Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Tierversuch: Stammzellen reparieren Niere

Eine Behandlung mit Stammzellen aus dem Knochenmark könnte bei Menschen mit angeborenen Nierenschäden in Zukunft Dialyse und Nierentransplantation ersetzen. Dies hoffen US-Forscher nach erfolgreichen Versuchen bei Mäusen.

Normalerweise haben Mäuse mit dem sogenannten Alport-Syndrom nur ein kurzes Leben. Wegen eines genetischen Defekts arbeiten ihre Nieren nur sehr eingeschränkt. Hikaru Sugimoto und seine Kollegen von der Harvard Medical School in Boston haben nun eine viel versprechende Therapie für die Krankheit entwickelt. Sie transplantierten den Tieren Stammzellen aus dem Knochenmark gesunder Mäuse. Durch die Behandlung habe sich das geschädigte Gewebe regeneriert und die Nierenfunktion deutlich verbessert, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Patient bei Dialyse: Stammzellen als Alternative?
DPA

Patient bei Dialyse: Stammzellen als Alternative?

Das Alport-Syndrom ist eine Erbkrankheit, bei der der Körper eine bestimmte Form von Kollagen, den Typ IV, nicht herstellen kann. Dieses Protein verleiht nicht nur dem Innenohr Form und Stabilität, sondern auch dem feinen Netzwerk aus Gefäßen in der Niere, das für das Herausfiltern von Giftstoffen aus dem Blut zuständig ist. Fehlt das Eiweiß, bildet sich dieses Netz nicht richtig aus und die Nieren der Betroffenen versagen bereits im jungen Erwachsenenalter.

Obwohl die genetischen Veränderungen, die der Krankheit zugrunde liegen, bereits seit längerem bekannt sind, ist das Alport-Syndrom bis heute nicht heilbar. Behandelt werden lediglich die Symptome, etwa durch eine Dialyse zur Unterstützung der geschädigten Nieren oder Nierentransplantationen in fortgeschritteneren Stadien.

Die von Sugimotos Team entwickelte Stammzellbehandlung könnte Dialyse und Transplantation überflüssig machen. Nach der Transplantation der Stammzellen begann sich das Gewebe des Gefäßnetzwerks der Mäusenieren zu erholen: Die Zellen aus dem neuen Knochenmark verwandelten sich in funktionsfähige Nierenzellen und begannen dann mit der Produktion des fehlenden Kollagens. Dadurch wurden anschließend die Strukturen des Filtersystems stabilisiert - es konnte seine Funktion wieder aufnehmen.

Schon nach vier Wochen waren bei den behandelten Mäusen zehn Prozent der transplantierten Zellen in das Filtergewebe integriert, berichten die Forscher. Gleichzeitig verbesserte sich die Nierenfunktion der Tiere: Die Menge an Blut und Eiweiß, die sich im Urin der Mäuse befand, nahm deutlich ab - ein Zeichen dafür, dass sich die zuvor existierenden Löcher im Filtersystem geschlossen hatten.

Die Knochenmarkstransplantation sei demnach prinzipiell geeignet, Nierenkrankheiten wie das Alport-Syndrom zu behandeln und biete auch eine vielversprechende Möglichkeit für eine Therapie beim Menschen, erklärten die Wissenschaftler. 

Im vergangenen Jahr hatten Mediziner des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf über Laborversuche berichtet, bei denen sie akutes Nierenversagen mit einer Transplantation sogenannter mesenchymaler Stammzellen behandelt hatten. Dies habe zu einer schnellen Erholung des geschädigten Organs schon innerhalb der ersten drei Tage nach der Behandlung beigetragen, erklärten Axel R. Zander und seine Kollegen aus Hamburg und von der University of Utah in Salt Lake City. Den Erfolg führten die Forscher jedoch nicht auf eine Ansiedlung der Stammzellen zurück, sondern darauf, dass die Zellen bestimmte Stoffe freisetzen, die die körpereigenen Zellen bei der Regeneration des Organs unterstützen.

hda/ddp

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: