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Studie: Reicher Bakterienfund auf Arzthandys

Übler Verdacht gegen Handys in Kliniken: Die Mobiltelefone sind offenbar wahre Bakterienschleudern. Bei einer Untersuchung stellte sich heraus, dass von 200 untersuchten Geräten, die Ärzten und Pflegern gehörten, fast jedes mit teils gefährlichen Erregern verseucht war.

Geldscheine, Computertastaturen, Türgriffe - alles, was Menschen regelmäßig in die Hände nehmen, gilt als Tummelplatz für Mikroben aller Art, darunter auch potentielle Krankheitserreger. So mag es kaum verwundern, dass nun auch Handys ins Visier der Hygieneforscher geraten - insbesondere weil es sich in diesem Fall um Mobiltelefone handelt, die von Klinikpersonal benutzt werden.

Mensch mit Handy: Nicht immer eine gesunde Partnerschaft
REUTERS

Mensch mit Handy: Nicht immer eine gesunde Partnerschaft

Ein Team um Fatma Ulger von der türkischen Ondokuz-Mayis-Universität hat 200 Handys von Ärzten und Pflegern unter die Lupe genommen - und auf fast jedem Gerät mindestens eine Bakterienart gefunden. Darunter war so ziemlich alles von Erregern harmloser Hautirritationen bis zum Überträger tödlicher Krankheiten, schreiben die Forscher im Fachblatt "Annals of Clinical Microbiology and Antimicrobials".

Auf jedem dritten Handy wurden mindestens zwei verschiedene Erreger festgestellt, auf jedem zehnten sogar noch mehr. Am bedenklichsten aber ist nach Angaben der Wissenschaftler, dass sich auf jedem achten Telefon mindestens ein Bakterienstamm befand, der gegen Antibiotika resistent war. Das ist keineswegs nur in der Türkei ein Problem: Auch in Deutschland sind die extrem gefährlichen multiresistenten Bakterien auf dem Vormarsch. In den USA sollen sie für 60 Prozent aller Infektionen in Krankenhäusern verantwortlich sein. Experten gehen inzwischen davon aus, dass diese Erreger pro Jahr mehr Menschen töten als Aids.

"Diese Mobiltelefone könnten in einer Klinik ein Infektionsherd sein und die Übertragung von Bakterien begünstigen", warnen die Wissenschaftler. Während die Ärzte und Pfleger sich selbstverständlich an übliche Hygieneregeln wie etwa Händewaschen hielten, nahmen sie es mit der Sauberkeit ihrer Mobiltelefone nicht so genau. Nur jeder zehnte an der Untersuchung beteiligte Klinikmitarbeiter gab an, sein Handy regelmäßig zu reinigen.

Bakterien mit dem Kürzel MRSA (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus) haben gegen geläufige Antibiotika wie Penicillin einen Schutzmechanismus entwickelt, so dass nur wenige Medikamente wirken. Gerade in Kliniken birgt dies die Gefahr lebensgefährlicher Infektionen. Da die Ergebnisse aus einer kleinen Zahl von Tests stammten, regten die Forscher an, die Problematik eingehender zu untersuchen.

mbe/AFP

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