Testlauf in Berlin Riesen-Akku soll ganze Insel versorgen

Eine ganze Azoreninsel soll in Berlin simuliert werden - zumindest ihre Stromversorgung. Europas größte Natrium-Schwefel-Batterie, untergebracht in zwei gigantischen Metallschränken, wird derzeit auf ihre Leistung geprüft. Sechs Stunden lang soll sie 1000 Haushalte versorgen.

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Selbst wenn der Strom ausfiele auf Graciosa - die Lichter auf der Azoreninsel würden nicht ausgehen. Zumindest sechs Stunden lang nicht. Der Grund: ein Monster-Akku mit einer Kapazität von sechs Megawattstunden. Ab Donnerstag wird er - in zwei gigantischen Metallschränken untergebracht - in Berlin getestet.

Auf Graciosa stößt der Ausbau von Solar- und Windenergie derzeit an eine Grenze: Falls Windräder und Solarzellen zugleich ausfallen, müssen Dieselgeneratoren einspringen, die jedoch nur in begrenzter Menge zur Verfügung stehen. Diese Versorgungslücke will nun die frisch gegründete Berliner Firma Younicos mit den Monster-Akkus ausfüllen. Die Batterien selbst stammen aus Japan, wo die größten Natrium-Schwefel-Batterien der Welt stehen. Krankenhäuser werden damit gegen den Stromausfall bei Erdbeben abgesichert. Die Regelelektronik des Gesamtsystems wurde in Berlin entwickelt.

Von der futuristisch anmutenden Kommandobrücke am Rande der Firmenhalle aus lässt sich die Stromversorgung einer Art Miniaturinsel steuern: Ein echter, riesiger Dieselgenerator liefert Energie an ein kleines Modell-Umspannwerk. Die Ingenieure verwenden Echtzeitdaten tatsächlicher Wind- und Stromanlagen, um zu simulieren, wie der Ökostrom sich mit dem Dieselstrom mischt.

Dann wird der Dieselgenerator ausgeschaltet - ein kritischer Moment, denn nun muss sich zeigen, dass dank des Akkus auch nachts und bei Flaute das Licht in den über 4000 Haushalten auf der Insel nicht ausgeht.

Die aufwändige Demonstrationsanlage ist natürlich nicht nur für Graciosa geeignet, sondern soll als universelles Schaufenster dienen, in dem auch andere Städte und Gemeinden ihren eigenen Strom-Mix minutiös durchspielen können.

Für die Zukunft plant die Berliner Firma eine wahrlich unüberhörbare Demonstration ihrer Batterien: Ein Solar-Rockkonzert, bei dem die gesamte Energie von Solarzellen stammt, über Tage hinweg gespeichert in den Batterien. Wenn der Sonnensaft alle ist, würde die Musik versiegen.



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