Studie unter 15-Jährigen Drei von hundert Schülern dopen

Doping unter Schülern ist offenbar keine Seltenheit mehr. Laut einer französischen Studie greift jeder hundertste Elfjährige zu leistungssteigernden Mitteln. Im Alter von 15 Jahren steigt die Quote sogar auf drei Prozent.

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Dass Doping schon lange nicht mehr nur ein Problem des Spitzensport ist, überrascht kaum. Bodybuilder und Hobby-Radfahrer greifen ebenso zu verbotenen Substanzen wie Profis. Doch selbst Schüler dopen bereits gezielt, wie eine Studie jetzt ergeben hat. Drei von hundert 15-jährigen Franzosen haben bei einer Befragung zugegeben, die eigenen Sportleistungen mit Dopingmitteln zu verbessern, berichten französische Forscher im Fachblatt "British Journal of Sports Medicine".

Fußball im Sportunterricht: Schüler greifen zu leistungssteigernden Mitteln
DPA

Fußball im Sportunterricht: Schüler greifen zu leistungssteigernden Mitteln

Für ihre Untersuchung hatten Patrick Laure und Caroline Binsinger von der Direction Régionale de la Jeunesse et Sport in Lothringen im Jahr 2001 knapp 3600 Elfjährige befragt. Sie sollten unter anderem angeben, ob sie Dopingmittel benutzt hatten, die zwar als Medikamente zugelassen sind, aber von der Welt-Anti-Doping-Agentur verboten wurden. 2005 befragten die Wissenschaftler dieselben Jugendlichen erneut; die Zahl der Studienteilnehmer hatte sich unter anderem durch Schulwechsel oder Umzüge auf 2199 verkleinert.

Schon 2001 hatte die Untersuchung ergeben, dass einer von hundert elfjährigen Schülern dopt. Vier Jahre später, im Alter von 15, habe sich die Quote verdreifacht, berichten Laure und Binsinger. Zu den am häufigsten genommenen Mitteln zählten Salbutamol (45 Prozent), stimulierende Mittel und Anabolika (38 Prozent) und Kortikosteroide (10 Prozent). Weil sowohl Salbutamol als auch Kortikosteroide als Asthma-Medikament genutzt werden, fragten die Forscher gezielt nach, ob die Einnahme mit einer Asthmaerkrankung in Zusammenhang stand. War dies der Fall, wurde die Einnahme nicht als Doping gewertet.

Jungs dopen mehr als Mädchen

Erschreckend an der Studie ist auch, dass Schüler mit zunehmenden Alter die Substanzen regelmäßiger nehmen: Während knapp zwei Drittel der elfjährigen Doper seltener als einmal pro Monat verbotene Mittel einnahmen, tat es derselbe Anteil der 15-Jährigen mindestens einmal in der Woche.

Jungen greifen laut der Studie häufiger zu leistungssteigernden Mitteln als Mädchen. Gefährdet seien besonders junge Sportler mit niedrigem Selbstwertgefühl und ängstliche Kinder. Außerdem sei der Missbrauch umso höher, je mehr Stunden pro Woche die Jungendlichen trainierten. Knapp die Hälfte der Doper gab an, durch das Doping mindestens einen Sportwettbewerb gewonnen zu haben. Vier Prozent berichteten von Gesundheitsproblemen, darunter ein Hang zu Gewalttätigkeit und eine Veränderung der Stimme.

Bislang gibt es nur wenige Studien über Doping unter Schülern. Michael Sauer von der Sporthochschule Köln wertet derzeit eine Befragung von 400 Jugendlichen in Kölner Jugendzentren aus. Die Ergebnisse stünden noch nicht fest, sagte er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Es gebe jedoch erste Aussagen: "Etwa sieben Prozent der befragten Schüler haben in den letzten zwölf Monaten Anabolika genommen."

Streitfall Cannabis

Sauer sieht Umfragen unter Schülern, aus denen Dopingzahlen generiert werden, mit einer gewissen Skepsis: "Die Crux liegt im Fragebogen." Substanzen, die auf der Dopingliste stünden, würden nicht zwangsläufig zur Leistungssteigerung eingenommen. Er verweist auf das Beispiel Cannabis: "Beim Alpinski nimmt man es, um die Angst zu überwinden, in der Freizeit, um sich zu entspannen." Auch die französischen Forscher haben nach Cannabis gefragt - sechs Prozent der Schüler gaben an, es konsumiert zu haben. Die Einnahme wurde als Doping gewertet.

Für Ulrike Spitz, Sprecherin der Nationalen Anti-Doping-Agentur Deutschland (Nada), sind die Zahlen aus Frankreich kein Zufall: "Die Auswirkungen des verbreiteten Dopings im Spitzensport auf den Breitensport sind da", sagte sie im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Sie weiß aus eigener Erfahrung, dass Doping unter Heranwachsenden schon länger ein Thema ist. Spitz hatte vor einiger Zeit als Journalistin einen Text über die Risiken des Wirkstoffs Kreatin geschrieben. Daraufhin habe die Mutter einer Schwimmerin angerufen: "Sie wollte wissen, wo sie Kreatin bekommen kann."

mit Material von dpa



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