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Erkältung: Männer leiden stärker

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Corbis

Krank im Bett: Vor Überreaktionen bewahrt

Frauen machen sich gerne lustig über das Wehklagen von Männern bei kleineren Krankheiten - zu Unrecht, wie eine Studie zeigt: Das weibliche Immunsystem reagiert stärker, Frauen müssen offenbar weniger leiden. Schuld ist das Sexualhormon Testosteron.

Männer leiden anscheinend stärker unter Erkältungskrankheiten als Frauen. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher nach der Untersuchung der Reaktion von Probanden auf Grippeimpfungen. Dabei haben sie einen Unterschied festgestellt: Das Immunsystem von Frauen reagiert stärker als das von Männern. Der Grund dafür sind einer neuen Studie zufolge Gene, deren Aktivität wahrscheinlich durch das männliche Geschlechtshormon Testosteron beeinflusst wird.

Warum die körpereigene Abwehr von Frauen stärker reagiere, sei bisher unklar gewesen, berichten Forscher um Mark Davis von der Stanford-Universität in Kalifornien in den "Proceedings" der US-amerikanischen Akademie der Wissenschaften ("PNAS"). Das Forscherteam hat die Reaktionen von 53 Frauen und 34 Männern unterschiedlichen Alters auf die üblichen Grippeimpfungen untersucht.

Der Studie zufolge produzierten die Frauen als Reaktion auf die Grippeimpfung mehr Antikörper und auch mehr Zytokine. Das sind Eiweiße, die ebenfalls eine wichtige Rolle im Immunsystem spielen. Am deutlichsten waren die Unterschiede beim Impfstoff gegen den aggressiven Grippeerreger H3N2. Die bessere Abwehrreaktion bedeutet weniger Anfälligkeit gegen die Krankheit.

Diese Annahme war 2010 von Computersimulationen bestätigt worden. Eine Studie 2011hatte bereits ermittelt, dass das Immunsystem von Frauen stärker auf Attacken reagiert, zumindest bis zur Menopause. Frauen könnten aufgrund ihrer Immunabwehr folglich eher Schnupfen bekommen, aber gleichzeitig weniger stark erkranken.

Geschichtliche Ursache?

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass die Wirksamkeit und auch die Nebenwirkungen von Impfungen bei Frauen und Männern unterschiedlich ausfallen können. Dabei waren zum Beispiel Vakzine gegen Grippe, Gelbfieber, Masern und Mumps untersucht worden.

Die Wissenschaftler konnten die unterschiedliche Reaktion auf eine Gruppe von Genen zurückführen, die mit dem Fettstoffwechsel zu tun hat, aber auch bekannt dafür ist, an einer verminderten Immunantwort beteiligt zu sein. Diese Gene reagieren verstärkt auf das männliche Sexualhormon Testosteron, wie die Autoren schreiben. Dazu passe, dass in den Versuchen Männer mit erhöhtem Testosteronspiegel eine schwächere Immunantwort auf die Grippeimpfungen zeigten.

Testosteron als Immundämpfer bei Männern könnte in der Entwicklungsgeschichte eventuell Vorteile geboten haben, spekuliert Davis: Es könnte das Immunsystem der häufiger von Verletzungen und Infektionen bedrohten Männer vor Überreaktionen bewahrt haben.

In Deutschland hat nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) die Grippewelle noch nicht begonnen. "Die Impfung lohnt sich noch", sagte RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher. "Es dauert etwa zwei Wochen, bis der Schutz aufgebaut ist." Die Ständige Impfkommission am RKI empfiehlt die Impfung grundsätzlich allen Menschen ab 60 Jahren, Schwangeren, chronisch Kranken sowie Bewohnern von Alters- oder Pflegeheimen. Auch medizinisches Personal sollte sich impfen lassen.

boj/dpa

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