Straßenverkehr Verkehrsunfälle töten mehr Arme als Reiche

Fast die Hälfte aller Verkehrstoten weltweit sind Fußgänger, Radfahrer oder Motorradfahrer. Das besagt die erste globale Studie der WHO zur Verkehrssicherheit. Neun von zehn Opfer stammen demnach aus armen Ländern. Aber auch in Deutschland gibt es Verbesserungsbedarf.


Genf - Von Bürgersteigen, Zebrastreifen und Radwegen können die meisten Menschen in armen Ländern nur träumen. Ihr täglicher Weg zur Arbeit, zum Wasserholen, zur Schule ist oft gefährlich. Wie gefährlich, das zeigt jetzt die erste globale Studie zur Verkehrssicherheit, die die Weltgesundheitsbehörde WHO am Montag in Genf vorgestellt hat.

Fußgänger, Radfahrer und Motorradfahrer sind demnach besonders schutzlos: Sie machen der WHO-Studie zufolge knapp die Hälfte der jährlich rund 1,27 Millionen Verkehrstoten aus. In Entwicklungsländern sei diese Gruppe noch um einiges gefährdeter. So seien etwa in Thailand 80 Prozent der Verkehrstoten Fußgänger, Radfahrer oder Motorradfahrer. In Deutschland liege diese Zahl bei etwa 40 Prozent (Jahr 2008).

Insgesamt sterben Menschen in armen Ländern neunmal häufiger bei Verkehrsunfällen als Menschen in Industrieländern. "Mehr als 90 Prozent der weltweiten Verkehrstoten treten in Ländern mit unteren und mittleren Einkommen auf, während diese Länder nur über 48 Prozent der weltweiten Fahrzeuge verfügen", sagte Etienne Krug, Leiter der Abteilung für Gewalt- und Verletzungsprävention der WHO. Auch in Industrieländern würden Arme häufiger bei Verkehrsunfällen verletzt als Reiche.

In vielen reichen Ländern habe sich die Zahl der Verkehrstoten stabilisiert oder sei rückläufig, in den meisten anderen Weltregionen steige sie dagegen. Sollte der Trend anhalten, sei bis zum Jahr 2030 mit einer Verdopplung auf weltweit 2,4 Millionen Verkehrsunfälle jährlich zu rechnen, heißt es in der Studie.

Als besonders verkehrssichere Länder gelten der Studie zufolge die Niederlande, Großbritannien und Schweden. Aber auch diese Länder "können die Situation noch um einiges verbessern", sagte Krug. Das gilt auch für Deutschland: Im Jahr 2007 waren zwölf Prozent der Verkehrstoten der WHO-Statistik zufolge alkoholisiert. Und während sich Fahrer und Beifahrer zu 96 und 95 Prozent anschnallen, legen die Mitfahrer hinten im Auto nur zu 88 Prozent einen Sicherheitsgurt an.

Deutlich schwieriger ist die Situation hingegen in Ländern, die noch immer keine grundlegenden Sicherheitsvorschriften haben. Und das sei vielerorts der Fall, kritisierte die WHO: Weniger als ein Drittel der von der Studie erfassten 178 Länder hätten grundsätzliche Vorschriften für Geschwindigkeitsbegrenzungen in Ortschaften, nur weniger als die Hälfte hätten die empfohlene Promillegrenze von 0,5 eingeführt. Nur 57 Prozent der Länder hätten eine Gurtpflicht für alle Fahrzeuginsassen, und während es eine Helmpflicht für Motorradfahrer in über 90 Prozent der Länder gebe, gelte diese Vorschrift in nur 40 Prozent der Länder auch für die Mitfahrer.

hei/AFP



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