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Studie: Immer mehr Menschen sind süchtig nach Schlaftabletten

In Deutschland steigt der Konsum von Schlafmitteln dramatisch an. Einer Studie zufolge schlucken heute mehr als zwei Millionen Menschen regelmäßig solche Pillen - in fünf Jahren sollen es doppelt so viele sein. Eine der Ursachen ist demnach die Verschreibungspraxis der Ärzte.

Frankfurt/Main - Die Zahlen, die das Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung in Hamburg veröffentlicht, sind erschreckend. Demnach wird sich die Zahl der Schlaftabletten-Süchtigen in den kommenden fünf Jahren von derzeit 2,3 auf rund vier Millionen erhöhen. "Das macht deutlich, dass es einen erheblichen Handlungsbedarf gibt", sagte Institutsleiter Peter Raschke der "Frankfurter Rundschau".

Abhängig von Schlaftabletten: Schon nach wenigen Wochen süchtig
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Abhängig von Schlaftabletten: Schon nach wenigen Wochen süchtig

Komplizen dieser verhängnisvollen Entwicklung seien zunehmend Ärzte, die Privatrezepte an den Krankenkassen vorbei für ihre Patienten ausstellten. Die Mediziner wüssten in der Regel um die problematische Langzeiteinnahme ihrer Patienten, etwa bei Valium und dessen Abkömmlingen, sagte Raschke: "Entweder erkennen sie die typischen Veränderungen von Menschen mit Benzodiazepin-Langzeiteinnahme nicht richtig oder sie nehmen diese billigend in Kauf und setzen deshalb die Verschreibung fort."

Noch düsterer sieht es dem Bericht zufolge bei den 1991 eingeführten sogenannten Schlafmitteln Zolpidem und Zopiclon aus - derzeit die erfolgreichsten Präparate auf dem Markt. Gemäß den Leitlinien sollten sie in niedriger Dosierung und maximal vier Wochen lang eingesetzt werden.

Bremer Sozialforscher um Professor Gerd Glaeske haben laut "FR" errechnet, dass der Anteil der Privatrezepte zwischen 1993 und 2007 drastisch angestiegen sei. Die Verkaufszahlen für beide Schlafmittel hätten sich dadurch verdreifacht. Rund 45 Prozent der Bevölkerung haben gelegentlich oder dauernd Schlafstörungen. Die Insomnie, wie Schlaflosigkeit auch heißt, nimmt mit dem Alter zu, bei den über 65-Jährigen leidet jeder zweite stark.

ler/AP

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