Neue Studie Alle Klimaziele sind noch erreichbar - wenn wir wollen

Selbst die ambitioniertesten weltweiten Ziele zum Schutz des Klimas sind noch umsetzbar, so das Ergebnis einer neuen Studie. Dafür müssten allerdings Wirtschaft, Politik und jeder Einzelne sofort handeln.

Photovoltaikmodule (Symbolbild)
Getty Images/iStockphoto

Photovoltaikmodule (Symbolbild)


Die in Paris verabschiedeten weltweiten Klimaziele sind noch erreichbar. Dies ist die Aussage einer neuen Studie, die jetzt in der Fachzeitschrift "Nature Communications" veröffentlicht wurde. Demnach könnte die globale Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts sogar noch auf 1,5 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Niveau begrenzt werden - das Vorhaben gilt als besonders ambitioniert.

Auf der Klimakonferenz von Paris hatte sich die Staatengemeinschaft verpflichtet, das Ansteigen der durchschnittlichen Temperatur der Erde auf "deutlich" unter zwei Grad Celsius zu stabilisieren und möglichst eine Temperaturgrenze von sogar 1,5 Grad anzustreben. Die Differenz von 0,5 Grad ist vor allem für besonders bedrohte Inselstaaten von Bedeutung, die etwa bei einem stärkeren Anstieg des Meeresspiegels in Folge der Erwärmung unterzugehen drohen. Auch sinkt die Wahrscheinlichkeit von schweren Dürren, Fluten und Hitzewellen bei einer Erwärmung von 1,5 im Vergleich zu 2,0 Grad.

Der schrittweise Abbau fossiler Infrastruktur müsste schnell beginnen

Die Studienautoren um Christopher Smith von der University of Leeds in Großbritannien berechneten mit Hilfe von Computermodellen, wie wahrscheinlich es ist, dass Klimaschutzmaßnahmen zum Einhalten der Ziele von Paris führen.

Die entscheidende Bedingung für ihre Untersuchung ist, dass ab sofort mit dem schrittweisen Abbau fossiler Infrastruktur - dem sogenannten phase out - begonnen wird. Das bedeutet: Alle Kraftwerke, Fabriken, Flugzeuge und Autos, die jetzt noch in Betrieb sind, müssten nach Ablauf ihrer Lebensdauer durch emissionsfreie Alternativen ersetzt werden.

Bei ihren Berechnungen gehen Smith und seine Kollegen etwa bei fossilen Kraftwerken von einer durchschnittlichen Lebensdauer von 40 Jahren, bei Autos von 15,6 Jahren und bei Flugzeugen von 26 Jahren aus. Das heißt: Selbst wenn ein gerade erst ans Netz gegangenes Kohlekraftwerk noch volle 40 Jahre in Betrieb bleiben würde, ließen sich die besonders strengen Klimaziele von Paris laut Studie mit einer Wahrscheinlichkeit von 64 Prozent noch erreichen.

40 Jahre Lebensdauer für ein Kohlekraftwerk

Die Berechnungen gehen davon aus, dass die weltweiten CO2-Emissionen in den kommenden 40 Jahren auf null sinken. Wenn der Beschluss, mit dem weltweiten phase out zu beginnen, erst 2030 gefällt werde, sinke die Wahrscheinlichkeit, das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, auf unter 50 Prozent.

Wie Studienautor Smith in einem Beitrag selbst schreibt, gibt es Einschränkungen bei der Aussagekraft der Untersuchung. So hätten er und seine Kollegen beispielsweise keine Lebenszyklusanalyse der CO2-freien Ersatztechnologie vorgenommen. Daher falle nicht ins Gewicht, dass etwa auch die Herstellung von Windrädern und Solaranlagen Energie benötigt und Kohlendioxidemissionen verursacht.

Technisch möglich - politisch fraglich

Zudem gehen die Autoren für den Sektor Landwirtschaft davon aus, dass innerhalb der kommenden drei Jahre die besonders hohen CO2-Emissionen aus Viehhaltung und Fleischverzehr auf null sinken, die der übrigen Landwirtschaft sukzessive bis 2100. Eine besonders unrealistische Annahme.

Die Studie trifft also in erster Linie eine Aussage über die technische Realisierbarkeit der Klimaziele und nicht über die Wahrscheinlichkeit, dass die dafür nötigen Maßnahmen auch rasch ergriffen werden. Das liegt vielmehr in der Hand von Politik, Wirtschaft - und uns.

stu

insgesamt 307 Beiträge
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Seite 1
fahrgast07 16.01.2019
1. Grau ist alle Theorie
Wir wollen ja nicht mal ein Tempolimit. Wenn schon so ein kleiner, kostenloser(!) Schritt nicbt geht, können wir den Klimaschutz vergessen.
S.Albrecht 16.01.2019
2. Das will wieder keiner hören
Dass die Klimaschäden durch die Nutztierindustrie exorbitant hoch sind, ist schon lange bekannt. Politische Konsequenzen: Bislang Null. Persönliche Konsequenzen: Bei immer mehr Menschen vorhanden, aber bei viel zu wenigen. Und die meisten werden es wieder nicht hören wollen - ich bin schon wieder gespannt auf die ganzen apologistischen, ignoranten oder schlicht trotzigen Kommentare, die hier kommen werden., von „Ich lass mir den Genuss doch nicht verbieten“ über „Der Löwe darf das doch auch“ bis zu „Stimmt garnicht!“ und zurück. Los geht’s!
günterjoachim 16.01.2019
3. Zeitverschwendung...
Die Studie basiert auf einer Vielzahl nicht gesicherter Annahmen und ist damit keinen Schuss Pulver wert. Absolut überflüssig. Reine Zeitverschwendung.
Andraax 16.01.2019
4.
Zitat von günterjoachimDie Studie basiert auf einer Vielzahl nicht gesicherter Annahmen und ist damit keinen Schuss Pulver wert. Absolut überflüssig. Reine Zeitverschwendung.
Haben Sie irgendwelche Belege für Ihre Aussagen?
zeichenkette 16.01.2019
5. Das ist halt intuitiv nicht erfassbar
Die allermeisten Menschen sind einfach nicht in der Lage, Dinge rational zu bewerten, sondern verlassen sich auf ihre Bauchgefühl, das aber für solche Dinge vorne und hinten nicht taugt. Viele glauben immer noch, dass die Welt eine riesige Natur sei, in der der Mensch kaum eine Rolle spielt, dabei ist die Welt schon lange nur noch ein schlecht verwalteter Bauernhof. Ein Beispiel: Von der Gesamtmasse aller auf der Welt lebenden Säugetiere machen wilde Tiere nur noch weniger als 5% aus. Der Rest sind Menschen und die Tiere, die die Menschen halten, um sie zu essen. Aber das ist so schwer zu begreifen, dass die meisten Menschen davon gar nichts wissen wollen. Bis es zu spät ist, aber dann ist auch wieder irgendwer anders schuld, aber sie bestimmt nicht.
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