Nach Besichtigung im Tal der Könige Forscher glaubt weiter an Nofretete-Grab

Liegt hinter der Grabkammer Tutanchamuns die Gruft der legendären Königin Nofretete? Ein britischer Archäologe ist davon überzeugt. Beweise hat er trotz Inspektion im Tal der Könige noch keine. Nun plant er Radarmessungen.

Factum Arte/ Ministry of State for Antiquities and Heritage, Egypt/ Nicholas Revees

Der britische Ägyptologe Nicholas Reeves ist nach Untersuchungen im Tal der Könige zuversichtlich, das unentdeckte Grab der geheimnisvollen ägyptischen Königin Nofretete zu finden. Reeves bekräftigte am Donnerstag nach einem Aufenthalt im Tal der Könige seine Theorie, dass sich bislang unentdeckte Räume in der weltberühmten Grabkammer des Pharaos Tutanchamun befinden.

Reeves vermutet hinter der Nordwand der Gruft den Sarkophag Nofretetes und fand bei der Inspektion nach eigener Aussage weitere Hinweise, die seine Theorie stützen und die Existenz weiterer Räume wahrscheinlich erscheinen lassen. "Radar- und Wärmebildaufnahmen sollten uns das zeigen", sagte der Wissenschaftler in Kairo.

Auch der ägyptische Minister für Altertümer Mamduch al-Damati zeigte sich hoffnungsvoll: "Ich stimme mit Reeves überein, dass wir hinter der Wand etwas finden werden. Eine Grabkammer oder etwas anderes."

Wann die Messungen stattfinden sollen, blieb zunächst unklar. Damati sagte, zunächst müssten notwendige Genehmigungen eingeholt werden. Er hoffe, diese lägen bis November vor. In einem Interview der staatlichen Nachrichtenseite "Al-Ahram" sagte Reeves, es gebe Gespräche mit einem japanischen Experten für Radartechnik, der die schwierigen Messungen durchführen könnte.

Verdächtige Linien auf hochauflösenden Fotos

Reeves hatte im August mit einem Aufsatz über Auffälligkeiten in der Grabkammer des Kindkönigs Tutanchamun (um 1330 vor Christus) für Aufsehen gesorgt. Der Archäologe hatte sich über den ungewöhnlichen Bauplan von Tutanchamuns Grabkammer sowie Ungereimtheiten in den Wandgemälden und bei den Grabbeigaben gewundert. So entstand seine Hypothese, dass hinter dem Grab des Pharao die Grabkammer Nofretetes liegt.

Dass es gerade Nofretete sei, die sich hinter der Nordwand der Kammer verbergen soll, erklärt Reeves unter anderem mit der Verbindung zwischen ihr und Tutanchamun. Nofretete war dessen Stiefmutter und - in Reeves Theorie - gleichzeitig seine Vorgängerin als Pharaonin.

Tutanchamuns Grab (weiß) sowie die vermuteten zusätzlichen Kammern (gelb) - ein Nebenraum hinter der Westwand (x) sowie Nofretetes Grabkammer hinter der Nordwand (y)
TMP/ Nicholas Reeves

Tutanchamuns Grab (weiß) sowie die vermuteten zusätzlichen Kammern (gelb) - ein Nebenraum hinter der Westwand (x) sowie Nofretetes Grabkammer hinter der Nordwand (y)

Wenn Reeves das Grab der Nofretete wirklich finden sollte, wäre dies eine der größten Sensationen in der Archäologiegeschichte. Die weltbekannte Büste der schönen Nofretete, die 1912 entdeckt wurde, ist auf der Museumsinsel in Berlin ausgestellt.

"Vielleicht hat das ja alles eine Bedeutung"

Der Ägyptologe erinnert sich genau an den Moment, als ihm erstmals der Verdacht kam. "Das war im Februar 2014", schildert er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Er studierte die hochauflösenden Fotografien der Wandmalereien und der Oberflächenstruktur einer Kammer des Tutanchamun-Grabs von der Madrider Firma Factum Arte. Die Auflösung der Bilder ist deutlich besser als von allen früheren Fotos, wodurch jeder Pinselstrich erkennbar ist. "Ich habe sie mir nur bewundernd angeschaut, ohne nach etwas Bestimmtem zu suchen - und dann habe ich diese Linien gesehen."

Die Linien entpuppten sich als feine Absätze, die deutlicher werden, wenn man die Farbe weglässt und sich auf die Oberflächenstruktur der Wand konzentriert. Je genauer Reeves hinschaute, desto deutlicher formten diese Linien die Umrisse zweier Durchgänge. Einer liegt an der Westwand der Kammer, seine Maße entsprechen denen des Durchgangs im Vorzimmer der Grabanlage zu einem Nebenraum. Ein weiterer Durchgang liegt nach Reeves' Angaben an der Nordwand. Auch der hat seine Entsprechung an einer anderen Wand, seine westliche Seite liegt genau in der Fortsetzung der Westwand des Vorzimmers. "Als ich die Maße verglich, dachte ich: Vielleicht hat das ja alles eine Bedeutung."

Weitere Belege für seine These fand Reeves in den Gemälden der Kammer. Die Gesichter der Figuren haben beispielsweise tiefe Mundwinkelfalten - ein Zug, der sonst vor allem von den späten Porträts der Nofretete bekannt ist.

Andere Fachleute halten die These von der unentdeckten Kammer für plausibel. Ute Rummel vom Deutschen Archäologischen Institut in Kairo findet Reeves' Argumentation "schlüssig". Letztendlich müsse man mit nicht-invasiven Methoden klären, ob es sich bei den entdeckten Linien tatsächlich um Türdurchgänge handle. Genau das soll jetzt passieren.

Angelika Franz/hda/dpa



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insgesamt 18 Beiträge
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Analog 01.10.2015
1. Warum dauert die Aufklärung
so lange? Von diesen Radarmessungen war vor Wochen schon die Rede. Das kann man an einem Nachmittag klären.
tutfuchs 01.10.2015
2. Äh nein, Experten wissen, das dauert....
Zitat von Analogso lange? Von diesen Radarmessungen war vor Wochen schon die Rede. Das kann man an einem Nachmittag klären.
Nicht gleich ungeduldig werden, mit Verlaub, so einfach ist das natürlich nicht, auch bei der Ägypt. Altertümerverwaltung müssen Standards eingehalten werden. 1. Reeves hatte sich gewünscht, vorher ein Ortsbegehung zu machen, um seine Erkenntnisse vor Ort verdeutlichen zu können, neben dem T Grab erfolgte die Besichtigung noch in vier weiteren Gräbern mit Bezug zur Amarna Zeit 2.Für die Radarmessungen wird Spezialgerät benötigt, kommt aus Japan, zudem ist der zuständige Experte selbst Archäologe und mit Messungen und Grabungen im Tal bereits erfahren. Es wir Wert darauf gelegt, nicht irgendwelches Gerät einzusetzen, sondern extrem vorsichtig vorzugehen in Hinblick auf die fragilen Gegebenheiten des Gesteins im Tal rund um das Grab, zu starke Vibrationen könnten enorme Schäden verursachen. 3. Nein, ein Ägyptologe wirft nicht einfach mit Vermutungen um sich, kommt nach Ä. und die Antikenverwaltung führt am nächsten Tag sämtliche Untersuchungen vor Ort vor. Reeves hatte seine These veröffentlicht und zeitgleich über die Ä. Botschaft in NY Kontakt aufgenommen, dann wurde die Ortsbegehung geplant um seine These zu erläutern und erst dann sollte so oder so die Entscheidung erfolgen ob Messungen angebracht sind. Ob sie es glauben oder nicht, auch vor Ort braucht man eine Erlaubnis um derartige Vorgänge zu starten, ua zwecks Kostenübernahme etc. Völlig normal der Vorgang, dauert einige Wochen bis Monate, war schon zu Carters Zeiten so und hat sich bis heute nicht geändert. Übrigens, Reeves ist , wenn er nicht gerade Theorien entwirft, Dozent an der Uni von Arizona. Der kann auch nicht mal so eben einfach von heute auf morgen in der Welt herumreise.
cyoulater 01.10.2015
3.
Zitat von Analogso lange? Von diesen Radarmessungen war vor Wochen schon die Rede. Das kann man an einem Nachmittag klären.
Steht alles im Artikel: "Al-Damati sagte, zunächst müssten notwendige Genehmigungen eingeholt werden. Er hoffe, diese lägen bis November vor. In einem Interview der staatlichen Nachrichtenseite "Al-Ahram" sagte Reeves, es gebe Gespräche mit einem japanischen Experten für Radartechnik, der die schwierigen Messungen durchführen könnte." Zunächst ging es vor ein paar Wochen ja mal um einen wissenschaftlichen Diskurs zu den veröffentlichten Thesen. Und eine solche Genehmigung kriegen Sie vermutlich auch in Deutschland nicht "an einem Nachmittag". Von den technischen und logistischen Widrigkeiten mal ganz zu schweigen.
Sumerer 01.10.2015
4.
Überzeugend für diese These, sind die Gesichtszüge auf den Wandmalereien des Grabes, im Vergleich zu den Zügen der Büste der Nofretete. Selbst die Totenmaske muss nicht für Tutenchamun gebildet sein. Ich habe zwar nur eine Nachbildung in Köln gesehen. In Nachhinein betrachtet, könnte diese Maske auch für eine Frau bestimmt gewesen sein. Egal, diese Maske gehört zu den schönsten Nachbildungen eines menschlichen Gesichts, welches ich je gesehen habe. Die Aufwendung für die Bestattung sind unvergleichbar. Ich fände es toll, wenn Reeves mit seiner These recht hätte.
viwaldi 01.10.2015
5. Mal locker bleiben...
könnte auch sein, dass das Grab nach Plan größer werden sollte, und als Tutenchamun so früh starb, hat man zwei angefangene Räume schnell zugemauert und die gesamte Anlage kleiner gehalten. Selbst wenn also Räume dahinter sind, ist es reine Spekulation, dass dort eine andere Königin bestattet wurde. Aber das verkauft sich natürlich besser als: Grab von Tutenchamun war mal größer geplant als dann ausgeführt. Wer weiss, wie man sich später einmal über den BER wundern wird ;-)
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