Archäologen-Theorie Stonehenge-Monument stand ursprünglich in Wales

Ein Teil der Stonehenge-Steine stammt aus Wales. Forscher glauben inzwischen, dass die Waliser das Baumaterial als Andenken an ihre Vorfahren in den Süden Englands mitbrachten.

Bauwerk von Stonehenge
AFP

Bauwerk von Stonehenge


Immerhin 225 Kilometer sind es von Stonehenge bis in die Preseli Mountains in Wales. Aus ihnen stammt offenbar ein Teil des Baumaterials des berühmten Steinkreises im Süden Englands. Auf einer Konferenz versuchten Forscher nun zu klären, wer die Brocken in der Jungsteinzeit von Wales an ihren letzten Bestimmungsort brachte.

Demnach haben die Waliser das Dolerit-Gestein in die heutige Grafschaft Wiltshire gebracht, berichtet der "Telegraph". Die Forscher um den Archäologen Mike Parker Pearson vom Institut für Archäologie des University College London haben eine halbe Million Knochenreste untersucht, die in Stonehenge entdeckt wurden. Ein Fünftel von ihnen stammt laut dem Bericht aus dem Westen Großbritanniens, möglicherweise aus Wales.

Bereits Ende 2015 hatten Archäologen vom University College London und der University of Leicester den Ursprungsort der Dolerit-Steine entdeckt. Er liegt ebenfalls in Wales. Allerdings ließ sich bislang nicht ausschließen, dass englische Siedler die Steine aus Wales geholt hatten.

Alles für die Vorfahren

Doch nun gibt es neue Erkenntnisse: "Offenbar gab es in der Gegend vor 5000 Jahren eine längerfristige Wanderbewegung von Westen nach Osten", sagt Pearson. Die Forscher gehen davon aus, dass die Waliser mit den Steinen symbolisch ihre Vorfahren mitnahmen. Stonehenge war demnach zunächst eine Grabstätte in Wales, die später nach Wiltshire umzog.

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"Je mehr wir über die steinzeitliche Gesellschaft erfahren, desto mehr wird klar, dass die Kultur und Religion der Menschen damals auf den Tod der Vorfahren fokussiert war", sagt Pearson. Einige der untersuchten Knochen könnten sogar von mitgebrachten Vorfahren stammen. Bei den meisten handele es sich um verbrannte Fragmente. Mehrere Hundert Menschen waren demnach in Stonehenge beigesetzt.

Warum die Menschen aus Wales nach Wiltshire zogen, bleibt allerdings unklar. Pearson glaubt, dass Stonehenge errichtet wurde, um verfeindete Kriegsstämme zusammenzuführen. Nachdem es das Monument in Wiltshire gab, finden sich in der Zeit vor 5000 Jahren kaum mehr archäologische Hinweise auf Kriege in der Gegend.

Als nächstes wollen die Forscher nun in Wales nach dem Ort suchen, an dem Stonehenge laut ihrer Theorie als erstes errichtet worden war.

jme

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