Statistik Jede fünfte Schwangerschaft weltweit wird abgebrochen

42 Millionen Abtreibungen haben Forscher im Jahr 2003 weltweit gezählt. Damit wurde jede fünfte Schwangerschaft abgebrochen, heißt es in einer Studie. Das ist zwar ein Rückgang gegenüber 1995, doch noch immer sterben jedes Jahr Zehntausende Frauen bei Abtreibungen.


Die Zahl der Abtreibungen ist von 46 Millionen im Jahr 1995 auf 42 Millionen im Jahr 2003 gesunken, wie das Guttmacher Institute in New York ermittelt hat. In Europa wurde demnach jede dritte Schwangerschaft abgebrochen, weltweit war es jede fünfte.

Schwangere: Besonders in Ländern, in denen Abtreibungen verboten sind, ist die Gefahr für die Frauen groß
DPA

Schwangere: Besonders in Ländern, in denen Abtreibungen verboten sind, ist die Gefahr für die Frauen groß

Die höchste Abtreibungsrate fand sich in Osteuropa, wo 45 Prozent aller schwangeren Frauen abgetrieben haben. Der Anteil in den übrigen europäischen Ländern stimmte aber in etwa mit dem weltweiten Durchschnittswert überein, heißt es in der Studie. Nahezu alle Schwangerschaftsabbrüche, die unter unzureichenden medizinischen Bedingungen durchgeführt werden, finden in Entwicklungsländern statt, schreiben die Forscher um Gilda Sedgh vom Guttmacher-Institut in New York im Fachmagazin "Lancet" (Bd. 370, S. 1338).

Weniger Abtreibungen in der ehemaligen Sowjetunion

Gegenüber 1995 nahm die Zahl der Abtreibungen um 17 Prozent ab. Das heißt, dass 29 von 1000 Frauen im Alter zwischen 15 und 44 Jahren im Jahr 2003 einen Schwangerschaftsabbruch vorgenommen haben. 1995 lag der Anteil noch bei 35 von 1000 Frauen, berichtet das Guttmacher Institute zusammen mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Besonders in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion ist der Anteil der Schwangerschaftsabbrüche in diesem Zeitraum um etwa die Hälfte gesunken. Die Forscher führen dies auf die zunehmende Verbreitung moderner Verhütungsmittel in diesen Staaten zurück. Dennoch lag der Anteil der Abtreibungen in osteuropäischen Ländern auch 2003 noch deutlich höher als im restlichen Europa. Die Wissenschaftler plädieren daher dafür, die Versorgung mit Verhütungsmitteln in den ehemaligen Ostblockstaaten weiter zu verbessern.

Zwar nahm zwischen 1995 und 2003 die absolute Zahl der Schwangerschaftsabbrüche ab. Der Anteil der Abtreibungen, bei denen die Frauen nicht ausreichend ärztlich betreut wurden, stieg im selben Zeitraum aber von 44 auf 48 Prozent, betonen die Forscher. Besonders in Ländern, in denen Abtreibung unter Strafe steht, würden Frauen unter der fehlenden medizinischen Betreuung leiden. Während in Deutschland und im übrigen Nord- und Westeuropa im Jahr 2003 Abtreibungen unter ärztlicher Aufsicht standen, hätten in Afrika nahezu alle ohne ausreichende medizinische Versorgung stattgefunden.

Lockerung der Gesetze kann Risiko vermindern

"Jedes Jahr sterben rund 70.000 Frauen bei unsicheren Abtreibungen", sagte WHO-Mitarbeiter Paul Van Look. Diese Frauen, meist bettelarm und in Entwicklungsländern, bezahlten den Engriff vor allem wegen unhygienischer und unprofessioneller Umstände mit dem Leben. Weitere fünf Millionen erleiden nachhaltige oder zumindest vorübergehende Gesundheitsschäden.

Die fehlende ärztliche Betreuung berge dabei für die Frauen ein großes Risiko. In Afrika sterben der Studie zufolge im Mittel 650 Frauen pro 100.000 Abtreibungen, in den Industrieländern sind es etwa zehn Frauen. Die Legalisierung gewollter Schwangerschaftsabbrüche könne dabei helfen, das Risiko zu vermindern: In Südafrika sank die Infektionsrate nach Abtreibungen um 52 Prozent, nachdem dort 1997 die Abtreibungsgesetze gelockert worden waren. Zukünftig müsse aber noch mehr dafür getan werden, unsichere Schwangerschaftsabbrüche zu verhindern, um so die Gesundheit der Frauen nicht unnötig aufs Spiel zu setzen, schreiben die Wissenschaftler.

lub/ddp/dpa



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