Stevie Wonder: Computerchip soll seine Augen heilen

Der blinde amerikanische Pop-Veteran Stevie Wonder will sich in den USA einem neuartigen Eingriff unterziehen, bei dem ihm ein Computer-Chip in das Auge eingesetzt wird.

Stevie Wonder will sich Microchips in die Augen implantieren lassen
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Stevie Wonder will sich Microchips in die Augen implantieren lassen

Die Operation wurde der britischen Zeitung "Daily Star" vom Freitag zufolge bisher bei 15 Patienten durchgeführt. Wonder machte die Ankündigung während eines Gottesdienstes in Detroit im US-Bundesstaat Michigan, berichtete die Zeitung. Nach seinen Angaben soll die Operation in einem Spezialinstitut an der Johns Hopkins Universität in Baltimore stattfinden.

Möglich ist die Behandlung von Blinden, bei denen die Nerven zum Gehirn noch intakt sind. Dies ist beispielsweise bei der "Retinopathie pigmentosa" der Fall, einem meist erblichen Defekt, der schubweise zur Zerstörung der Netzhaut führt. Forscher erkannten Mitte der neunziger Jahre die Möglichkeit, die geschädigten Lichtrezeptoren durch Computerchips zu ersetzen. Zum Einsatz kommt dabei ein CCD-Chip, wie er zum Beispiel auch in Videokameras und digitalen Fotoapparaten genutzt wird. Grundsätzlich gibt es dabei den so genannten subretinalen und den epiretinalen Ansatz. Beim ersteren wird der Chip direkt ins Auge implantiert, beim letzteren kommt eine am oberen Rand einer Brille befestigte Kamera zum Einsatz. Neben Retinopathie-pigmentosa-Geschädigten könnten theoretisch auch Menschen von dem Verfahren profitieren, die altersbedingt ihr Augenlicht verloren haben.

Als weltweit führend in der Entwicklung solcher Heilungsmethoden gilt gemeinhin Rolf Eckmiller von der Uni Bonn, der epiretinale Sehhilfen entwickelt. Zu Implantationen ist es in Deutschland hingegen bisher nicht gekommen. Neben der Uni Bonn sind weltweit trendsetzende Forschungsgruppen am Massachusetts Institute of Technology MIT, an der Hopkins Universität, den deutschen Unis Köln, Bonn und Tübingen, an der japanischen Nagoya University und an der North Carolina State University tätig.

Der blinde Journalist Franz-Josef Hanke bleibt skeptisch
pat

Der blinde Journalist Franz-Josef Hanke bleibt skeptisch

Wahrscheinlich handelt es sich bei Stevie Wonders Ankündigung um eine reine Absichtserklärung: Bisher gibt es keine digitalen Sehhilfen, die mehr als eine grobe Hell/Dunkel-Unterscheidung erlauben. Rolf Eckmiller ist jedoch überzeugt, dass bis zum Jahr 2002 CCD-Chips mit bis zu 500 mal 500 Bildpunkten entwickelt sein werden. Das entspricht grob der Auflösung eines kleineren PC-Bildschirms und würde genügen, selbst Zeitungen lesen zu können. Viele Blinde haben jedoch Bedenken: So kann sich der Internet-aktive blinde Journalist Franz-Josef Hanke nicht vorstellen, sich in den nächsten Jahren auf eine Operation einzulassen. Hanke: "Zum einen hat man gelernt, sich mit der Behinderung zu arrangieren. Zum anderen ist da die Angst, mit fortschreitendem technischen Fortschritt die Operation alle paar Jahre wiederholen zu müssen - mit allen damit verbundenen Risiken und Kosten. Und schließlich ist es immer noch möglich, dass der medizinische Fortschritt die elektronische Forschung irgendwann überholt."

Bei aller Skepsis bedeutet die Aussicht auf ein Retina-Implantat für viele Blinde einen Hoffnungsschimmer. Stevie Wonder brach bei seiner Ankündigung in Tränen aus, berichtete der "Daily Star". Sein Leben wäre vollständig, wenn seine Blindheit nur für zehn Minuten verschwinden würde, damit er seine vier Kinder sehen könne, hatte er einmal gesagt. Um die Bezahlung auch wiederholter Operationen müsste sich der Sänger und Millionär allerdings kaum Sorgen machen.

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