Studie Hunger tötet jährlich viele Millionen Kinder

Jeder dritte Todesfall unter Kindern weltweit wird durch Unterernährung verursacht. Dreieinhalb Millionen Kinder unter fünf sterben jedes Jahr an den Folgen des Hungers. Aber auch die Überlebenden haben lebenslang mit den Spätfolgen der Unterernährung zu kämpfen, zeigen aktuelle Studien.


Vier von fünf unterernährten Kindern leben in einem von nur 20 unterschiedlichen Ländern, viele davon im südlichen Afrika und in Südasien. Die meisten Kinder sterben mittelbar an Unterernährung, weil sie anfälliger für Krankheiten sind. Mit am schlimmsten wirke es sich aus, wenn die Mutter in der Schwangerschaft an Vitamin-A- und Zink-Mangel leide. Die Fachzeitschrift "Lancet" hat dem Thema weite Teile ihrer aktuellen Ausgabe gewidmet - eine ganze Reihe internationaler Forscherteams schlägt Alarm.

Kinder (in der extrem armen argentinischen Provinz Chaco): Weltweit führt Armut zu Unterernährung - und die hat selbst bei Überlebenden lebenslange Folgen
AP

Kinder (in der extrem armen argentinischen Provinz Chaco): Weltweit führt Armut zu Unterernährung - und die hat selbst bei Überlebenden lebenslange Folgen

Besonders schlimm betroffen seien Birma, Uganda, Indien, China und Südafrika, sagte "Lancet"-Chefredakteur Richard Horton. Den größten Erfolg hätten Hilfen in der Zeit von der Schwangerschaft der Mutter bis zum zweiten Geburtstag des Kindes. "Nach einem Alter von zwei Jahren hat Unterernährung einen unabänderlichen Schaden für die künftige Entwicklung angerichtet."

Untersuchungen in Brasilien, Guatemala, Indien, den Philippinen und in Südafrika hätten gezeigt, dass ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Unterernährung in den ersten Lebensjahren und der Gesundheit im Erwachsenenalter bestehe. Je schlechter ein Kind ernährt sei, umso größer sei die Wahrscheinlichkeit, dass es später klein bleibe, schlecht in der Schule und schlecht bezahlt im Beruf sei sowie selbst einmal Kinder mit niedrigem Geburtsgewicht bekomme.

Einfache Maßnahmen wie Stillberatung und Vitamin-A-Präparate könnten in den 36 am schlimmsten betroffenen Ländern ein Viertel aller Todesfälle bei Kindern verhindern, schreiben Mediziner um Zulfiqar Bhutta von der pakistanischen Aga-Khan-Universität in Karatschi in einer der "Lancet"-Studien. Das allein werde aber nicht reichen: "Obwohl verfügbare Maßnahmen auf kurze Sicht die Situation eindeutig verbessern können, sind zur Eliminierung körperlicher Unterentwicklung langfristige Investitionen nötig."

Vor allem müssten, so die Forscher, Frauen als "vollwertige Mitglieder der Gesellschaft" anerkannt werden und Zugang zu Bildung und Wirtschaft bekommen.

cis/AFP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.