Drohender Wasserstopp Kapstadt fürchtet den "Tag Null"

Südafrika erlebt eine verheerende Dürre, der Metropole Kapstadt geht das Wasser aus. Wenn der Regen weiter ausbleibt, könnte die Stadt schon im April 2018 die Wasserhähne komplett zudrehen.

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Ungefähr einmal in der Woche ist es soweit. Dann veröffentlicht die Stadtverwaltung von Kapstadt eine neue Schätzung. Es geht um die Frage, wann der "Tag Null" erreicht sein wird. Es ist der Tag, an dem die südafrikanische Metropole ihren Einwohnern das Wasser abstellen muss. Aktuell droht dieser Schritt am 29. April 2018.

Schuld ist eine beispiellose Dürre in der Region - und der Umstand, dass viele Bewohner trotzdem zu viel Wasser verbrauchen.

Würde der "Tag Null" tatsächlich eintreten, dann müssten sich die rund 4,5 Millionen Einwohner ihr Wasser unter Aufsicht von Militär und Polizei an 200 Verteilungspunkten abholen. Täglich würde es dann in einer der höchstentwickelten Städte Afrikas nur noch 25 Liter Wasser pro Person geben - das empfohlene Minimum zur Aufrechterhaltung von Gesundheit und Hygiene.

"Wir versuchen alles, um den 'Tag Null' zu verhindern ... doch dafür müssen wir unsere Beziehung zu Wasser grundsätzlich ändern", warnt Kapstadts Bürgermeisterin Patricia de Lille. Die Stadt verbrauche derzeit mehr als 600 Millionen Liter pro Tag, erklärt der Leiter der städtischen Wasserversorgung, Barry Wood. Der Verbrauch müsse um mehr als 100 Millionen Liter sinken, um eine Katastrophe abzuwenden.

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Kapstadt: Es fehlt das Wasser

Die Region lockt jährlich rund fünf Millionen Touristen an, darunter auch Hunderttausende Deutsche. Doch viele Swimmingpools stehen seit Langem leer. Gärten dürfen seit Monaten eigentlich nicht mehr gewässert werden. Dabei hat gerade erst die trockene Sommerzeit begonnen. Regen wird erst wieder im Mai oder Juni erwartet - wenn überhaupt.

Schon seit Wochen dürfen Einwohner im Schnitt nur noch 87 Liter Wasser pro Tag verbrauchen - und das zum Trinken, Waschen, Kochen, Putzen und Klospülen. Zum Vergleich: In Deutschland werden pro Person um die 120 Liter Wasser pro Tag verbraucht. Das sei im Vergleich zu anderen Industriestaaten ein niedriger Wert, so das Bundesumweltministerium. Es bestehe jedoch noch weiteres Einsparpotential.

Doch auch in Kapstadt halten sich nur ein Viertel aller Einwohner an den Wert von 87 Litern - das verschlimmert das Problem von Woche zu Woche. Zum Jahreswechsel treten deswegen nun neue Regeln in Kraft. Ein Haushalt darf dann pro Monat nur noch 10.500 Liter Wasser verbrauchen, sonst droht ein Bußgeld oder die Installation eines Gerätes zur Wasserbegrenzung.

Wie realistisch die Umsetzung solcher Strafen ist, das ist womöglich eine andere Frage. Nach städtischen Angaben verbrauchen aktuell rund 200.000 Haushalte mehr als 10.500 Liter Wasser pro Monat.

Schon jetzt sind daher die Stauseen, die Kapstadt mit Wasser versorgen, deswegen nur noch zu einem Drittel voll. Die Region wurde schon vor Monaten zum Katastrophengebiet erklärt. "Wenn der Wasserspiegel auf unter 13 Prozent sinkt, drehen wir die Wasserhähne zu", droht de Lille. Nur die dicht besiedelten Armengebiete rund um Kapstadt würden von extremen Maßnahmen ausgeschlossen, da dort das Risiko von Krankheitsausbrüchen zu hoch sei, erklärt de Lille.

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"Es ist klar, dass das Wasser an den Staudämmen, die die Stadt versorgen, bis zum nächsten Regen nicht ausreichen wird", warnt Piotr Wolski, ein Klimaforscher der Universität Kapstadt. Daher müsse der Wasserverbrauch stark rationiert werden.

Die Ursachen der Krise haben nach Angaben von Forschern an der Universität Kapstadt mehr mit den Auswirkungen des Klimawandels als mit schlechter Planung seitens der Stadt zu tun. Kapstadt liegt in einer zunehmend trockenen Provinz, dem Westkap, in der sich das Wetter in den vergangenen Jahren dramatisch verändert hat. Zudem verursacht das Klimaphänomen El Niño in der Region extreme Trockenheit.

Fettige Haare als Symbol

Zahlreiche auf Wasser angewiesene Betriebe wie Gärtnereien und Autowaschanlagen sind pleitegegangen. Auch die Landwirtschaft hat in dieser Erntesaison Verluste in Millionenhöhe verzeichnet, sagt Graham Paulse vom regionalen Ministerium für kooperative Regierungsführung.

Viele Bürger versuchen, sich von der städtischen Wasserversorgung zumindest teilweise unabhängig zu machen. Sie installieren Systeme zur Wasserwiederverwertung und lassen Brunnen graben. Nach den Regeln, die ab 1. Januar gelten, soll Wasser aus solchen Brunnen aber nicht mehr draußen verwendet werden.

Regenwassertanks sind überall ausverkauft. An zwei natürlichen Quellen am Stadtrand drängeln sich täglich Dutzende Einwohner, um Wasserkanister aufzufüllen. "Wenn es schlimmer wird, ziehen wir weg. Das ist doch keine Art zu leben", klagt Yusuf Manjee, ein 68-jähriger Rentner, als er zahlreiche Plastikflaschen auffüllt.

Bürgermeisterin de Lille sagt, um Wasser zu sparen, dusche sie nicht mehr jeden Tag und komme auch mal mit fettigen Haaren ins Büro. Das sind freilich nur symbolische Äußerungen. Wichtiger ist, dass die Stadt die Wasserversorgung durch eine Reihe von Meerwasserentsalzungsanlagen, Wasserrückgewinnung und Grundwasserentnahmen verbessern will. Zwischen Februar und Juli sollen dadurch insgesamt 144 Millionen Liter Wasser gewonnen werden. Auch ist in vielen Stadtteilen der Wasserdruck reduziert worden, um den Verbrauch zu senken.

Ab Februar erwägt die Stadt die Einführung einer "Dürresteuer", die Hauseigentümern je nach Immobilienwert eine gestaffelte Zulage abverlangt. Auf diesem Wege will de Lille über die nächsten vier Jahre umgerechnet 260 Millionen Euro für die Ausweitung der Wasserinfrastruktur gewinnen.

Nach einem Bericht der Zeitung "Cape Times" formiert sich dagegen aber gerade Widerstand. Eine Bürgerinitiative beklagt, die Stadt habe sich zu wenig nach alternativen Finanzquellen umgesehen. Man habe jahrelang Zeit gehabt, sich um das Problem und die Finanzierung von Gegenmaßnahmen zu kümmern.

chs/Kristin Palitza, dpa



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