Tierversuch Wirkstoff-Cocktail bewahrt Mäuse vor Diabetes

Zuckerkrankheit vom Typ I, einst auch Jugenddiabetes genannt, kann bei Versuchstieren mit einer Mixtur aus drei Medikamenten behandelt werden: Im Labor erholten sich die Blutwerte von den Versuchsmäusen, während ihre Leidensgenossen trotz Insulinbehandlung starben.


Boston - Von Heilung zu sprechen, wäre übertrieben. Aber zumindest vor einer drohenden Krankheit bewahrt worden sind die Mäuse im Labor von Maria Koulmanda. Die Medizinerin am Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston hat Versuchstieren mit beginnender Typ-I-Diabetes wieder zu einem normalen Blutzuckerspiegel verholfen.

Labormäuse: Mit Dreier-Cocktail gegen Diabetes-I
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Labormäuse: Mit Dreier-Cocktail gegen Diabetes-I

Bei der Krankheit zerstört das fehlgeleitete Immunsystem jene Zellen der Bauchspeicheldrüse, die das lebenswichtige Hormon Insulin produzieren. Fehlt es, kann der Zuckergehalt im Blut nicht mehr geregelt werden - der Patient stirbt.

In der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten Koulmanda und ihre Kollegen von einem Cocktail aus drei Wirkstoffen, mit denen sie das zerstörerische Werk der Krankheit bei Versuchsmäusen aufhalten konnten: Ein Mix aus einem Antibiotikum und zwei künstlich hergestellten Proteinen erhöhte demnach die Toleranz des Immunsystems für die Insulin produzierenden Zellen. "Nach zwei bis vier Wochen Behandlung mit der Dreiertherapie hatten die diabetischen Mäuse wieder normale Blutwerte", schreiben die Forscher. Nicht behandelte Kontrolltiere starben hingegen, obwohl ihnen künstliches Insulin gespritzt worden war.

Die Behandlung verringerte unter anderem die Entzündungsreaktionen in den Zellen - dies sei einer der Schlüssel für die Behandlung des Leidens. Ob dies auch für die Behandlung von zuckerkranken Menschen eines Tages Bedeutung erlangen könnte, ist noch ungewiss - auch wenn die Autoren die Entwicklung einer solchen Therapie anregen.

In Deutschland sind nach Angaben der Deutschen Diabetes-Gesellschaft zwischen sechs und acht Prozent der Bevölkerung (etwa 4,8 bis 6,5 Millionen Menschen) zuckerkrank. Davon leiden aber nur etwa fünf Prozent an Typ-I-Diabetes, die früher auch Jugenddiabetes genannt wurde - nur für diese Form könnte der nun vorgestellte Ansatz möglicherweise zielführend sein.

Die übrigen 95 Prozent leiden an Typ-II-Diabetes. Von der Bezeichnung Altersdiabetes kommt man immer mehr ab, weil die Krankheit oft mit Übergewicht einhergeht - und inzwischen bei weitem nicht mehr nur ältere Menschen betrifft. Bei dieser Variante der Krankheit ist die Insulinwirkung vermindert, und die Insulin bildenden Zellen erschöpfen sich mit der Zeit. Für sie würde die Methode von Koulmanda und ihren Kollegen keine mögliche Therapie darstellen.

stx/dpa



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