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14. Juni 2012, 13:12 Uhr

Statistik

Das miese Einkommen von Bankräubern

Verbrechen kann sich lohnen - aber nur ein bisschen: Forscher haben berechnet, was der durchschnittliche Bankräuber verdient. Das Ergebnis dürfte für Kinogänger und Panzerknacker eine Enttäuschung sein.

Hamburg - Was verdient eigentlich ein Bankräuber, abgesehen von einem Aufenthalt im Gefängnis? Drei Wirtschaftswissenschaftler von den britischen Universitäten in Sussex und Surrey wollten es genau wissen und nahmen sich Daten der British Bankers' Association vor. Die Forscher konnten damit nach eigenen Angaben auf einen einzigartigen Datensatz zurückgreifen und am Ende nicht weniger als ein ökonomisches Modell des Bankraubs errechnen.

Das allerdings dürfte für Möchtegern-Panzerknacker und für Fans von Hollywoodfilmen à la "Oceans Eleven" eher ernüchternd sein: Der Durchschnittsverdienst liegt demnach bei eher mageren 20.331 Pfund pro Jahr, also rund 25.000 Euro. Teure Anzüge, Luxusuhren und Casinobesuche im Sportwagen sind da kaum drin.

Zwar bringe ein erfolgreicher Bankraub im Durchschnitt 12.706 Pfund, schreiben Barry Reilly, Neil Rickman und Robert Witt im Statistik-Fachblatt "Significance". Nur gelinge der nicht immer: Bei jedem dritten Versuch gingen die Diebe leer aus. Zudem müssten Bankräuber in anderen Ländern ein deutlich härteres Dasein fristen als in Großbritannien. In den USA etwa bringe ein erfolgreicher Bankraub im Mittel nur 4330 Dollar ein, also nicht einmal 3500 Euro. Auch helfe es nicht, einfach öfter eine Bank auszunehmen: "Die Wahrscheinlichkeit besagt, dass der Räuber dann eine Weile einsitzt und überhaupt nichts mehr verdient."

Schusswaffen steigern den Gewinn

Die Forscher haben noch eine Reihe weiterer Faktoren berücksichtigt, etwa die eingesetzte Arbeitskraft (Wie viele Mitglieder hat die Bande?) oder den Kapitaleinsatz (Wurden Feuerwaffen gekauft?). Die Schießeisen wirkten sich durchaus positiv auf die Bilanz aus: Sie steigerten den durchschnittlichen Pro-Kopf-Verdienst pro Banküberfall auf 10.300 Pfund.

Eine weniger gute Idee scheint dagegen eine möglichst große Bande zu sein. Zwar steigere jedes zusätzliche Mitglied die Einnahmen um satte 9033 Pfund, so die Forscher. Da die Summe anschließend aber durch die Mitgliederzahl geteilt werden müsse, falle der Pro-Kopf-Gewinn am Ende niedriger aus - zumindest vorausgesetzt, der Oberfiesling entledigt sich nach erfolgreicher Tat nicht seiner Kumpanen.

Die Wissenschaftler bezogen auch abschreckende Faktoren - etwa Sicherheitsmaßnahmen in Banken, die Zahl der Mitarbeiter und der Kunden - in ihre Berechnungen ein. Als Horror für Bankräuber identifizierten sie Sicherheitsscheiben am Bankschalter, die auf Knopfdruck blitzschnell hochfahren und sowohl den Mitarbeiter als auch das Geld unerreichbar machen. Sie reduzierten die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Bankraubs um ein Drittel.

Dennoch seien nur zwölf Prozent aller britischen Banken und ein noch geringerer Anteil der US-Banken mit den Scheiben ausgerüstet. Das erklären sich die Forscher mit den hohen Kosten: Da die Banken durch Überfälle vergleichsweise wenig Geld verlören, lohne sich die Investition in die Sicherheitsbarrieren schlicht nicht.

Können Bankräuber unter dem Strich zufrieden sein? Wohl kaum. Die Wissenschaftler sind es gleichwohl. Zwar gehe so mancher Bankraub auf impulsives Verhalten des Täters zurück, meint Wirtschaftsprofessor Rickman. "Aber unsere Ergebnisse legen nahe, dass die Einnahmen durch Banküberfälle der ökonomischen Theorie folgen." Dadurch seien sie auch mehr als nur eine Rechenübung: "Sie könnten bei Überlegungen helfen, wie man solche Aktivitäten bekämpfen kann."

mbe

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