Steinzeit-Kultstätte Die Toten von Stonehenge

Die Steinkreise aus Megalithen in Stonehenge dienten wohl nicht nur als riesiger Versammlungsort, sondern auch als Friedhof. Experten haben näher untersucht, wer dort einst begraben wurde.

imago/Joana Kruse

Kaum ein archäologischer Fundplatz ist so intensiv erforscht worden wie Stonehenge und noch immer sind nicht alle Rätsel gelöst. Nach jahrzehntelanger Forschung steht in jedem Fall fest: Stonehenge war kein einsamer Steinkreis in der Landschaft. In der näheren Umgebung stehen weitere beeindruckende Monumente, die teilweise noch älter sind als Stonehenge.

Die ganze Region um das heutige Stonehenge hatte für die Menschen der Stein- und Bronzezeit offenbar eine herausragende Bedeutung. Über Jahrhunderte kamen sie hierher und errichteten riesige Monumente. Einige Menschen fanden in Stonehenge ihre letzte Ruhestätte. Bereits vor Jahrzehnten entdeckten Archäologen etliche Knochensplitter von mindestens 240 Menschen innerhalb der Steinkreise. Ihre Körper waren verbrannt und in kleinen Gruben verscharrt worden.

Fotostrecke

8  Bilder
Menschenknochen in Stonehenge: Vergraben

Forscher haben nun Knochenfragmente von 25 Menschen näher untersucht, die zwischen 3180 und 2380 vor Christus gestorben waren. Das Ergebnis: Einige von ihnen stammen gar nicht aus der Umgebung von Stonehenge, sondern aus dem Westen Großbritanniens, wahrscheinlich aus Wales.

Dafür sprechen auch besondere Steine, die in der frühen Bauphase der Anlage verwendet wurden: Sogenannte Blausteine. Sie stammen aus den walisischen Preseli-Bergen und wurden fast 300 Kilometer weit eigens nach Stonehenge transportiert. Die Archäologen vermuten nun, dass einige der Toten in Wales verbrannt und gemeinsam mit den Steinen nach Stonehenge gebracht worden sein könnten, um sie dort zu bestatten.

Zehn Waliser

Für die Knochenuntersuchung der Toten von Stonehenge nutzte das Team um Christophe Snoeck von der University of Oxford die sogenannte Strontium-Isotopen-Analyse. Strontium wird mit der Nahrung aufgenommen und in Knochen und Zähnen eingelagert. Je nach Ort unterscheiden sich die Isotopen-Verhältnisse und geben Hinweise auf die Herkunft eines Lebewesens. Die Forscher verglichen die Resultate der Proben mit denen von heutigen Pflanzen, Zähnen und Wasser.

Das Ergebnis: 15 der 25 untersuchten Menschen stammten aus Stonehenge. Die anderen zehn hatten der Studie zufolge aber keinen sehr langen Bezug zu der Region. Sie müssen mindestens die letzten zehn Jahre ihres Lebens im Westen Großbritanniens gelebt haben, wie die Forscher aus Belgien, Frankreich und England in den "Scientific Reports" berichten. "Das ist wirklich eine aufregende Entdeckung, denn sie zeigt, wie weit die Menschen von Stonehenge gereist waren", sagte der beteiligte Forscher Mike Parker Pearson vom University College London.

Warum ist unklar. Archäologen rätseln seit Langem, wozu Stonehenge errichtet worden ist. Einige vermuten, die Anlage aus der Jungsteinzeit, die zum Unesco-Weltkulturerbe zählt, könnte als Heilstätte oder Observatorium gedient haben. Fest steht, dass Menschen über Jahrhunderte hierherkamen und dabei zum Teil erhebliche Strecken zurücklegten.

"Offenbar gab es in der Gegend vor 5000 Jahren eine längerfristige Wanderbewegung von Westen nach Osten", sagt Pearson. Die Forscher gehen davon aus, dass die Waliser mit den Steinen symbolisch ihre Vorfahren mitnahmen. Stonehenge war demnach zunächst eine Grabstätte in Wales, die später nach Wiltshire umzog.

Video: Stonehenge und die Vermessung der Welt

koe/dpa



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.