Fiction Prinzessin Leias Entwicklung zum Sexobjekt

Am Beispiel der Star-Wars-Filme zeigen zwei Forscherinnen, wie sich durch Kleidung die Machtposition von Frauen herabsetzen lässt. Entscheidend dabei sind die Beziehungen zu Männern.

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Über viele Jahre wurden die Star-Wars-Filme für ihre starken, unabhängigen Frauencharaktere gelobt. Doch das Auftreten von Padmé und Leia verändert sich im Laufe der Episoden, wie auch ihre Outfits zeigen. Das berichten Mary King und Jessica Ridgway von der Florida State University im Fachmagazin "Fashion and Textiles".

Padmé agiert in Star Wars als Prinzessin von Theed und Königin von Naboo, Leia ist Prinzessin des Planeten Alderaan, Mitglied des kaiserlichen Senats und Agentin der Rebellenallianz. Doch mit dem Voranschreiten ihrer romantischen Beziehungen gerät laut der Auswertung die politische Bedeutung der Charaktere in den Hintergrund. Der Fokus liege dann vor allem auf ihren Rollen als Partnerin.

"Die mächtigen Frauen entwickeln sich zu Objekten männlicher Charaktere", erklärt King. Das Star-Wars-Beispiel zeige, wie sich durch Kleidung die Machtposition von Frauen herabsetzen lasse. Sie würden objektiviert, indem Aufmerksamkeit auf ihren Körper gelenkt werde.

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Die Forscherinnen haben sich die ersten sechs Star-Wars-Filme angeschaut und die Darstellung der Charaktere mit den Machtpositionen und dem Beziehungsstatus zur jeweiligen Zeit verglichen. Die Kostüme bewerteten sie dabei nach drei Kriterien: wie sehr sie die Körperform betonten, wie viel Haut sichtbar war und welche Frisur die Charaktere trugen.

Hochgeschlossen als Königin, körperbetont als Partnerin

"Die Objektivierung ist offensichtlich bei Kostümen wie Leias goldenem Bikini oder Padmés schwarzem Lederkorsett", so King. Überrascht waren die Forscherinnen dagegen, wie häufig die Frauen auch auf subtile Weise zu Objekten gemacht werden - etwa, indem sie plötzlich bunte Kostüme tragen oder weniger strenge Frisuren, sobald sie in einer Beziehung sind.

Prinzessin Leia und Jabba the Hutt in Episode VI
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Prinzessin Leia und Jabba the Hutt in Episode VI

So erscheint Padmé in Episode I hochgeschlossen, sie zeigt fast keine Haut, ihre Körperform bleibt weitgehend verborgen und ihre Haare sind bedeckt oder streng zusammengebunden. Zu dieser Zeit hat sie als Königin Amidala große politische Macht. Das Kostüm sei designt worden, um den Zuschauern klarzumachen, dass Padmé eine anerkannte und respektierte Persönlichkeit ist, so die Forscherinnen.

Nachdem Padmé Macht verloren hat und Romantik in späteren Folgen eine größere Rolle spielt, zeigt sie jedoch plötzlich mehr Haut, betont ihren Körper und trägt weichere Frisuren.

Subtilere Entwicklung bei Leia

Eine ähnliche Entwicklung gibt es bei Leia. In Episode IV hat sie eine Machtposition inne und trägt gleichzeitig ein Kostüm, das nur ihr Gesicht, ihre Hände und eine strenge Frisur zeigt. Im späteren Verlauf ändert sich das auch bei ihr - allerdings auf subtilere Weise als bei Padmé.

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"Es gibt derzeit viele Diskussionen über Geschlechterungerechtigkeit, auch in den Medien. In Filmen werden Frauen häufig objektiviert - sowohl durch ihre Rollen als auch durch ihre Kostüme", sagt King. Den Forscherinnen ist dabei klar, dass Filme häufig gesellschaftliche Rollenbilder widerspiegeln. "Dennoch bieten sie die Möglichkeit zu zeigen, dass Frauen ihr Erscheinungsbild nicht verändern oder ihre Machtposition verlieren müssen, um interessant für andere Charaktere oder das Publikum zu sein."

jme



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