labor

Der südkoreanische Stammzellforscher Hwang Woo-Suk ist wieder an seinen Arbeitsplatz zurückgekehrt. Er war in den vergangenen Wochen massiv kritisiert worden, unter anderem wegen angeblicher Datenmanipulationen. Hwang hatte sich eine Weile in einem Kloster versteckt und lag zuletzt im Krankenhaus.


Hwang war in der vergangenen Woche in einer Klinik gelandet, nachdem er einen Zusammenbruch erlitten hatte. Heute ging er im weißen Kittel an einem Spalier von Fernsehkameras vorbei zurück an seinen Arbeitsplatz, ein Labor der Seoul National University. Bilder von dem in die Kritik geratenen Stammzellpionier zierten vergangene Woche die Titelseiten südkoreanischer Zeitungen - sie zeigen den Forscher unrasiert in einem Krankenhausbett liegend.

Hwang im Krankenbett: Zusammenbruch nach massiver Kritik
AP

Hwang im Krankenbett: Zusammenbruch nach massiver Kritik

Hwang selbst hat darum gebeten, dass seine Arbeitsweise überprüft wird, um den Medienspekulationen über angeblich unethische Praktiken wirksam entgegentreten zu können. Ihm war unter anderem vorgeworfen worden, Eizellen von Untergebenen für Forschungszwecke verwendet zu haben, was unter Wissenschaftlern als inakzeptabel gilt. Ein prominenter Kooperationspartner hatte sich nach eigenen Angaben deshalb von Hwang abgewandt.

Kurz darauf wurden dann Vorwürfe laut, ein als Meilenstein betrachteter Forschungsbericht Hwangs beruhe auf teilweise manipulierten Daten. In dem Artikel, der in der Wissenschaftszeitschrift "Science" erschien, wurde über elf unterschiedliche Stammzelllinien berichtet, die Hwangs Team angeblich geklont hatte. Südkoreanische Journalisten äußerten den Verdacht, einige der Fotografien in dem Artikel in "Science" könnten manipuliert worden sein. Dieser Vorwurf erwies sich jedoch als haltlos - offenbar handelte es sich um einen Fehler in der Redaktion von "Science".

Berühmt wurde Hwang unter anderem durch den ersten geklonten Hund "Snuppy", der in seinem Labor entstand. Unter Wissenschaftlern erwarb er sich Renommée vor allem mit dem Klonen menschlicher Stammzellen speziell für bestimmte Patienten. Damit könnten eines Tages Krankheiten wie Parkinson oder Alzheimer behandelte werden. In Südkorea stieg Hwang durch seine Erfolge zum Star auf - und auch nun wächst die Unterstützung für ihn wieder. 1000 südkoreanische Frauen sollen sich in den letzten Wochen als Eizellspenderinnen angeboten haben.



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