Studie zum Wohlbefinden Ab 60 wird alles wieder gut

Die Lebenszufriedenheit hängt von der Region ab, in der Menschen leben, zeigt eine WHO-Studie. Bewohnern der westlichen Welt geht es dabei klar am besten. Allerdings plagt sie auch eine ausgeprägte Midlife Crisis.

Nicht den Kopf hängen lassen: Mit dem Alter wird auch die Stimmung wieder besser
Corbis

Nicht den Kopf hängen lassen: Mit dem Alter wird auch die Stimmung wieder besser


Die Lebensmitte ist der Tiefpunkt. Zumindest was die Lebenszufriedenheit der Menschen aus der westlichen Welt angeht. Es geht aber wieder aufwärts. Sobald die 50 überschritten ist und vor allem ab 60 Jahren ist wieder alles fein - die Midlife-Crisis liegt hinter uns. Und das ist nicht nur ein individuelles Empfinden, sondern auch wissenschaftlich belegt. Dies zeigt sich nun in einer Studie im Fachmagazin "The Lancet", die sich mit dem Altern der Menschen auf der ganzen Welt und den unterschiedlichen Einflüssen auf das Wohlbefinden beschäftigt.

Andrew Steptoe, Angus Deateon und Arthur Stone durchforstete für ihre von der Weltgesundheitsorganisation WHO koordinierte Studie die Daten der Gallup World Poll, einer internationale Umfrage in der jährlich 150.000 Befragte ihre Lebenszufriedenheit auf einer Skala von 1 bis 10 angeben.

Das Ergebnis: Die Lebenszufriedenheit schwankt von Land zu Land. In der westlichen Welt ist die Lebenszufriedenheit im Abschnitt zwischen 45 und 54 Jahren am geringsten und nimmt dann aber wieder zu. So zeigt die Kurve in Ländern wie den USA und Großbritannien einen u-förmigen Verlauf und erreicht in der Lebensmitte einen Tiefpunkt. In Afrika dagegen sind die Werte konstant niedrig und ändern sich über die Jahre kaum. In Osteuropa, der früheren Sowjetunion und Lateinamerika geht es konstant abwärts - die Lebenszufriedenheit nimmt mit zunehmendem Alter immer weiter ab.

Zufriedenheit in Abhängigkeit vom Alter nach Regionen: Afrika ganz unten, Osteuropa stark fallend
SPIEGEL ONLINE

Zufriedenheit in Abhängigkeit vom Alter nach Regionen: Afrika ganz unten, Osteuropa stark fallend

Auch die Deutschen haben eine Midlife-Crisis

Für Deutschland haben die Wissenschaftler keine Kurve errechnet. Die Lebenszufriedenheit schwankt hierzulande aber ganz ähnlich wie in den nun analysierten reichen, englischsprachigen Ländern. Aus Deutschland stammende SOEP-Daten zeigen, dass es auch hierzulande eine Midlife Crisis gibt. Bei vielen Befragten sinkt die Zufriedenheit bis Mitte 50, um in den Folgejahren wieder zu steigen.

Die Forscher vermuten, dass die Wirtschaft ein wichtiger Grund für die Entwicklung der Zufriedenheit ist. So haben die Menschen in der früheren Sowjetunion ein System verloren, dass ihrem Leben einst Halt gegeben hat und auch eine Altersversorgung ermöglichte.

In den westlichen Ländern hingegen verdienen und arbeiten die meisten Menschen in der Lebensmitte am meisten. Dies gehe jedoch auf Kosten der Lebensqualität, schreiben die Forscher. Bei älteren Menschen nimmt der Druck wieder ab. Sofern die Gesundheit nicht beeinträchtigt ist, sind sie in diesem Lebensabschnitt glücklicher und entspannter.

khü

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Bärthold 07.11.2014
1. klar
Als junger Mensch will man noch die Welt verändern. Mit 45 macht sich die Erkenntnis breit, daß man im Arbeitsleben doch nur im Hamsterrad rotiert, und zwar noch 20 weitere Jahre. Das frustriert. Mit 60 ist das Hamsterrad zwar noch da, aber man nimmt es wegen des Lichts am Horizont nicht mehr so tragisch.
hevopi 08.11.2014
2. Midlife-Crisis
nur abzubauen durch eigene Initiative und Motivation. Auch mit 69 Jahren zähle ich mich zur Gruppe "10", weil ich den Depressionen durch ein intensives Leben entgegen getreten bin und durch soziale Kontakte, Aktivitäten, aber auch soziales Engagement viel Lebensmut bekommen habe, Kleinigkeiten genieße und jeden Tag nach meinem eigenen Punktesystem bewerte. Dadurch komme ich erst garnicht in Versuchung, mich gehen zu lassen. Die Nachrichten dieser Welt sind traurig, die Schicksale vieler Menschen wirklich deprimierend, also gilt es selbst in dieser Situation einen positiven Beitrag zu leisten und sei er noch so klein. Zum Glück gibt es ja auch noch soziale Menschen, nicht nur blinde Politiker.
aviateur 08.11.2014
3. Ein Fünftel
Zitat von BärtholdAls junger Mensch will man noch die Welt verändern. Mit 45 macht sich die Erkenntnis breit, daß man im Arbeitsleben doch nur im Hamsterrad rotiert, und zwar noch 20 weitere Jahre. Das frustriert. Mit 60 ist das Hamsterrad zwar noch da, aber man nimmt es wegen des Lichts am Horizont nicht mehr so tragisch.
Ja, wie schrecklich, dieses Arbeitsleben. Gibt's sonst noch was in Ihrem Leben? Selbst in der beruflich aktiven Zeit verbringt der Mensch hierzulande nur ein Fünftel seiner Zeit mit Arbeiten (aufs ganze Leben gesehen nicht mal ein Zehntel). Der Rest, also 80 Prozent, verbleibt für andere Aktivitäten - zum Beispiel Jammern über die Zumutungen des Erwerbslebens.
Volkov 10.11.2014
4. Steigerung
Die meisten Menschen in der Jugendzeit nehmen sich vor etwas großes aus ihrem Leben zu machen, Alle wollen ständige Steigerung. Da man in den jungen Jahren erst am Anfang der Kette sich befindet passieren die Steigerungen ziemlich oft. Mit dem Alter nimmt die Steigerung ab. Und die meisten müssen feststellen dass sie nichts oder sehr wenig erreicht haben. Nur ein Bruchteil der Menschen erleben in den 50ern noch einen Karrierensprung.
kurt.max.bauer 10.11.2014
5. Widersprechend...
...zum Bericht ist der Spruch eines Wissenschaftlers: Ab dem fünfzigsten Lebensjahr interessiert sich die Evolution nicht mehr für den Menschen. Stimmt. Aber vielleicht entspannt sich dadurch der Mensch, da ihm das Survival of the fittest den Buckel runter rutschen kann.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.