Tätowierungen Wenn Wissenschaft unter die Haut geht

Was tun, wenn man sich tätowieren lassen will, Herzen und Anker aber spießig und Tribals prollig findet? Ein Blick in einen neuen Bildband könnte helfen. Er beweist: Das Sonnensystem macht sich bestens auf dem Bauch, und auf den Rücken passt sogar der Untergang der Dinosaurier.

Sterling Publishing/ Carl Zimmer/ Scott & Nix

Etwa zehn Prozent der Deutschen tragen Tätowierungen. Die Hautbilder sind also längst nichts Besonderes mehr - könnte man meinen. Doch ein kürzlich auf Englisch veröffentlichter Bildband widerlegt diese Theorie.

Studenten, Wissenschaftler und Forschungsfaszinierte entblößen in "Science Ink" Teile ihres Körpers, um ihre Tattoos zu zeigen. Das Thema ist ausnahmslos Wissenschaft - in all ihren Facetten, von der physikalischen Formel bis zum Dinosaurierfossil.

Der US-Wissenschaftsjournalist Carl Zimmer, der die vielen Beispiele in den vergangenen Jahren in seinem Blog The Loom zusammengetragen hat, erzählt zu jedem Bild eine kleine Geschichte. Etwa die von zwei Frauen, die im Jahr 2009 beschlossen haben, den 200. Geburtstag des Naturforschers Charles Darwin mit einem Tattoo zu ehren: Sie tragen je vier Darwinfinken mit deutlich unterschiedlichen Schnabelformen auf der Haut. Die Vögel, die der britische Wissenschaftler während der "Beagle"-Expedition auf den Galapagos-Inseln sah, gaben einen der entscheidenden Denkanstöße für die Entwicklung der Evolutionstheorie.

Zu sehen ist auch das Tattoo eines Evolutionsbiologie-Studenten, das die sogenannte Gelelektrophorese abbildet. Mit dieser Methode lassen sich Moleküle nach Größe und Ladung auftrennen. Der Erbgutträger DNA wird dabei mit einer Substanz eingefärbt, die unter Schwarzlicht leuchtet. Genauso verhält es sich mit dem Tattoo, das an die bei der Gelelektrophorese entstehenden DNA-Banden erinnert. "Dass es aussieht wie ein Barcode aus einer Schreckensvision der Zukunftsgesellschaft", erklärt der tätowierte Ben Ewen-Campen in dem Buch, "ist ein Unfall."

wbr



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