Klimaschutz: Treibhausgas NF3 wird stärker kontrolliert

Bei der Herstellung von Solarzellen und Flachbildschirmen kommt Stickstofftrifluorid NF3 zum Einsatz. Das Treibhausgas ist 17.200-mal so wirksam wie Kohlendioxid. Ab 2013 soll der Ausstoß kontrolliert werden - doch nur wenige Staaten machen mit.

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Solarzellen: Bei der Produktion wird zum Teil das Treibhausgas NF3 genutzt

Berlin - Ein bei der Produktion von Flachbildschirmen und Solarzellen entstehendes, besonders wirksames Treibhausgas soll ab sofort in Deutschland stärker kontrolliert werden. "Wir wissen, dass die Konzentration von Stickstofftrifluorid (NF3) in der Atmosphäre deutlich ansteigt. Dieser Stoff zählt zu den klimawirksamsten Gasen, die wir in der Atmosphäre haben", sagte der Präsident des Umweltbundesamts (UBA), Jochen Flasbarth. NF3 ist 17.200-mal so wirksam wie Kohlendioxid. Erschwerend kommt hinzu, dass NF3 nur sehr langsam abgebaut wird. Die Verweildauer in der Atmosphäre beträgt 740 Jahre.

"Deshalb findet der Stoff nun auch Eingang in das Kyoto-Protokoll", erläuterte Flasbarth. Das Ende 2012 ausgelaufene Protokoll war bei der jüngsten Uno-Klimakonferenz in Katars Hauptstadt Doha bis 2020 verlängert worden. Neben den 27 EU-Staaten bekennen sich jedoch nur noch zehn weitere Länder bei Kyoto II zu verpflichtenden Minderungen der Treibhausgasausstöße. NF3 kommt nun zu den sechs bislang einberechneten Treibhausgasen hinzu.

Bisher ist die NF3-Menge sehr gering, doch die Emissionen haben seit den neunziger Jahren rasant zugenommen. Die Entwicklung hängt mit der verstärkten Verwendung des Gases bei der Produktion von Flachbildschirmen und von Solarzellen zusammen - die ja wiederum dank der Sonnenstromproduktion eigentlich das Klima schützen sollen. NF3 wird unter anderem zur Beseitigung von Siliziumrückständen benutzt. Der Ausstoß hat auch deshalb zugenommen, weil die Substanz als Ersatzstoff für verbotene Fluorkohlenstoff-Verbindungen verwendet wird.

Dilemma beim globalen Klimaschutz

Nach Angaben Flasbarths existieren neue Möglichkeiten, den NF3-Austritt zu mindern: "Gerade bei der Herstellung von Flachbildschirmen und Dünnschichtsolarzellen gibt es mittlerweile Methoden, womit sich NF3 reduzieren und durch molekulares Fluorgas ersetzen ließe, welches gar kein Treibhauspotential besitzt." Diese Variante habe sich in großtechnischen Anlagenversuchen sogar als wirtschaftlicher herausgestellt als die Verfahren mit NF3.

Ab 2013 wird gemäß des verlängerten Kyoto-Protokolls in 37 Staaten die NF3-Ausstoßmenge konkret ermittelt. Dies soll in Deutschland vor allem über eine Erfassung der Emissionen aus der Solarindustrie geschehen, eine nennenswerte Flachbildschirmproduktion gibt es hierzulande nicht mehr.

Besonders in asiatischen Ländern, wo die meisten Solarzellen und Flachbildschirme produziert werden, dürfte der NF3-Ausstoß aber weiter stark zunehmen. Sie machen bei Kyoto II nicht mit. Mindestens bis zu dem ab 2020 geplanten Weltklimavertrag gibt es hier also keine Minderungs- oder Kontrollauflagen. So steht NF3 auch für das Dilemma beim globalen Klimaschutz. Während vor allem die EU um eine Begrenzung bemüht ist, steigen in anderen Weltregionen die Emissionen.

wbr/dpa

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