Teenager-Liebe: Ist egal, ob wir drüber reden

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Corbis

Beziehungstress: Konstruktiv streiten ist in Teenager-Partnerschaften nicht so wichtig

In welcher Art und Weise ein Paar streitet und wie es Konflikte löst, entscheidet ganz wesentlich darüber, ob die Beziehung hält. Das gilt zumindest bei Erwachsenen. Niederländische Forscher haben nun das Streitverhalten von jugendlichen Paaren untersucht - und eine Überraschung erlebt.

Wie sie mit Konflikten umgehen, scheint bei Teenager-Beziehungen unwichtiger zu sein als bei Erwachsenen. Jedenfalls beeinflusst das Potential, Streitigkeiten zu lösen, nicht, wie lange ein Paar zusammenbleibt. Das berichten niederländische Forscher nach einer dreijährigen Studie mit 80 jugendlichen Paaren im Fachmagazin "Plos one".

Diverse Studien mit Erwachsenen belegen, dass die Beziehungen länger halten, wenn Paare Konflikte konstruktiv angehen und sich danach wieder zusammenraufen können. Bei Jugendlichen dagegen sei das bisher kaum untersucht, schreibt das Team um Thao Ha von der Radboud Universität Nijmegen. Sie erwähnen zwei frühere Studien mit widersprüchlichen Ergebnissen.

Die Wissenschaftler rekrutierten 80 heterosexuelle Teenager-Paare; die Teilnehmer waren zu Studienbeginn zwischen 13 und 18 Jahre alt. Einmal pro Jahr luden sie die Paare an die Universität ein, dort testeten und beobachteten sie das Konfliktverhalten der Jugendlichen in mehreren Szenarien. Das heißt: Die Jugendlichen sollten eines von mehreren vorgeschlagenen Themen diskutieren, die bei Teenagern für Streit sorgen - von Unpünktlichkeit bis Untreue.

Zusätzlich füllten die Jugendlichen Fragebögen aus, in denen sie ihren Umgang mit Konflikten selbst einschätzten. Hatte sich jemand getrennt und einen neuen Partner, wurde dieser ebenfalls eingeladen, so dass die Forscher weiter untersuchten, wie ihre ursprünglichen 160 Teilnehmer mit Streitigkeiten umgingen.

Konflikte lieber leugnen

Fast alle Probanden blieben bis zum Ende der Studie am Ball, nur 2 der 80 Paare sprangen zwischenzeitig ab - ein erstaunlich guter Wert für eine solche Studie. Allerdings hatten sich nach einem Jahr bereits 43 Paare getrennt, beim Studienabschluss nach drei Jahren waren sogar 68 der ursprünglichen 80 Duos nicht mehr zusammen.

Die Forscher haben einige Ideen, warum der Umgang mit Streitfragen die Beziehungsdauer bei den Teenagern überhaupt nicht beeinflusste.

Es könnte schlicht sein, dass Teenager weniger streiten als es erwachsene Paare tun. Und: "Falls es einen Konflikt gibt, neigen Jugendliche dazu, das zu leugnen oder als unwichtig darzustellen", schreiben sie. Deshalb könnte der Effekt solcher Streitfragen auf die Beziehung eben kleiner sein.

Außerdem gebe es einen deutlichen Unterschied zwischen vielen Teenager-Beziehungen und denen von Erwachsenen. Letztere streben gemeinsam oft langfristige Ziele an - und müssen dabei auch größere Konflikte lösen, da diese sonst immer wieder aufflammen, was letztlich die Beziehung vergiftet. Für die Jugendlichen geht's dagegen meist noch nicht um den großen Lebensentwurf: Sie wollen Romantik, Spaß - kurz, einfach eine tolle Zeit zusammen. Konfliktlösung ist da keine wichtige Fähigkeit.

Ein wenig Übung im Streiten bekommen die Jugendlichen wohl trotzdem. Zumindest hatten die Teilnehmer in der niederländischen Studie schon einige Beziehungs- und Trennungserfahrung - im Schnitt hatten sie schon mindestens drei Romanzen hinter sich.

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insgesamt 25 Beiträge
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1.
julia-s12345 20.04.2013
Immer dieses Psychologen blablabla. Die Teenager Zeit ist so lange her, als Erwachsener kommt der Ernst des Lebens. Zieht man von zu Hause weg, muss man seinen Weg finden, manche haben Glück, den richtigen Partner zu finden, andere Pech, dass das nicht klappt. So einfach ist es. Was in der Teenie Zeit war, interessiert nicht mehr und ist auch nicht relevant und was SPON da schreibt, hätte ich auch ohne Probanden gewusst!
2. Lieber Blabla als Besserwisserei
esheisstextravertiert 20.04.2013
Ich bin sehr froh über das Psychologen blabla. In dieser und ähnlichen Studien werden Hypothesen empirisch geprüft. Die Küchenpsychologie ("hätte ich auch ohne Probanden gewusst") mag durch diesen Befund bestätigt werden. Nichtsdestotrotz ist diese Art Forschung zu wichtig, als dass sie sich narzisstisch abwerten ließe.
3. Madame Julia-s12345
katkaleen 20.04.2013
Ich bin 32 Jahre alt, aber kann mich noch sehr gut an meine Teenagerzeit erinnern. Und ich muss mich über Sie wundern. Heisst es nicht "Wer die Geschichte ignoriert, ist dazu vedammt, sie zu wiederholen"? Das gilt auch für dein eigenes Lebens-Märchen.
4. Teenager-Beziehungen sind selten langfristig
Sibylle1969 20.04.2013
Die meisten Teenagerbeziehungen dauern zwischen wenigen Wochen und wenigen Monaten. Länger als ein Jahr dauern die wenigsten. In diesem Alter sucht man meist noch nicht den Partner fürs Leben, und daher ist es auch noch nicht wichtig, wie gut man mit Konflikten umgehen kann.
5. So ein Quark!
01099 20.04.2013
Na klar streiten sich Jugendliche weniger über grundlegende Lebensbereiche. Sie sind ja auch noch nicht "fertig" und haben Erfahrungen eines Erwachsenen und der "cause and effect"-Katalog ist bei Weitem nicht so groß. Wenn sie sich streiten dann sicher eher darüber, welches Lied von Lady Gaga das beste ist und wie man sich so anzieht. Viel mehr wird bei den meisten nicht kommen. Vielleicht noch Eifersüchteleien. Die lieben Forscher sollten sich lieber mal die Erwachsenen anschauen, die immer noch in diesem Stadium der Entwicklung festhängen und deshalb keine Paarbeziehungen mehr aufbauen können. Das ist das spannendere Thema.
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