Steinzeit-Fundstücke Nordamerika früher besiedelt als gedacht

Die Geschichte der Besiedlung Nordamerikas muss wohl neu geschrieben werden. Bisher galten die Steinzeit-Menschen der Clovis als erste Ankömmlinge. Doch nun haben Forscher in Texas Werkzeuge einer deutlich älteren Kultur entdeckt.

Michael R. Waters

Washington - Die Entdeckung 15.500 Jahre alter Steinwerkzeuge in Texas sorgt dafür, dass die Besiedlung Nordamerikas neu datiert werden muss. Die neuen Funde lassen vermuten, dass sich die ersten Einwanderer rund 2500 Jahre früher als zunächst angenommen auf den menschenleeren Kontinent vorwagten. Bisher hatten die Clovis aus Asien als erste Siedler von Amerika gegolten.

Sie waren vor 13.200 Jahren über die Beringstraße, die damals noch eine Landzunge war, in das heutige Alaska gekommen und hatten sich bis in den Norden von Südamerika ausgebreitet. Doch wie ein Forscherteam um Michael Waters von der Texas University jetzt im Wissenschaftsmagazin "Science" schreibt, verweisen die 2500 Jahre älteren Steinwerke die Clovis auf Platz zwei der Rangliste frühester "Amerikaner".

Ob die Mitglieder des Clovis-Clans - benannt nach einem Fundort nahe der gleichnamigen Ortschaft im Bundesstaat New Mexico - tatsächlich die ersten Siedler in Amerika waren, darüber streiten Wissenschaftler schon länger. Der neue Fund gibt den Zweiflern an der "Clovis-First"-Theorie nun offenbar recht.

Waters und Kollegen stießen an einer als Debra L. Friedkin Site bekannten Fundstelle im Buttermilk Creek Complex (Buttermilchbach-Komplex) von Texas auf die schon überraschend ausgefeilten Werkzeuge der Clovis-Vorgänger. Ähnlichkeiten mit den Steinen der Clovis ließen den Schluss zu, dass die spätere Clovis-Kultur ihre Handwerkskünste auf den nun gefundenen aufbaute, heißt es in "Science". Selbst die Prä-Clovis-Werkzeuge hatten schon Schneiden und waren doppelseitig verwendbar, schreiben die Forscher. Wer aber die Vorgänger waren, liegt noch im Dunkeln.

Die 15.528 Prä-Clovis-Artefakte wurden am Buttermilchbach unter einer Schicht von Clovis-Überbleibseln ausgegraben. Bei ihnen handelt es sich nach Einschätzung von Waters und Kollegen um "mobile Werkzeugsets", die leicht zusammengepackt und an einen anderen Ort mitgenommen werden konnten.

Funde in anderen US-Bundesstaaten, Wisconsin, Pennsylvania und Florida, hatten schon vorher den Verdacht erweckt, dass die Clovis nicht die ersten "Amerikaner" waren. Zweifel an der "Clovis First"-Theorie hatten auch sechs Ausgrabungsorte in Südamerika aufkommen lassen, deren Werkzeuge aus der Zeit der Clovis stammen, aber nicht die eindeutigen Merkmale der Clovis aufweisen. Dank der Funde in Texas und einer neuen Lumineszenz-Technik, die ihr Alter auf 15.500 Jahre festlegt, lässt sich die amerikanische Einwandergeschichte laut Waters nunmehr endgültig korrigieren.

cib/dpa



insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
brooklyner 25.03.2011
1. ...
Zitat von sysopDie Geschichte der Besiedlung Nordamerikas muss wohl neu geschrieben werden. Bisher galten die Steinzeit-Menschen der Clovis als erste Ankömmlinge. Doch nun haben Forscher in Texas Werkzeuge einer deutlich älteren Kultur entdeckt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,753018,00.html
Ich bin verwirrt, ich dachte eigentlich, dass seit Jahren bekannt ist, dass Cro-Magnon Menschen entlang der weitaus südlicher liegenden Eisgrenze und dann über die damals über dem Wasserspiegel liegende Neufundlandbank nach Nordamerika eingewandert sind. Dazu waren ja auch bereits Faustkeile entdeckt worden. Zumindest in den USA war das vor Jahren eigentlich allseits bekannt.
Joachim Baum 25.03.2011
2. ...
Zitat von brooklynerIch bin verwirrt, ich dachte eigentlich, dass seit Jahren bekannt ist, dass Cro-Magnon Menschen entlang der weitaus südlicher liegenden Eisgrenze und dann über die damals über dem Wasserspiegel liegende Neufundlandbank nach Nordamerika eingewandert sind. Dazu waren ja auch bereits Faustkeile entdeckt worden. Zumindest in den USA war das vor Jahren eigentlich allseits bekannt.
Es fällt aber wohl schwer, das dort lange "gehütete" Paradigma der Clovis-Erstbesiedlung zu "überwinden" :-)
Sturmhexe 25.03.2011
3. Theorien...
Heißt das nicht regelmäßig: "Es kann nicht sein, was nicht sein darf"? Gerade in der Archäologie sind doch gewisse Thesen so festgemauert, dass jemand der gegen diese Säulen der Weisheit pinkelt, der Gotteslästerung bezichtigt und der ehrwürdigen Gemeinschaft verwiesen wird. Warum sollte das in diesem Fall anders sein?
Koda 25.03.2011
4. Auf Phönix wurde schon einige Male...
eine Doku gezeigt, in dem Fundstücke präsentiert wurden, die laut Messungen eindeutig älter gewesen sein sollen - vor allem aber in Mittel- oder Südamerika. Verschiedene Theorien wurde da präsentiert: eine Besiedelung über ein früh seefahrendes Inselvolk (Einwanderung über ur Zeit der Eiszeit existierende und später untergegangene Inseln), welches mit den Aborigines verwandt ein könnte und von später über den Norden eingewanderten Indianern verdrängt wurde; auch über die Feuerländer als deren letzte Nachkommen wurde spekuliert. Desweiteren die vermiutete Einwanderung entlang der Eisgrenze über Europa durch die Soluetreen-Kultur.. Diese Theorien würden aber von Forschern aus Nordamerika und von Indianern aber abgelehnt - letztere evt. weil sie nicht von den Weißen abstammen möchten . So oder so ähnlich.
Joachim Baum 25.03.2011
5. ...
Zitat von SturmhexeHeißt das nicht regelmäßig: "Es kann nicht sein, was nicht sein darf"? Gerade in der Archäologie sind doch gewisse Thesen so festgemauert, dass jemand der gegen diese Säulen der Weisheit pinkelt, der Gotteslästerung bezichtigt und der ehrwürdigen Gemeinschaft verwiesen wird. Warum sollte das in diesem Fall anders sein?
Sowohl Eitelkeiten als aber auch nationale Befindlichkeiten, wie vermutlich gerade im obigen Fall, hemmen eben oft die wissenschaftlichen Grundprinzipien der Falsifikation von Theorien und Thesen. Habe mal vor einigen Jahren einen Artikel (war es im Spiegel?) gelesen, der andeutete, dass eine gewisse Tabuisierung mit Rücksicht auf die derzeitigen Stammethnien des amerikanischen Kontinents übermächtig sei.
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