Steinzeitliche Kultstätte Forscher entdecken Stonehenge aus Holz

Neues Rätsel um Stonehenge: In der Nähe der steinzeitlichen Stätte in England haben Forscher Spuren einer bisher unbekannten Anlage entdeckt. Sie bestand anscheinend aus Holz - Archäologen glauben nun, dass der Kultort deutlich größer war als angenommen.


London - Neben dem berühmten Steinkreis von Stonehenge haben Forscher die Spuren eines Zwillings des prähistorischen Monuments entdeckt. Der neue Fund liegt 900 Meter von den gigantischen Steinen in der Nähe der englischen Stadt Salisbury entfernt, berichtet Vince Gaffney von der Universität Birmingham. Die Wissenschaftler des internationalen Forschungsprojekts feierten die Entdeckung als "unglaublich". Die Anlage habe ein Alter von 2000 bis 4000 Jahren.

Die Archäologen entdeckten mit Magnetmessungen, Radar und Grabungen eine kreisförmige Grube mit einem Durchmesser von 25 Metern und mehrere Löcher (siehe Fotostrecke oben). Sie vermuten, dass in den Löchern Pfähle steckten und sich eine frei stehende Holzkonstruktion über dem Graben befand. "Von der Form her kann man darauf schließen, dass die Anlage ungefähr zu der Zeit gebaut wurde, als Stonehenge seine volle Komplexität erreichte", erläutert Gaffney. Er leitet das Millionen-Forschungsprojekt zur Erkundung des Steinkreises.

"Wir haben angenommen, wir hätten nur ein leeres Feld vor uns - jetzt haben wir ein wichtiges Zeremonie-Monument, das genau auf Stonehenge blickt", staunt der Forscher. Es sei zu erwarten, dass in der Gegend noch mehr gefunden werde. Der Fund zeige, dass "die Stonehenge-Stätte wohl noch größer ist" als bislang bekannt, sagt der Archäologe Tim Darvill von der School of Conservation Sciences an der Bournemouth University in Großbritannien. Es gelte, "noch eine riesige Landschaft zu erkunden", ergänzt Gaffney.

Stonehenge - ein Friedhof?

Stonehenge gehört zum Weltkulturerbe, die Stätte wird jedes Jahr von zahlreichen Touristen besucht. Bis heute ist nicht klar, wofür das 4500 Jahre alte Steinmonument benutzt wurde und wie die riesigen Brocken transportiert und aufeinandergestapelt worden waren. Manche Experten vermuten, dass Stonehenge zunächst ein Friedhof war.

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Rätselhafte Kultstätte: Stonehenge wird immer größer
Bestärkt wurde die Friedhofstheorie 2009 durch den Fund eines Mini-Stonehenges, das die Forscher "Bluehenge" tauften, nur wenige Kilometer von den legendären Steinkreisen entfernt. Britische Archäologen hatten nahe dem einstigen Flussbett des Avon gegraben, in 2,8 Kilometer Entfernung von Stonehenge. Dort stieß das Team auf die Abdrücke von 25 großen Steinen, die einst einen Kreis von etwa zehn Meter Durchmesser gebildet hatten; die Steinkreise von Stonehenge sind fünfmal größer. Forscher interpretierten den kleinen Steinkreis als den Ort, wo Tote verbrannt wurden, bevor ihre Asche in Stonehenge beerdigt wurde. Der neue Fund zeige, dass die Kultstätte noch größer war: "Wir haben noch viel zu lernen über Stonehenge", sagt Darvill.

boj/dpa/apn/Reuters



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
moex 22.07.2010
1. Schon bekannt
Diese Erkenntnis ist nicht neu,das wurde schon in der Doku "Stonehenge - Das ultimative Experiment" (übrigens eine SEHR gut gemachte und informative Doku) berichtet.
eknoes 22.07.2010
2. Neues Rätsel um Stonehenge
Zitat von sysopNeues Rätsel um Stonehenge: In der Nähe der steinzeitlichen Stätte in England haben Forscher Spuren einer bisher unbekannten Anlage entdeckt. Sie bestand anscheinend aus Holz - Archäologen glauben nun, dass der Kultort deutlich größer war als angenommen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,707943,00.html
Vielleicht sollte man den Archäologen erst einmal dazu raten, nach "Ockhams Razor" vorzugehen. Was, wenn hölzerne Variante nur als Modell für entgültige dienen sollte?
sbrook 22.07.2010
3. n/t
sorry, aber dies ist schon lange bekannt. National Geographic hatte mal vor Jahren eine Sendung über diese Thema und sie glaubten herausgefunden zuhaben dass das "steinere" Stonehenge eine Art Gedenkmal für die Toten ist und die "hölzerne" Version gedacht ist, um das Leben zufeiern. Ausserdem soll die Menschen dran erinnert werden das sie nicht ewig leben können, daher der Kontrast zwischen dem alternden Holz und dem "ewigen" Stein. Einmal im Jahr ist die damalige Gesellschaft von den Steinen zum Holz gepilgert, das ganze war als eine Art Ritual gedacht.
callistonairi 22.07.2010
4. bekannt
Zitat von moexDiese Erkenntnis ist nicht neu,das wurde schon in der Doku "Stonehenge - Das ultimative Experiment" (übrigens eine SEHR gut gemachte und informative Doku) berichtet.
jepp und die lief Weihnachten 2007 und 2008^^
Zorpheus 22.07.2010
5. genau
Zitat von eknoesVielleicht sollte man den Archäologen erst einmal dazu raten, nach "Ockhams Razor" vorzugehen. Was, wenn hölzerne Variante nur als Modell für entgültige dienen sollte?
Genau das wollte ich auch grad schreiben. Ich glaube auch nicht, dass man Stonehenge aus dem Stand aus Stein gebaut hat. Das ist eine längere Entwicklung, und wurde sicher mehrmals vorher aus Holz gebaut, ehe man sich entschlossen hat, etwas dauerhaftes zu bauen. Ist zumindest meine Theorie.
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