Studie Mehr neue HIV-Infektionen in den USA als angenommen

Das Ausmaß der HIV-Epidemie in den USA ist größer als bisher bekannt: Pro Jahr stecken sich einer neuen Studie zufolge 56.000 Amerikaner mit dem Virus an - 40 Prozent mehr als bisher angenommen. Immerhin: Erste Erfolge der Prävention deuten sich an.


Washington - "Leider sind wir weit davon entfernt, den Kampf gegen diese vermeidbare Krankheit zu gewinnen", sagte Julie Gerberding, Leiterin der Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Laut einer neuen Studie der US-Behörde infizierten sich im Jahr 2006 rund 56.300 Amerikaner mit dem gefährlichen Aids-Virus. Das seien 40 Prozent mehr als in früheren Schätzungen vorhergesagt.

Aids-Forschung (im Heinrich-Pette-Institut Hamburg): Infektionsrate unter schwarzen US-Bürgern siebenmal so hoch wie bei Weißen
DPA

Aids-Forschung (im Heinrich-Pette-Institut Hamburg): Infektionsrate unter schwarzen US-Bürgern siebenmal so hoch wie bei Weißen

"Die HIV-Epidemie ist und war immer schlimmer als bisher bekannt", sagte Kevin Fenton vom CDC. Eine von der Behörde entwickelte neue Labormethode habe gezeigt, dass die bisherige Annahme von etwa 40.000 Neuinfektionen jährlich viel zu niedrig angesetzt gewesen sei. Die Forscher haben auf Daten eines neuen Bluttests zurückgegriffen, der erstmals Rückschlüsse auf den Zeitpunkt der Infektion erlaubt. Das war bei früheren Testmethoden nicht möglich. Die Zahl von 40.000 Infektionen beruhte deshalb auf einer Schätzung.

"Das ist die verlässlichste Zahlenangabe, die wir seit Beginn der Epidemie haben", sagte Gerberding. Andere Staaten könnten die CDC-Kalkulation übernehmen, die nicht allein auf dem präziseren Bluttest, sondern auch auf neuen statistischen Methoden beruht.

Nach CDC-Angaben sind derzeit 1,1 Millionen US-Amerikaner mit dem Aids-Virus infiziert. Wegen der neuen, höheren Infektionsrate will die Gesundheitsbehörde diese Zahl neu berechnen, sie dürfte sich aber kaum dramatisch ändern, erklärte eine CDC-Sprecherin. Die Hochrechnung der Neuinfektionen basiert auf Daten aus 22 US-Bundesstaaten, in denen der neue Bluttest angewandt wird, der unterscheiden kann, ob eine Infektion jünger oder älter als fünf Monate ist.

Zwar sei die hohe Zahl von HIV-Infektionen beunruhigend, sagte CDC-Forscher Richard Wolitski. Doch dass die Zahl der Neuansteckungen in jüngerer Zeit stabil sei, deute auf erste Erfolge bei der Prävention hin. Der Studie zufolge sind vor allem schwule und bisexuelle Männer sowie Afroamerikaner von HIV betroffen. 53 Prozent der Neuinfektionen gebe es unter Schwulen und Bisexuellen. Die Infektionsrate unter schwarzen US-Bürgern liegt siebenmal so hoch wie bei Weißen: auf 100.000 Schwarze kommen demnach 83,7 Infektionen, bei Weißen sind es 11,5.

Die Ergebnisse der Studie werden in einer Sonderausgabe der Fachzeitschrift "Jama" (2008;300[5]:520-529) veröffentlicht. Sie sollen auf der am Sonntag in Mexiko-Stadt beginnenden internationalen Aids-Konferenz vorgestellt werden.

hda/AFP/AP



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