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Tee-Therapie: Die wundersame Rettung des Professors Hunstein

Von Marion Rollin

Blähungen, verdickte Zunge, schwaches Herz: Der Heidelberger Professor Werner Hunstein litt an einer leukämieähnlichen Erkrankung - und bekam schließlich Hilfe durch eine Allerweltspflanze. Nun arbeitet er mit Kollegen daran, seine Erfolgsgeschichte wissenschaftlich aufzubereiten.

Er hatte seinen Lebensschwung verloren. "Hier hab ich gesessen und nur noch auf den Tod gewartet", sagt Werner Hunstein. Er zeigt auf seinen drehbaren Bauhaus-Sessel, richtet ihn zum Fenster aus, setzt sich, wie damals. Blickt nach draußen in eine üppige Parklandschaft. "Neckartal. Heidelberg. Wie ich diesen Ausblick heute wieder genieße." Er lächelt. Dann weint er plötzlich.

Teepflanze: "Grüner Tee! Ich bitte Sie!"
Deutscher Teeverband/ddp

Teepflanze: "Grüner Tee! Ich bitte Sie!"

"Entschuldigung", sagt er leise: "Wenn man dem Tod einmal ins Auge geblickt hat, weiß man plötzlich, dass das Leben begrenzt ist. In der Zeit danach ist man wie neugeboren. Alles ist sehr schön."

Frühjahr 2001. Werner Hunstein, Facharzt für Hämatologie und bis zu seiner Emeritierung Direktor der Medizinischen Universitäts-Poliklinik Heidelberg, fühlt sich zum ersten Mal in seinem Leben sehr schlapp. "Wunderbar", denkt der damals 72-jährige Experte für Blutkrankheiten. "Jetzt bin ich endlich mal selbst Patient und muss mich nicht mehr um alles kümmern." Genau das, sagt er, sei sein großer Fehler gewesen. Eine Odyssee beginnt. Seine Hausärztin überweist ihn zum Kardiologen. Der schickt ihn zu einem weiteren Herzspezialisten. Dann folgt ein Nierenfacharzt. Drei Jahre lang ein ärztlicher Irrtum nach dem anderen.

Dezember 2004. Hunsteins Gesundheitszustand ist schlecht. Blähungen, verdickte Zunge, schwaches Herz - doch noch immer keine richtige Diagnose. "Ich habe als Patient einfach nicht mitgedacht", sagt Hunstein. Erst im letzten Moment wird er aktiv. Fährt nach Düsseldorf zu Professor Rainer Haas, einem seiner ehemaligen Schüler. Nun geht alles sehr schnell. Magenspiegelung, Darmspiegelung, die Analyse von Polypen. Und endlich hat Hunsteins Krankheit einen Namen: Systemische Amyloidose.

Diese leukämieähnliche Erkrankung tritt sehr selten auf. Anders als in einem gesunden Organismus produzieren bestimmte Plasmazellen im Blut dann keine Antikörper mehr, welche die Immunabwehr alarmieren. Bei der Amyloidose sind einige Blutzellen entartet, so dass sie nur noch Teile von Antikörpern herstellen ("Proteinfehlfaltung") und diese ins Blut abgeben. Dort verklumpen sie zu unauflöslichen Eiweißfäden, den sogenannten Amyloid-Fibrillen, und lagern sich in Organen ab. Die verdicken und können nicht mehr normal arbeiten. Mit lebensbedrohlichen Folgen.

Bei Hunstein sind vor allem das Herz, die Nieren und die Zunge betroffen. Das Reden fällt ihm zunehmend schwer. Die Luft zum Atmen ist knapp. Als er seine ehemaligen Kollegen zum Abendessen einlädt, kann er sie nur mit vielen Pausen den kurzen Weg von der Gartenpforte zu seiner Haustür geleiten. Was sie sich dabei zuraunen, haben sie Hunstein erst später gestanden: "Der Alte macht's nicht mehr lange."

Nach der Diagnose beginnt Hunstein, um sein Leben zu kämpfen, recherchiert in aller Welt, auf der Suche nach der besten Behandlungsmethode.

April 2005. Hunstein unterzieht sich einer Chemotherapie. Seine Herzscheidewand darf keinesfalls noch dicker werden, als sie jetzt ist: 16,5 Millimeter.

Monat für Monat wird nun gemessen: 16,5 mm. 16,5 mm. 16,5 mm. Die Ärzte triumphieren: Ihre Chemotherapie wirkt! Doch für Hunstein wird sie zum "Marsch durch die Hölle". 16 Monate hält er durch. Er verliert den Geschmackssinn. Ist stets müde. Kann nicht schlafen. Fällt in eine Depression. "Ich hab mir", sagt er, "die Augen aus dem Kopf geweint."

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