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Suchtstudie: Deutsche rauchen weniger

Einen positiven Trend melden deutsche Suchtforscher: Der Zigarettenkonsum geht weiter zurück. Dramatisch bleiben dagegen die Auswirkungen von Alkohol auf die Gesundheit, zeigt das "Jahrbuch Sucht".

Zigarettenkippen: In Deutschland rauchen 29 Prozent der 18- bis 64-Jährigen Zur Großansicht
dpa

Zigarettenkippen: In Deutschland rauchen 29 Prozent der 18- bis 64-Jährigen

Die Deutschen rauchen weniger Zigaretten, trinken aber immer noch zu viel Alkohol - das ist das Ergebnis des "Jahrbuch Sucht 2011", das die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen am Dienstag in Berlin vorstellte. Geschäftsführer Raphael Gaßmann nannte die Situation bezüglich des Alkohols dramatisch. "Der Alkoholverbrauch bleibt entschieden zu hoch, zu riskant, zu folgenreich", erklärte er. Die Hauptstelle geht davon aus, dass jeder fünfte Deutsche zwischen 18 und 64 Jahren ein Alkoholproblem habe. Zwar ging die jährlich konsumierte Menge reinen Alkohols leicht zurück, doch falle diese Entwicklung "zu gering" aus, um Gesundheitsschäden zu vermeiden.

Rund 73.000 Todesfälle gingen jährlich auf "alkoholbezogene Gesundheitsstörungen" zurück, erklärte Gaßmann. Ein Fünftel aller Todesfälle in Deutschland zwischen 35 und 65 Jahren seien alkoholbedingt, bei Männern sogar ein Viertel. Laut der Hauptstelle für Suchtfragen ist die Anzahl an Alkoholvergiftungen zwischen 2000 und 2009 um fast 112 Prozent gestiegen. Die Forscher weisen zudem darauf hin, dass rund 35 Prozent aller Tatverdächtigen bei gefährlicher und schwerer Körperverletzung zum Tatzeitpunkt unter Alkoholeinfluss standen.

Positiver sieht die Hauptstelle die Entwicklung beim Tabak: Der Rückgang sei deutlich, wenn auch mit 1,6 Prozent im Jahr 2009 nur noch halb so intensiv wie im Vorjahr (3,8 Prozent), hieß es in einer Mitteilung. Die Tabaksteuereinnahmen seien 2009 um 1,5 Prozent auf rund 13,4 Milliarden Euro gesunken, während sie 2008 um etwa 4,8 Prozent zurückgegangen seien. In Deutschland rauchen rund 29 Prozent der 18- bis 64-Jährigen, Männer (rund 32,8 Prozent) sind dabei stärker vertreten als Frauen (etwa 25,5 Prozent). Die Hauptstelle nimmt an, dass der Zigarettenkonsum jährlich 110.000 bis 140.000 Todesfälle verursacht.

Bei den Medikamenten mit Suchtpotential konnte die Hauptstelle keinen eindeutigen Trend ausmachen, weil die Mittel häufig im Internet, also am Arzt vorbei, erworben würden. Schätzungen gehen von 1,4 Millionen Abhängigen aus.

Bei den illegalen Drogen vermutete die Hauptstelle in Deutschland etwa 3,3 Konsumenten je 1000 Einwohner im Alter von 15 bis 64 Jahren. Rund 220.000 Menschen seien Cannabis-abhängig. Bei Kokain oder Amphetaminen fielen die Zahlen noch geringer aus, hieß es.

Insgesamt sprach die Hauptstelle von "nur geringfügigen Reduzierungen legaler Suchtmittel" und forderte unter anderem Preiserhöhungen und eine Verringerung des Angebots. Gaßmann warf Politik und Medien vor, eigene Regeln für verschiedene Suchtmittel zu schaffen - "je nach Lobbypartnern und Wahlterminen". "Bei Tabak ist allen Konsumenten unmissverständlich klar, dass Rauchen gesundheitsschädlich ist." Das Gleiche gelte jedoch auch für Alkohol, Medikamente und illegale Drogen wie Heroin oder Marihuana, erklärte er.

wbr/AFP

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1. Achtung!
I'm a Substitute 26.04.2011
Zitat von sysopEinen positiven Trend melden deutsche Suchtforscher: Der Zigarettenkonsum geht weiter zurück. Dramatisch bleiben dagegen die Auswirkungen von Alkohol auf die Gesundheit, zeigt das "Jahrbuch Sucht". http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,759110,00.html
Das klingt nach einer drohenden STEUERERHÖHUNG für Kaugummi und Süßigkeiten...
2. Tscha
Berta, 26.04.2011
Zitat von sysopEinen positiven Trend melden deutsche Suchtforscher: Der Zigarettenkonsum geht weiter zurück. Dramatisch bleiben dagegen die Auswirkungen von Alkohol auf die Gesundheit, zeigt das "Jahrbuch Sucht". http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,759110,00.html
das Geld wird knapp,Merkel und Schröder haben ganze Arbeit geleistet.
3. Nichtrauchersteuer
klugscheißer2011 26.04.2011
Zitat von I'm a SubstituteDas klingt nach einer drohenden STEUERERHÖHUNG für Kaugummi und Süßigkeiten...
Dann würde sich bestimmt bald die Einführung einer Nichtraucherabgabe lohnen :-) Aber ich sehe das insgesamt positiv. Rauchen ist eben einfach nicht mehr schick. Es ist übrigens sehr leicht sich das Rauchen abzugewöhnen. Ich selber hab das in meinem früheren Leben bestimmt schon 35 Mal geschafft! Aber nun sind es tatsächlich schon 16 Jahre ohne. Reicher macht einen das komischwerweise aber auch nicht.
4. nee
loeweneule, 26.04.2011
So so, es wird weniger geraucht, weil die Einnahmen aus der Tabaksteuer sinken. Daß es eine ganze Zigarettenmafia gibt, die die Kippen aus dem Ausland heranschafft, daß vermehrt die grenznah wohnenden Raucher in Polen etc. ihre Zigaretten kaufen, das fließt - da nicht quantifizierbar - nicht in eine solche Untersuchung ein.
5. gestern erst...
fritz_64 26.04.2011
wurde berichtet das im vergangenen jahr 22 milliarden nicht versteuerte zigaretten konsumiert wurden und der staat dadurch 4 milliarden an steuereinnahmen verloren hat...ich denke die werden sie sich demnächst vom harten kern der ehrlichen raucher und trinker zurückholen, alternativlos eben..
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