Statistik-Studie Hitze-Sommer 2003 hat 70.000 Europäer getötet

Der Rekordsommer 2003 hat bei weitem mehr Todesopfer gefordert als bislang angenommen. Einer neuen Studie zufolge sind der sengenden Hitze rund 70.000 Menschen zum Opfer gefallen.


Paris - Es war das erste einzelne Wetterereignis, das seriöse Wissenschaftler in direkten Zusammenhang mit dem Klimawandel gesetzt haben - und eine der schlimmsten Naturkatastrophen in der Geschichte Europas: der extrem heiße Sommer von 2003, der in einer rekordverdächtigen Hitzewelle im August gipfelte.

Fußgänger im ausgetrockneten Rhein-Flussbett bei Bingen, August 2003: Die Hitzewelle soll europaweit 70.000 Todesopfer gefordert haben
DDP

Fußgänger im ausgetrockneten Rhein-Flussbett bei Bingen, August 2003: Die Hitzewelle soll europaweit 70.000 Todesopfer gefordert haben

Bisherige Schätzungen gingen von 25.000 bis 35.000, spätere dann von 50.000 Todesopfern aus. Doch selbst das ist noch viel zu niedrig gegriffen, glaubt man den Berechnungen französischer Forscher. Laut ihrer Studie sind im Sommer 2003 in Europa rund 70.000 mehr Menschen gestorben als üblicherweise im gleichen Zeitraum. Zu den 50.000 Opfern der August-Hitzewelle kämen 20.000 weitere in der Zeit davor, die normalerweise nicht in den Statistiken bemerkt worden wären.

Sechs Forscher aus vier Ländern hatten in 16 EU-Staaten die Tagesdaten zur Sterblichkeitsrate bis hinunter auf die regionale Ebene gesammelt. Zuvor habe es über die tatsächliche Zahl der Hitzetoten lediglich Schätzungen aus einzelnen EU-Staaten gegeben, sagte Jean-Marie Robine, Direktor des französischen Forschungsinstituts Inserm und Koordinator der Studie, auf einer Konferenz der Weltgesundheitsorganisation in Bonn. Nun liege erstmals eine verlässliche Zahl für ganz Europa vor.

Die Rekordtemperaturen hätten die Sterberate vor allem unter Frauen und alten Menschen in sechs EU-Staaten dramatisch in die Höhe schnellen lassen, ohne dass die Behörden dies sofort bemerkten, sagte Robine. Er verlangte, die Statistik künftig täglich zu aktualisieren und die Situation zu bewerten.

In Frankreich und in Italien starben im Sommer 2003 etwa 20.000 Menschen mehr als in anderen Jahren. Betroffen waren aber auch Belgien, Luxemburg, Portugal und Spanien, heißt es in der von der EU finanzierten Studie. In Deutschland sollen rund 7000 Menschen an den Folgen der Hitzewelle gestorben sein.

mbe/AP



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