Streit um Überreste Russen halten Hitler-Schädel für echt

Der Streit um vermeintliche Schädelknochen Adolf Hitlers geht in die nächste Runde. Der russische Inlandsgeheimdienst FSB besteht darauf, dass die Überreste echt sind. Erst vor kurzem hatten US-Forscher nach einer DNA-Analyse erklärt, der Schädel habe einer Frau gehört.

AP

Der Wirbel um die Knochenstücke ist ein wenig peinlich für die russischen Geheimdienste. Im Jahr 2000 hatten sie ein Schädelfragment und ein Stück Kieferknochen als sterbliche Überreste Adolf Hitlers präsentiert - um die aberwitzigen Gerüchte, der Diktator könnte nach Kriegsende lebendig entkommen sein, endgültig ad absurdum zu führen.

Anfang Oktober dieses Jahres aber präsentierten US-Forscher die Ergebnisse einer Erbgut-Analyse. Zumindest der Schädelknochen stamme definitiv nicht von dem Diktator, hieß es. Denn er habe einst einer Frau gehört. Zuvor schon waren den Wissenschaftlern bereits Zweifel gekommen angesichts der geringen Stärke des Schädelknochens, die eher für Frauen charakteristisch ist.

FSB kritisiert US-Forscher

"Hätte man mir dieses Schädelfragment in einer normalen forensischen Untersuchung auf den Tisch gelegt, hätte ich gesagt: Frau, 20 - 40 Jahre alt, starb bei einem Hausbrand", sagte der Anthropologe Nick Bellantoni von der University of Connecticut. Auch die in der Schädelkalotte erkennbare Austrittswunde erregte den Argwohn des Forschers: Sie befindet sich am Hinterkopf. Hitler habe sich nach Zeugenaussagen aber in die rechte Schläfe geschossen.

Dem widerspricht jetzt der russische Inlandsgeheimdienst FSB. Die Knochen stammen tatsächlich von Adolf Hitler, sagte der Leiter der FSB-Archive, Generalleutnant Wassili Christoforow, der Zeitung "Iswestija". "An uns haben sich diese Forscher nicht gewandt, und womit hätten sie die DNA auch vergleichen sollen?" Außer in Moskau gebe es keine sterblichen Überreste des Nazi-Diktators.

Bellantoni aber durfte nach eigener Aussage für eine Stunde an dem Schädel arbeiten. Als er aus Moskau heimgeflogen sei, habe er zwei Proben im Gepäck gehabt: eine Probe vom Schädelfragment, eine von dem Blut auf dem Sofa, auf dem sich Hitler erschossen haben soll. Die Blutflecken auf dem Stoff hatte Bellantoni vorher mit Fotos abgleichen können, welche die Sowjets unmittelbar nach Einnahme des Bunkers gemacht hatten. Die Übereinstimmung der Flecken sei exakt gewesen. Die Untersuchung ergab: Sofablut-DNA und Schädel-DNA stammten nicht von derselben Person. Das Sofablut war männlich, der Schädel aber gehörte einer Frau.

Verwirrung um russische Aussagen

Christoforow setzt dem entgegen, Stalin selbst habe eine genaue Untersuchung der Stücke angeordnet, da er nicht von Hitlers Tod überzeugt gewesen sei. Der Vergleich der Kieferknochen mit Röntgenbildern, die 1944 von Hitler angefertigt worden waren, hätte den Sowjetdiktator schließlich zufriedengestellt.

Der FSB-Archivleiter bekräftigte, dass die Leichen von Hitler sowie von Eva Braun, dem Ehepaar Goebbels und deren vergifteten sechs Kindern am 4. April 1970 vernichtet worden seien. "Der Befehl kam von KGB-Chef Juri Andropow, dem späteren Staats- und Parteichef", sagte Christoforow. Die sterblichen Überreste seien bis dahin bei Magdeburg aufbewahrt, dann aber verbrannt und als Asche in einen Fluss gestreut worden. "Wahrscheinlich war das eine richtige Lösung. Sonst wäre der Bestattungsort noch zur Wallfahrtsstätte für Faschisten geworden, die es überall gibt - bedauerlicherweise auch in Russland."

Allerdings scheinen sich die russischen Behördenvertreter auch untereinander nicht ganz einig zu sein, ob man es tatsächlich mit Hitlers Knochen zu tun hat. Nach der Bekanntgabe der US-Ergebnisse hatte der Vizechef des Russischen Staatsarchivs, Wladimir Koslow, gesagt: "Keiner hat behauptet, dass das Hitlers Schädel ist."

mbe/dpa



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