Interaktiver Abgas-Atlas 2018 In diesen Städten war die Stickoxidbelastung zu hoch

Die Stickoxidwerte lagen 2018 in mindestens 35 deutschen Städten über dem Grenzwert. Das schlechteste Ergebnis lieferte eine Station in Stuttgart. Prüfen Sie in unserem Abgas-Atlas: Wie schmutzig ist Ihre Region?

Autoverkehr in Stuttgart
DPA

Autoverkehr in Stuttgart


Die Luftverschmutzung bleibt in vielen deutschen Regionen höher als erlaubt. In mindestens 35 Städten wurde der EU-Grenzwert für gesundheitsschädliches Stickstoffdioxid (NO2), das vor allem aus Diesel-Abgasen stammt, im vergangenen Jahr überschritten. Das geht aus einer ersten Bilanz des Umweltbundesamts (UBA) hervor.

Ausgewertet wurden die vorläufigen NO2-Jahresmittelwerte von 399 Messstationen, die ihre Daten automatisch an die Behörden melden. Im Mai sollen auch die Daten von 166 weiteren Stationen vorliegen, die eine manuelle Auswertung erfordern.

Unter den ausgewerteten Stationen lag die Belastung in "Stuttgart/Am Neckartor" mit 71 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft am höchsten - vor "München/Landshuter Allee" mit 66 Mikrogramm. Auf Platz drei landet eine weitere Station aus Stuttgart, gefolgt von Werten aus Kiel, Köln und Hamburg.

In der Grafik unten können Sie durch Anklicken der Punkte ablesen, wie hoch die Stickoxidwerte an Messstationen in Ihrer Region waren. Der EU-Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel.

Wo wurde 2018 der NO2-Grenzwert überschritten?

Insgesamt sinkende NO-2Belastung

Es gibt aber auch gute Nachrichten: Insgesamt hat die Luftbelastung durch Diesel-Abgase im vergangenen Jahr leicht abgenommen - im Mittel der verkehrsnahen Messstationen um etwa zwei Mikrogramm pro Kubikmeter. Gab es 2017 an 45 Prozent dieser Stationen zu hohe Werte, waren es 2018 nach einer Hochrechnung des UBA noch 39 Prozent. Der verbindliche Grenzwert gilt seit 2010.

Betrachtet man neben den verkehrsnahen Messstationen auch alle anderen, sind die NO2-Werte im Vergleich zu 2017 nahezu überall leicht gesunken oder gleich geblieben. An 13 Stationen wurden jedoch höhere Konzentrationen als im Vorjahr gemessen, darunter in

  • Limburg-Schiede,
  • Nürnberg (Van-der-Tann-Straße)
  • und Dortmund (Brackeler Straße).

Zwei Stationen, an denen 2017 der zulässige Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter gerade noch eingehalten wurde, meldeten 2018 eine Überschreitung: Koblenz (Hohenfelder Straße) und Leipzig (Lützner Straße) mit jeweils 42.

Ozon-Werte angestiegen

Auch beim Feinstaub (PM10) sinkt die Belastung: Erstmals seit 2005 wurden die Grenzwerte 2018 in keinem Ballungsraum mehr überschritten. An 35 Tagen im Jahr darf die Belastung über 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft liegen. Nur eine industrienahe Messstation beim nordrhein-westfälischen Lünen maß an 36 Tagen höhere Werte.

Für das UBA ist das aber kein Grund zur Entwarnung, da die Weltgesundheitsorganisation WHO einen Wert von 20 Mikrogramm empfiehlt.

Angestiegen ist die Konzentration von Ozon. Im Rekordsommer 2018 wurde laut UBA das Langfristziel zum Schutz der Gesundheit - nämlich höchstens 120 Mikrogramm pro Kubikmeter im Mittel über acht Stunden - an allen 265 Messstationen überschritten, durchschnittlich an 37 Tagen pro Station. Das sei "ungewöhnlich oft", hieß es.

Fahrverbote in Frankfurt, Berlin und Köln

Gründe für den Rückgang der städtischen NO2-Belastungen sind laut UBA Tempolimits und Verkehrsbeschränkungen, mehr neue Autos, Software-Updates zur besseren Abgasreinigung bei älteren Diesel, aber auch das Wetter. Was wie viel zur Minderung beigetragen hat, lässt sich dem Amt zufolge allein anhand der Messdaten nicht bestimmen.

NO2 in Städten stammt zu einem großen Teil aus Diesel-Abgasen (einen Faktencheck zum Thema Stickoxide lesen Sie hier). Damit werden auch erste Fahrverbote in Städten begründet. In Hamburg wurden schon im vergangenen Jahr Straßenabschnitte für ältere Diesel gesperrt, in Stuttgart sind sie seit dem Jahreswechsel aus dem ganzen Stadtgebiet verbannt.

Stimmenfang #84 - Tempolimit und Fahrverbote - droht jetzt der Aufstand im Autoland?

Weitere Städte - darunter Frankfurt, Berlin und Köln - sollen in diesem Jahr folgen. Die Deutsche Umwelthilfe hatte die Einschränkungen vor Gericht erzwungen.

"Mit den derzeitigen Maßnahmen dauert es einfach zu lange"

Die Bundesregierung versucht mit Förderprogrammen und Nachbesserungen älterer Dieselautos gegenzusteuern. Zudem sollen Autobesitzer mit Prämien zum Kauf saubererer Wagen bewegt werden.

UBA-Präsidentin Maria Krautzberger sagte, die Technologie wie auch die rechtliche Regelung zur Hardware-Nachrüstung älterer Diesel mit Katalysatoren seien da und müssten nun schnell zum Einsatz kommen. "Mit den derzeitigen Maßnahmen dauert es einfach zu lange, bis wir überall saubere Luft haben."

jme/hda/pst/dpa

insgesamt 126 Beiträge
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Seite 1
fellmonster_betty 31.01.2019
1. wind.
es fehlen Aussagen der klimatischen Werte Windstärke, Windrichtung, Temperaturen, Luftfeuchtigkeit, Niederschläge. sonst kann man rechtelbische und linkselbische Werte nicht vergleichen, denn die dicken Pötte pusten in 30 m Höhe schwarze Abgasfahnen in die Luft, und das ist zum Teil kilometerweit zu riechen! ist im übrigen Abgasgestank auch Schadstoffhaltung?
ottorichard-stallmann 31.01.2019
2. Wenn die Städte selber entscheiden...
wo sie messen und wo nicht, ist das alles wenig aussagekräftig.
Supertramp 31.01.2019
3. Taxis und Busse schnell auf E-Antrieb umrüste
bei Feinstaub ist es eher Industrie und Landwirtschaft. Wann wird endlich der Kachelofen mit Holz in Städten verboten
ihawk 31.01.2019
4. Verbot von Schwerlastwagen
Mich wundert, dass bei Klimaschutz Diskussionen nicht das Thema Schwerlastwagen angesprochen wird. Ich denke, Schwerlastwagen sollten im Innenstadtbereich verboten werden - die Industrie wird zwar schwer protestieren ... früher waren Schwerlastwagen in Innenstädten weitgehend verboten. Aus Profitsucht wurde dies zum Nachteil der Allgemeinheit geändert.
jupp78 31.01.2019
5.
Weniger NO2 bedeutet nun einmal mehr Ozon, denn NO2 ist ein Ozonkiller. Ob man sich hier wirklich einen Gefallen tut das NO2 zu reduzieren?
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