Tierversuch: Neues Gehör durch Gentherapie

Wer schwerhörig ist, braucht ein Hörgerät. Bis jetzt: US-Forschern ist es gelungen, neue Sinneszellen im Innenohr von Mäusen zu züchten. Sie erhoffen sich nun auch für den Menschen neue Therapien bei Hörproblemen.

Sind sie einmal zerstört, wachsen sie kaum wieder nach: Die empfindlichen Sinneszellen im Innenohr verursachen am häufigsten bleibende Hörschäden. Weil Menschen nicht in der Lage sind, diese Zellen in ausreichender Menge neu zu bilden, bleiben Schwerhörigen bislang nur Hörgeräte, die den Rest der Schallübertragung verstärken. Das könnte sich in der Zukunft ändern: US-Forschern ist es jetzt gelungen, funktionierende Sinneszellen im Ohr von Mäusen wachsen zu lassen.

Neue Sinneszellen: Das linke Bild zeigt eine elektronenmikroskopische Aufnahme von einem normalen Innenohr einer Maus. Im rechten Bild sind deutlich mehr Zellen zu sehen. Diese Maus war mit dem Gen Atoh1 behandelt worden
NPG

Neue Sinneszellen: Das linke Bild zeigt eine elektronenmikroskopische Aufnahme von einem normalen Innenohr einer Maus. Im rechten Bild sind deutlich mehr Zellen zu sehen. Diese Maus war mit dem Gen Atoh1 behandelt worden

Bei ihrem Versuch schleusten die Wissenschaftler um John Brigande von der Oregon Health and Science University in Portland (US-Bundesstaat Oregon) den Tieren ein zusätzliches Gen während der embryonalen Entwicklung ein. Dieses regte die Produktion neuer Haarzellen im Ohr an, die natürlicherweise dazu da sind, Schallwellen in einen elektrischen Reiz umzuwandeln und ihn über den Hörnerv ins Gehirn weiterzuleiten.

Die Forscher benutzten ein Gen mit dem Kurznamen Atoh1, das für die Entwicklung von Haarzellen mitverantwortlich ist. Wie das Team online vorab im Fachmagazin "Nature" berichtet, transferierte es das Gen am elften Entwicklungstag der Mäuseembryonen in die schallempfindliche Struktur des Innenohrs, das sogenannte Cortische Organ. Während die übrige vorgeburtliche Entwicklung von dem Eingriff unbeeinflusst blieb, hatten sich bereits am 18. Entwicklungstag der Embryonen deutlich mehr Haarzellen gebildet als bei einer Vergleichsgruppe.

Die Zellen waren entstanden, weil Atoh1 Nicht-Sinneszellen in Haarzellen umgewandelt hatte, so die Wissenschaftler. Entscheidend war für sie aber vor allem die Funktion: Die neugewachsenen Sinneszellen waren in der Lage, Schallwellen zu übertragen. Damit seien sie voll funktionstüchtig, so die Wissenschaftler. Brigande und seine Kollegen sind überzeugt, dass die Bildung funktionaler Haarzellen ein wichtiger erster Schritt sei auf dem Weg zu einer Gentherapie für Erkrankungen des Innenohrs auch beim Menschen.

hei/dpa

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